Arizonas erstes Kritische-Mineralien-Bergwerk bedroht Biodiversitäts-Hotspot
Im Süden Arizonas soll die erste Mine der USA entstehen, die unter dem beschleunigten Genehmigungsverfahren der Trump-Regierung für kritische Mineralien zugelassen wird. Das australische Unternehmen South32 plant, nahe der Kleinstadt Patagonia Zink, Blei, Silber und Mangan abzubauen. Doch bereits jetzt belastet das Projekt das Grundwasser mit dem Schwermetall Antimon – und der US Forest Service will die Mine trotzdem genehmigen.
04.06.2026
Die Ironie des Projekts liegt auf der Hand: Kritische Mineralien wie Zink und Mangan gelten als unverzichtbar für die Energiewende – für Batterien, Windkraftanlagen und Elektrofahrzeuge. Die USA wollen ihre Abhängigkeit von chinesischen Rohstofflieferketten reduzieren und drängen deshalb auf heimische Produktion. Doch ausgerechnet der erste große Testfall dieser nationalen Ressourcenstrategie spielt sich in einem der artenreichsten Ökosysteme Nordamerikas ab – und wirft dabei schwere Fragen über Umweltschutz und demokratische Transparenz auf.
Das 2 Milliarden Dollar schwere Hermosa-Projekt von South32 liegt in den Huachuca Mountains, rund 60 Kilometer nördlich der mexikanischen Grenze. Die Region um Patagonia gilt als weltbekannter Biodiversitäts-Hotspot mit außergewöhnlicher Vogelvielfalt und seltenen Tier- und Pflanzenarten. Am 5. März 2026 veröffentlichte der US Forest Service das finale Umweltgutachten und signalisierte damit, die Genehmigung bald erteilen zu wollen. Die Bundesbehörde bezeichnete das Projekt als „strategische Investition in Amerikas Energiezukunft“.
Doch genau diese Eile bereitet Anwohnern und Naturschützern Sorge. Denn das Bergwerk produziert bereits Probleme – noch bevor der eigentliche Abbau begonnen hat. Wie Inside Climate News berichtete, leitete South32 Wasser ab, das Antimon in Konzentrationen enthielt, die über den gesetzlichen Grenzwerten des Bundesstaates Arizona lagen. Antimon ist ein Schwermetall, das Herz, Lungen, Magen und Augen schädigen kann. Die Arizona Department of Environmental Quality (ADEQ) leitete daraufhin eine Untersuchung ein. ADEQ-Sprecherin Alma Suarez erklärte: „Wir werden South32 zur Verantwortung ziehen, wenn unsere Untersuchung ergibt, dass die gemeldete Überschreitung kein Laborfehler war.“
South32 bestreitet die Befunde und behauptet, es handle sich um einen Messfehler im Labor. Doch Dokumente, die Inside Climate News über ein Auskunftsersuchen erhalten hat, zeigen, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art war: Bereits im Oktober 2024 hatte das Abwasser des Projekts Antimonwerte erreicht, die eine Meldepflicht gegenüber dem Staat auslösten – wenn auch unterhalb der offiziellen Überschreitungsschwelle. Für Bewohner der Region ist das ein Muster, kein Ausrutscher. Besonders brisant: Die Anwohner erfuhren von den Vorfällen nicht durch offizielle Kanäle, sondern durch lokale Umweltgruppen.
Das Hermosa-Projekt war 2023 unter der Biden-Regierung als erstes Bergbauprojekt in das sogenannte FAST-41-Programm aufgenommen worden, ein Bundesverfahren, das schnellere und transparentere Genehmigungen für ausgewählte Infrastrukturprojekte verspricht. Unter Präsident Donald Trump hat das Programm nun zusätzlichen politischen Rückenwind bekommen, da die Regierung den Ausbau heimischer Mineralförderung zur nationalen Priorität erklärt hat. Das Hermosa-Projekt könnte damit als Präzedenzfall für Dutzende weiterer Bergbauprojekte in den USA dienen.
Genau das macht den Ausgang so bedeutsam. Befürworter des Projekts, darunter lokale Politiker und Wirtschaftsvertreter aus der Stadt Nogales und dem Santa Cruz County, verhandeln derzeit mit South32 über ein sogenanntes Community Benefit Agreement – eine Art Kompensationsvereinbarung, die negative Auswirkungen abfedern soll. Für Kritiker wie die Patagonia Area Resource Alliance ist das jedoch kein ausreichender Ersatz für einen grundlegenden Schutz des Ökosystems. Sie bemängeln, dass das beschleunigte Genehmigungsverfahren keine angemessene Prüfung von Langzeitrisiken für das Grundwasser und die Biodiversität erlaube.
Das Dilemma ist exemplarisch für eine der zentralen Widersprüche der Energiewende: Um fossile Brennstoffe zu ersetzen, braucht die Welt mehr Metalle und Mineralien – doch deren Abbau hinterlässt oft genau die ökologischen Schäden, die der Klimaschutz verhindern soll. In Patagonia, Arizona, prallen diese Widersprüche mit besonderer Schärfe aufeinander. Die bevorstehende finale Genehmigungsentscheidung des US Forest Service wird zeigen, ob die USA bereit sind, diesen Konflikt offen auszutragen – oder ob Versorgungssicherheit am Ende über Naturschutz gestellt wird.