Klima & Umwelt

Brasilien: Ein Baum als Kulturerbe

In Santa Catarina im Süden Brasiliens pflanzen die Xokleng die Brasilianische Araukarie zurück, die sie „Zág“ nennen. Über 140.000 Setzlinge auf 1.000 Hektar sollen einen Baum retten, der für sie mehr ist als ein Symbol: Er steht im Zentrum ihres Ursprungsmythos. Weniger als 3 Prozent der ursprünglichen Araukarienwälder sind noch da. Das indigene Zág-Institut übernimmt die Arbeit – mit Mitteln der Rockefeller Foundation und des Mohamed bin Zayed Species Conservation Fund.

11.09.2026

Brasilien: Ein Baum als Kulturerbe

Die Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia) existiert seit rund 200 Millionen Jahren und ist charakteristisch für den Atlantischen Regenwald an der süd- und südöstlichen brasilianischen Küste. Ihre Samen – landesweit unter dem Namen „Pinhão“ bekannt – werden von mindestens 22 Tierarten und vom Menschen gegessen. Für die Xokleng, die sich selbst auch Laklãnõ nennen, sind sie mehr als Nahrung.

„Brasilianische Pinien sind heilig für uns“, zitiert Mongabay Carl Gakran, geschäftsführender Direktor des Zág-Instituts. „Die Geschichte unseres Volkes lässt sich nicht erzählen, ohne von ihnen zu sprechen. Unser Schöpfungsmythos besagt, dass das Schutztier aus diesem Baum gemacht wurde – er taucht in der allerersten Geschichte auf.“ In den Dörfern der Xokleng werden Menschen sogar nach dem Baum benannt; Carls Tochter heißt Zágtxo. „So wie unsere Pinie bedroht ist, so ist mein Volk bedroht – und damit auch unsere Sprache und Kultur.“ 2016 hatte Carl Gakran erfahren, dass die Art auf der Roten Liste der IUCN als kritisch bedroht geführt wird. Ursprünglich wollte er zehn Setzlinge auf seinem eigenen Grundstück pflanzen, mit Freunden entstanden in Workshops rund 1.000 Setzlinge. Das Institut folgte im Jahr darauf.

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Der Umfang ist inzwischen bemerkenswert. „Seitdem haben wir mehr als 140.000 Setzlinge produziert, mit Überlebensraten von 70 bis 80 Prozent“, so Carl Gakran. Rund 1.000 Hektar wurden bepflanzt. Das Institut arbeitet mit 30 bis 40 Freiwilligen aus mehreren Dörfern, in Erntezeiten bis zu 60. Rund die Hälfte sind Frauen. „Es sind die Frauen, die Zág pflanzen, wie wir sagen“, zitiert Mongabay Isabel Gakran, Vizepräsidentin und Umweltdirektorin des Instituts sowie Carls Ehefrau. „Sie beteiligen sich an Ernte und Pflanzung und nehmen an Workshops teil, in denen wir sie stärken – etwa in Fotografie und Technologie.“

Der ökologische und kulturelle Kontext ist von einer schweren Vergangenheit geprägt. Historisch bewohnten die Laklãnõ/Xokleng weite Teile des oberen und mittleren Itajaí-Tals, wie Mongabay Georgia Fontoura zitiert, Leiterin des Zentrums für indigene Studien der Regionalen Universität Blumenau. Mit der europäischen Kolonisation und dem brasilianischen Landgesetz von 1850 habe ein „stärkerer Prozess der Landnahme, Vertreibung und territorialen Einschließung“ begonnen, „verbunden mit gewaltsamer Verfolgung, Massakern und Zwangsumsiedlung“. Der 1914 durch Brasiliens Indianer-Schutzdienst herbeigeführte sogenannte friedliche Kontakt markierte laut Fontoura das Ende der „Waldära“. Heute leben etwa 2.000 Menschen im 37.000 Hektar großen Reservat Ibirama-La Klãnõ, das die Gemeinden José Boiteux, Doutor Pedrinho, Vitor Meireles und Itaiópolis umfasst – mit drei indigenen Gruppen: Laklãnõ/Xokleng, Guarani und Kaingang.

Auch die Umwelt selbst ist geprägt von Interventionen. Der Nord-Damm, zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren zum Hochwasserschutz im Itajaí-Tal errichtet, wurde nach Fontouras Darstellung ohne angemessene Berücksichtigung der Folgen für die indigenen Gemeinschaften gebaut. „Das Projekt hat die Landschaft drastisch verändert und Gebiete beeinträchtigt, die historisch von den Laklãnõ bewohnt wurden – mit Störungen traditioneller Landbeziehungen und neuen Formen kollektiven Leidens“, so Fontoura. Die Wiederaufforstung mit Araukarien sei „eine Strategie territorialen, kulturellen und spirituellen Widerstands“.

Die Produktion selbst folgt indigenen Traditionen. „Nach dem Wissen unserer Ältesten sprechen wir zu den Samen und führen Ernterituale durch. Wir ernten 60 Prozent, nicht mehr – aus Respekt vor dem Baum und den Tieren, die sich von ihm ernähren“, so Carl Gakran. Setzlinge wachsen ein Jahr in biologisch abbaubaren Beuteln aus Zuckerrohrfasern unter einem Bambusdach mit Schattennetz. Die ersten vor zehn Jahren gepflanzten Bäume sind heute etwa fünf Meter hoch – ein reifer Baum kann über 50 Meter erreichen. Neben Araukarien entfernt das Institut invasive Arten wie Kiefern und Eukalyptus und pflanzt heimische Alternativen, seit 2025 auch Juçara-Palmen.

Für die Debatte um indigene Umweltführung ist das Xokleng-Projekt ein Präzedenzfall. Neben ökologischer Restauration betreiben die Beteiligten kulturelle Wiederherstellung. Ergänzende Aktivitäten wie Ethnotourismus und Agroforstwirtschaft sind für die kommenden Jahre geplant. „Es ist eine langfristige Sache“, so Carl Gakran. „Ein Erbe, das wir übernommen haben und an künftige Generationen weitergeben. Es ist eine sehr vielversprechende Bewegung, in der wir es geschafft haben, unsere Stimme zu verstärken – wie ein Domino-Effekt.“

Quelle: UD

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