Wirkung statt Zweifel: Wie die Welthungerhilfe weltweit nachhaltige Fortschritte erzielt
Der neue Wirkungsbericht der Welthungerhilfe zeigt, dass langfristige, ganzheitliche Ansätze gegen Hunger und Armut wirken. Ausgewertet wurden Daten aus 188 Projekten in 37 Ländern – mit klaren Erfolgen bei Ernährung, Einkommen, Wasserversorgung und lokaler Resilienz.
04.06.2026
Kriege, wirtschaftliche Krisen und drohende finanzielle Kürzungen in vielen Bereichen bestimmen derzeit die Debatten in Deutschland. Die Welthungerhilfe zeigt dagegen, was wirkt: Hunger und Armut können nachhaltig bekämpft werden. Der neue Wirkungsbericht belegt, welche Maßnahmen langfristig den größten Unterschied machen – und warum ganzheitliche Ansätze entscheidend sind. Der Bericht analysiert die Ergebnisse von 188 Projekten in 30 Ländern, die zwischen im Jahr 2022 und im Jahr 2024 abgeschlossen wurden. Dazu wurden nach Umfragen, Diskussionen und Einzelinterviews 316 quantitative Datensätze und 79 qualitative Analysen ausgewertet. Insgesamt erreichte die Welthungerhilfe in diesem Zeitraum rund 32 Millionen Menschen in 37 Ländern.
„Gerade in Zeiten wachsender Zweifel an internationaler Zusammenarbeit brauchen wir belastbare Belege dafür, dass unsere Arbeit Wirkung zeigt“, sagt Bettina Iseli, Programmvorständin der Welthungerhilfe. „Hunger endet nicht durch einzelne Maßnahmen. Entscheidend sind starke lokale Systeme, die auch Krisen standhalten. Dort, wo Gemeinden für sich Lösungen entwickeln und Frauen stärker beteiligt werden, verändert sich weit mehr als nur die Ernährungssituation.“
Ein Beispiel ist das Programm „Nutrition Smart CommUNITY“, das mit 829 Dorfgemeinschaften in Afrika und Asien durchgeführt wird und Fragen zur Ernährung, Landwirtschaft, Gesundheit und Hygiene zu einem ganzheitlichen Ansatz gegen Hunger verbindet. Gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften entstehen lokale Lösungen, die Wissen stärken, Eigeninitiative fördern und langfristig wirken. Das Zusammenspiel vieler Maßnahmen macht den Ansatz besonders wirksam. In diesen Gemeinden verbesserten sich nicht nur Ernährung und Gesundheitsversorgung. Auch Schulbesuche, gemeinschaftliche Verantwortung und die Rolle von Frauen in Entscheidungen nahmen zu. Viele der am Projekt Beteiligten geben ihr Wissen inzwischen selbst weiter – und schaffen so dauerhafte Veränderungen vor Ort.
Die Ergebnisse aus dem Wirkungsbericht zeigen deutliche Fortschritte: Der Anteil der Frauen, die eine ausgewogenere Ernährung hatten, verdreifachte sich nahezu von 13 Prozent auf 40 Prozent. Die Zahl der Familien mit Zugang zu sauberem Trinkwasser erhöhte sich um fast 130 Prozent. Zudem konnten 56 Prozent der Familien ihr Einkommen steigern. Familien waren im Durchschnitt fast zwei Monate länger ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt – ein Plus von 23 Prozent. Besonders erfolgreich waren Programme, die verschiedene Bereiche miteinander verbinden: Landwirtschaft, Ernährung, Bildung, Wasser und wirtschaftliche Entwicklung.
Gleichzeitig verschweigt der Bericht nicht, wo die Arbeit an ihre Grenzen stößt. Konflikte, Klimakrisen und wirtschaftliche Instabilität gefährden Fortschritte vielerorts. Gerade deshalb setzt die Welthungerhilfe auf langfristige Partnerschaften und widerstandsfähige lokale Systeme statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.
„Wir untersuchen nicht nur, ob Projekte wirken, sondern warum. Dafür kombiniert der neue Wirkungsbericht Daten aus den Projekten mit Gesprächen und Analysen vor Ort – und macht sichtbar, welche Ansätze selbst unter Krisenbedingungen langfristige Veränderungen ermöglichen. Wirkung darf nicht beim Ende eines Projektes aufhören, sondern muss in den Strukturen weiterleben, die den Wandel langfristig tragen: in Märkten, Gemeinden und Institutionen. Das braucht Zeit, verlässliche Partnerschaften und den Mut, Entwicklung ganzheitlich zu denken“, betont Iseli.
Der neue Wirkungsbericht ist zugleich ein strategisches Instrument: Die Welthungerhilfe will Projekte künftig noch stärker auf langfristige Wirkung, lokale Resilienz und systemische Veränderungen ausrichten.