Welthunger geht zurück, doch Afrika bleibt dramatisch abgehängt
Der Anteil der weltweit hungernden Menschen ist von 8,6 Prozent im Jahr 2022 auf 7,8 Prozent 2025 gesunken – rund 645 Millionen Betroffene. Doch die Zahlen verdecken massive regionale Unterschiede: Mehr als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung leidet unter Ernährungsunsicherheit, zwei Drittel können sich keine gesunde Ernährung leisten. Der Nahostkonflikt droht die Fortschritte weiter zu bremsen.
02.10.2026
Der Bericht „State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI 2026), herausgegeben von FAO, IFAD, UNICEF, WFP und WHO, wurde im Juli 2026 in Rom vorgestellt. Global ist auch die Zahl der Menschen mit mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit gesunken – von 28,7 Prozent im Jahr 2020 auf 25,8 Prozent 2025. Doch das globale Bild ist trügerisch: In Afrika lag der Wert 2025 bei 56,6 Prozent, verglichen mit 20,3 Prozent in Asien, 22,9 Prozent in Lateinamerika und der Karibik und 8,7 Prozent in Nordamerika und Europa. Afrika verzeichnet zudem die höchste absolute Zahl hungernder Menschen weltweit.
Unter dem Schwerpunktthema „Die hohen Kosten einer gesunden Ernährung“ zeigt der Bericht eine besorgniserregende Preisentwicklung. Die durchschnittlichen globalen Kosten einer gesunden Ernährung sind von 2,94 Kaufkraftparitäts-Dollar pro Person und Tag im Jahr 2017 auf 4,28 Dollar 2025 gestiegen – ein Anstieg um knapp 46 Prozent in 8 Jahren. In Lateinamerika und der Karibik wurden mit 4,91 Dollar die höchsten Werte gemessen. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, global von 37,4 Prozent (2021) auf 32,7 Prozent (2025) gesunken. Doch in Afrika liegt er bei 66,6 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Lateinamerika. Die Kosten einer gesunden Ernährung sind damit ein zentraler Treiber der Ungleichheit: Wer es sich nicht leisten kann, richtig zu essen, hat schlechtere Gesundheits-, Bildungs- und Einkommensperspektiven.
Die Prognosen für 2030 sind ernüchternd. Unter Berücksichtigung des Nahostkonflikts und dessen Auswirkungen auf Energie- und Düngemittelpreise werden voraussichtlich 510 bis 520 Millionen Menschen weiterhin hungern – verglichen mit 503 Millionen im Vorkonfliktszenario. Der Bericht prognostiziert zwar einen Rückgang der Zahl unterernährter Menschen um 20 Prozent, macht aber zugleich deutlich, dass das Tempo bei Weitem nicht reicht, um die SDG-Ziele bis 2030 zu erreichen.
Weitere Befunde zeichnen ein differenziertes Bild der globalen Ernährungslage. Die Fortschritte bei Wachstumsstörungen von Kindern unter 5 Jahren, Auszehrung, Übergewicht bei Neugeborenen und ausschließliches Stillen sind nach wie vor „marginal und zu langsam“, um die SDG-Ziele zu erreichen. 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind weiterhin von Stunting betroffen. Nur 30,8 Prozent der Kleinkinder weltweit erhalten eine minimal vielfältige Ernährung. Die Anämie bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren verschlechtert sich, die Fettleibigkeit bei Erwachsenen steigt kontinuierlich – von 12,1 Prozent 2012 auf 16,2 Prozent 2024.
Der Bericht fordert kontextspezifische Maßnahmen entlang der gesamten Agrar- und Ernährungswertschöpfungskette: Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung, Bewässerung und Kühlketten, Reformen bei Subventionen und Handelsregeln sowie gezielte Interventionen zur Produktivitätssteigerung und Verlustreduzierung. Nachhaltige Praktiken sollten Ernährungsergebnisse verbessern, Resilienz stärken und Klimaziele unterstützen. Die zentrale Botschaft: Hunger ist kein Schicksalsschlag, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen – und kann durch politische Entscheidungen beendet werden.
Quelle: UD
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