well:fair vertrat deutsche Zivilgesellschaft beim UN-Nachhaltigkeitsforum in New York
Die Dortmunder Stiftung well:fair vertrat die deutsche Zivilgesellschaft beim High Level Political Forum (HLPF) 2026 der Vereinten Nationen in New York und forderte verbindliche Fahrpläne für sauberes Wasser weltweit. Denn beim aktuellen Tempo wird das globale Ziel für sauberes Wasser und sanitäre Grundversorgung erst 2049 erreicht – fast zwei Jahrzehnte später als geplant.
18.08.2026
Die Weltgemeinschaft hinkt bei einem ihrer wichtigsten Versprechen weit hinterher. Beim aktuellen Tempo erreicht sie das Ziel für sauberes Wasser und sanitäre Grundversorgung erst im Jahr 2049, fast zwei Jahrzehnte zu spät. Genau dieses Thema stand im Zentrum, als vom 7. bis 15. Juli 2026 Delegationen aus aller Welt zum High Level Political Forum (HLPF) der Vereinten Nationen am UN-Hauptsitz in New York zusammenkamen.
Mit dabei war Shari Malzahn-Ape, Head of Fundraising der Dortmunder Stiftung well:fair, als offiziell akkreditiertes Mitglied der rund 30-köpfigen deutschen Zivilgesellschaftsdelegation. Das HLPF ist das zentrale UN-Gremium zur Überprüfung der Agenda 2030 und ihrer 17 Nachhaltigkeitsziele. Unter der Schirmherrschaft des Wirtschafts- und Sozialrats ECOSOC zog das Forum in diesem Jahr unter dem Leitthema „Transformative, equitable, innovative and coordinated actions“ Bilanz.
Im Zentrum stand dabei eine vertiefte Überprüfung von SDG 6: sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für alle. Das HLPF bildete damit den wichtigsten politischen Testlauf vor der UN-Wasserkonferenz, die im Dezember 2026 in Abu Dhabi verbindliche Roadmaps für den Wassersektor beschließen soll.
Shari Malzahn-Ape nutzte die Tage vor allem für Gespräche abseits der großen Bühne. Anfang Juli sprach sie beim offiziellen Side-Event der deutschen Delegation im Deutschen Haus, der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen. Unter dem Titel „From Dakar to Abu Dhabi and Beyond“ diskutierten das German WASH-Netzwerk, die Welthungerhilfe und die Bundesregierung, wie sich Zivilgesellschaft dauerhaft in globalen Wasser-Governance-Prozessen verankern lässt.
Zivilgesellschaftliche Mitsprache wird kleiner
„In Zeiten von Shrinking Civic Spaces, in denen der Raum für zivilgesellschaftliche Mitsprache immer kleiner wird, ist die Teilhabe an demokratischen Prozessen akut bedroht“, sagte Malzahn-Ape. „Dass wir als Stiftung beim HLPF dabei waren, war deshalb ein wichtiges Zeichen. Beim High-Level Political Forum durften wir das Ground-Level repräsentieren, ganz ohne Hierarchie gemeint. Wir haben die Realität der Menschen vor Ort direkt in diese sonst unnahbaren politischen Räume gebracht.“
„Als Teil der offiziellen Delegation der Bundesregierung bei den Vereinten Nationen zu reisen, war für uns ein riesiger Meilenstein“, ergänzte sie. „Es hat uns zusätzliche Glaubwürdigkeit geschenkt und schwarz auf weiß gezeigt, dass well:fair im entwicklungspolitischen Sektor mittlerweile ein ernstzunehmender Player ist.“
Einen weiteren Schwerpunkt bildete das Leadership Breakfast am Mitte Juli im American Council on Germany. Well:fair richtete den exklusiven Frühstücksdialog gemeinsam mit der Siemens Stiftung, Viva con Agua und dem German WASH-Netzwerk aus. Rund 30 Führungspersönlichkeiten aus Regierungen, dem UN-System, der Philanthropie, darunter Vertreter der Gates Foundation, und der Wirtschaft folgten der Einladung.
Unter dem Titel „Making Implementation Visible, Connecting Global Commitments with Local Action“ ging es darum, globale Zusagen mit messbarer lokaler Umsetzung zu verknüpfen. Malzahn-Ape trat als Co-Gastgeberin auf und warb für langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe.
Echte Lösungen für globale Krisen
„Es ist notwendig, sektorübergreifend Menschen und Organisationen zusammenzubringen, um echte Lösungen für die globalen Krisen unserer Zeit zu entwickeln“, betonte sie. „Aber die Verantwortung für die Klimakatastrophe und das drohende Scheitern der Nachhaltigkeitsziele darf nicht auf Individuen und die Zivilgesellschaft abgewälzt werden. Bei der Umsetzung der SDGs stehen wir global bei gerade einmal 15 Prozent, bei einigen Zielen erleben wir sogar Rückschritte. Regierungen müssen die großen Akteure endlich in die Pflicht nehmen. Dialog darf kein Selbstzweck sein, auf Worte müssen Taten folgen, zum Beispiel in Form von Finanzierung.“
Mit der Teilnahme am HLPF setzte well:fair einen weiteren Baustein im sogenannten Wasserjahr 2026. Nach dem Vorbereitungstreffen in Dakar im Januar und der eigenen Fachveranstaltung in Berlin im März folgt im August die World Water Week in Stockholm, bevor im Dezember die UN-Wasserkonferenz in Abu Dhabi über verbindliche nationale Roadmaps entscheidet.
Über well:fair
well:fair ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Deutschland, die 2012 von Neven Subotić in Dortmund gegründet wurde und seitdem den Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) in Ostafrika fördert. Gemeinsam mit langjährigen lokalen Partnerorganisationen setzt die Stiftung Projekte in Kenia, Tansania und Äthiopien um. Dazu gehören Brunnen- und Sanitäranlagenbau in Gemeinden und Schulen ländlicher Regionen.
Mit den Bildungsprogrammen „WIRKLICH WIRKSAM“, „WASSERHELDEN“ und „BUDDY4CHANGE“ fördert die Stiftung zudem gesellschaftliches Engagement hier in Deutschland und schafft Bewusstsein für Wassergerechtigkeit. Seit ihrer Gründung konnte well:fair für über 600.000 Menschen den langfristigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung ermöglichen.