Gesellschaft & Politik

USA: 36 Milliarden aus dem Emissionshandel

Kaliforniens Emissionshandel „Cap-and-Invest“ hat seit 2014 rund 36,2 Milliarden US-Dollar für Klimaprogramme eingenommen. 15,5 Milliarden davon flossen bereits in 122 Programme und über 600.000 Projekte — von Wohnbau über Verkehr bis Klimaresilienz. 76 Prozent der eingesetzten Mittel kommen laut CARB einkommensschwachen und benachteiligten Gemeinden zugute. Ein Beispiel dafür, wie ein CO₂-Preis auch als Sozialpolitik funktioniert.

01.09.2026

USA: 36 Milliarden aus dem Emissionshandel

Grundlage der Bilanz ist der „2026 Annual Report to the Legislature“ des California Air Resources Board (CARB) — ausgewertet unter anderem von ESG News. Das Cap-and-Invest-Programm, das bis September 2025 unter dem Namen Cap-and-Trade lief, ist Kaliforniens Instrument zur Bepreisung der Treibhausgasemissionen der größten Verursacher im Bundesstaat. Große Emittenten müssen Zertifikate für ihre Emissionen erwerben; die Auktionserlöse fließen in den Greenhouse Gas Reduction Fund (GGRF), der die Klimainvestitionen speist. Bis 2030 rechnet CARB mit weiteren 8 Milliarden US-Dollar an Auktionserlösen.

Bemerkenswert ist die Sozialverträglichkeit der Ausschüttung. Von den bislang eingesetzten 15,5 Milliarden US-Dollar entfielen 11,4 Milliarden — also 76 Prozent — auf Projekte, die benachteiligten und einkommensschwachen Gemeinden zugutekamen. 16.386 bezahlbare Wohnungen wurden vertraglich gesichert. Die geförderten Projekte sollen laut CARB über ihre Lebensdauer hinweg 130,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen — vergleichbar mit dem Verzicht auf mehr als 12,6 Milliarden Gallonen Benzin. Über Ausgaben, Lieferketten und wirtschaftliche Aktivität rechnet der Bundesstaat mit über 143.000 unterstützten Arbeitsplätzen; die zu erwartenden Verbraucher- und Wirtschaftsersparnisse werden auf 44,4 Milliarden US-Dollar beziffert.

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„Seit über einem Jahrzehnt ist Cap-and-Invest eine wichtige Finanzierungsquelle für viele Prioritäten des Bundesstaates. Diese wegweisende Politik ist verantwortlich für die Reduzierung der größten Emissionsquellen des Bundesstaates und lenkt Milliarden US-Dollar in Gemeinden, die am stärksten unter Umweltschäden leiden“, zitiert die Erklärung des Board CARB-Vorsitzende Lauren Sanchez. „Community-Verantwortliche sind unverzichtbare Partner in dieser Arbeit, und wir sind stolz, ihre Arbeit zu unterstützen. Sie erinnern uns daran, dass eine hellere, nachhaltigere Zukunft nicht nur möglich ist — sie nimmt bereits Gestalt an.“

Bemerkenswert ist auch die Reauthorisierung, die dem Programm bis 2045 eine langfristige Grundlage gibt. Mitte September 2025 unterzeichnete Gouverneur Gavin Newsom die Gesetze SB 840 und AB 1207, die das Programm über 2030 hinaus verlängern und einen Investitionsrahmen von geschätzt 60 bis 90 Milliarden US-Dollar für neue Ausgaben eröffnen. Vorgesehen sind Senkungen der Energiekosten für Haushalte, tausende neue bezahlbare Wohnungen, Trinkwasserprojekte, Waldbrandprävention, öffentlicher Verkehr, Hochgeschwindigkeitsstrecke sowie lokale Luftqualitätsmaßnahmen in benachteiligten Gemeinden. Mindestens 60 Milliarden US-Dollar sollen nach Angaben des kalifornischen Senats über die Programmlaufzeit hinweg direkt in die Senkung der Stromrechnungen von Haushalten und Kleinunternehmen fließen. Rabatte werden auf teure Monate abgestimmt, mit zusätzlicher Unterstützung für einkommensschwache Familien.

Zudem stärkt die Reauthorisierung die Aufsicht über CARB und den Greenhouse Gas Reduction Fund. Eine eigens dafür eingerichtete Einheit soll überwachen, dass Investitionen tatsächlich bei den Berechtigten ankommen. Über die vergangenen zehn Jahre hat das Programm nach staatlichen Angaben Beiträge zu 20.361 neuen bezahlbaren Wohneinheiten, 420.000 zusätzlichen Kaufprämien für saubere Fahrzeuge und über 11 Millionen Haushalten geleistet, die Stromrechnungs-Rabatte von mehr als 600 US-Dollar pro Haushalt erhielten. In regulierten Anlagen in benachteiligten Gemeinden sanken die Emissionen laut der Senatsvertretung um 21 Prozent.

Für die internationale ESG-Debatte hat das Modell Signalwirkung. In einer Zeit, in der die Trump-Administration Klima-Regulierung auf Bundesebene zurückfährt, dokumentiert Kalifornien mit dem CARB-Bericht, wie ein CO₂-Preis operativ funktionieren kann — inklusive belastbarer Verteilungswirkung. Die zentrale Rechenaufgabe ist dabei nicht die Bepreisung, sondern die Investition: Wer entscheidet, wohin die Milliarden fließen, und wie wird sichergestellt, dass sie auch bei den Berechtigten ankommen? Kalifornien liefert zumindest ein Beispiel dafür, wie sich diese Frage in dedizierten Fonds und mit klaren Quoten für benachteiligte Gemeinden beantworten lässt.

Quelle: UD
 

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