Chinesischer Bergbaukonzern zerstört Mangroven im Sambesi-Delta für Schwermineralsande
Eine Mongabay-Recherche deckt die systematische Zerstörung von Hunderten Hektar Mangrovenwald an der Küste Mosambiks durch Schwermineralsand-Abbau auf. Verantwortlich ist die Mozambique Heavy Sand Company VIII, eine Tochtergesellschaft des einflussreichen chinesischen Bergbaukonzerns Jinan Yuxiao Group – der nach eigenen Angaben das größte chinesische Bergbauunternehmen in Mosambik ist und Konzessionen über mehr als 500.000 Hektar hält.
01.10.2026
Den Anstoß für die Recherche gab ein Frühwarnsystem: Lammert Hilarides, Fernerkundungsspezialist bei Wetlands International, bemerkte Ende 2023 eine Häufung von Mangroven-Entwaldungsalarmen im Distrikt Chinde der Provinz Zambezia, die über den Global Mangrove Watch eingingen. Durch systematische Analyse der Alarmmuster schloss er, dass menschliche Aktivitäten für die Verluste verantwortlich waren. Satellitenbilder, die Mongabay ausgewertet hat, zeigen, wie zwischen Anfang 2022 und 2026 eine Wasserstraße im Sambesi-Delta durch Bergbauaktivitäten blockiert wurde – die Verbindung zwischen Ästuar und Meer wurde gekappt. Die veränderte Hydrologie beeinflusste die Chemie der durchnässten Böden und führte zum Absterben der Mangroven.
Das Sambesi-Delta ist als Ramsar-Gebiet – ein Feuchtgebiet von globaler Bedeutung – anerkannt und gilt als „eines der vielfältigsten und produktivsten Flussdeltasysteme der Welt“. Die Konzession der Mozambique Heavy Sand Co. VIII in Chinde umfasst 3.281 Hektar und liegt innerhalb dieses Deltas. Hilarides dokumentierte den progressiven Mangrovenverlust über vier Jahre: Neue Straßen öffneten sich im Ästuarland, große Schiffe erschienen in schmalen Wasserwegen, und bis Anfang 2026 war von einem einst dichten Mangrovenbestand nur noch ein Wasserkanal übrig, umgeben von nacktem, ausgetrocknetem Boden. „Es ist eine Tragödie“, sagt Hilarides. „Mit einem besser durchdachten Plan hätte es verhindert werden können.“
Fatima Mimbire, Aktivistin für Transparenz im mosambikanischen Bergbausektor und Mitglied des Lenkungsausschusses der Extractive Industries Transparency Initiative, zeichnet ein breiteres Bild: „Alle unsere Küstenzonen haben diese Schwermineralsand-Projekte. Diese Unternehmen zerstören ohne Rücksicht auf die Umwelt, ohne Rücksicht auf die Menschen.“ Die meisten Schwermineralsand-Firmen in Mosambik seien chinesisch. Die Jinan Yuxiao Group betreibt über ein Netzwerk von Tochtergesellschaften mindestens sechs aktive Lizenzen, vier weitere sind in Prüfung. Die Konzessionen zielen vor allem auf Ilmenit und Zirkon – Rohstoffe für Titandioxide, die in Farben, Kunststoffen und Sonnenschutzmitteln verwendet werden. China ist der Hauptabnehmer des mosambikanischen Titan-Rohstoffs.
José Mendes, Vorsitzender der Geologischen und Bergbauvereinigung Mosambiks, verweist auf ein strukturelles Problem: Verarbeitet haben die Mineralien einen zehnfach höheren Marktwert als der extrahierte Rohstoff, doch die Wertschöpfung findet im Ausland statt. „Konzessionäre nutzen die Situation im Land aus, um lokale Materialien zu nehmen und sie außerhalb zu verarbeiten.“ Zwar hat die Regierung 2026 die Bergbauregulierung überarbeitet und den Export unverarbeiteter Mineralien eingeschränkt, doch das neue Gesetz gilt nicht rückwirkend für bestehende Lizenzen. Hilarides setzt auf die Resilienz der Mangroven: Wenn die Verbindung zwischen Fluss und Meer wiederhergestellt werde, könnten sich die überlebenden Bäume erholen. „Aber je länger man wartet, desto schwieriger wird es.“
Quelle: UD
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