Gesellschaft & Politik

UN fordert: Kritische Rohstoffe müssen Entwicklung antreiben, nicht alte Ausbeutungsmuster wiederholen

Die steigende Nachfrage nach Kupfer, Lithium und Kobalt für die Energiewende darf nicht zu einer Neuauflage extraktiver Modelle führen. UNCTAD-Generalsekretär Pedro Manuel Moreno fordert auf einem UN-Treffen in New York mehr Wertschöpfung, wirtschaftliche Diversifizierung und geteilten Wohlstand für die Förderländer. Bis Jahresende sollen zwei neue UN-Studien konkrete Handlungsempfehlungen liefern.

17.09.2026

UN fordert: Kritische Rohstoffe müssen Entwicklung antreiben, nicht alte Ausbeutungsmuster wiederholen

Auf dem hochrangigen Treffen der Vereinten Nationen zu kritischen Energiewende-Mineralien in New York hat der amtierende UNCTAD-Generalsekretär Pedro Manuel Moreno eine klare Botschaft formuliert: Die wachsende Nachfrage nach Mineralien wie Kupfer, Lithium und Kobalt müsse sich in „mehr Wertschöpfung, wirtschaftliche Diversifizierung und geteilten Wohlstand“ für die Förderländer und ihre Gemeinden übersetzen. Andernfalls drohe eine Wiederholung jener extraktiven Muster, die rohstoffreiche Länder des Globalen Südens seit Jahrzehnten in Abhängigkeit und Unterentwicklung halten.

Hintergrund ist die massive Beschleunigung der Investitionen in saubere Energietechnologien, die den Bedarf an kritischen Rohstoffen rapide steigen lässt. Der jüngste UNCTAD World Investment Report 2026 dokumentiert eine Verfünffachung der Greenfield-Investitionen in strategische Sektoren seit 2020. Doch Moreno verwies auf wachsende Herausforderungen für die Produzentenländer: volatile Märkte, konzentrierte Lieferketten und die ökologischen und sozialen Folgen des Abbaus. Um diese Probleme zu lösen, brauche es „stärkere internationale Zusammenarbeit und größere Unterstützung für die betroffenen Länder“. Ohne internationale Koordination drohe ein „Wettlauf nach unten“ bei Umwelt- und Steuerstandards – ein Szenario, das die Ökonomin Mariana Mazzucato als Fortsetzung kolonialer Extraktionslogik kritisiert.

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Die von Moreno angesprochene UN Task Force on Critical Energy Transition Minerals, die im Auftrag des UN-Generalsekretärs arbeitet, hat bei der technischen Arbeit Fortschritte erzielt: zu Wertschöpfung, Rückverfolgbarkeit, handwerklichem und kleingewerblichem Bergbau, Altlasten und Kreislaufwirtschaft. Bis Ende 2026 sollen zwei Wissensprodukte veröffentlicht werden: eine globale Bewertung der Handelspolitiken, die kritische Rohstoff-Wertschöpfungsketten betreffen, sowie eine Studie zu Kreislaufwirtschaftsansätzen in kritischen Rohstoffketten. Zudem wird ein Country Support Mechanism ausgerollt, der internationale Verpflichtungen in konkrete Maßnahmen vor Ort umsetzen soll – ein Instrument, das den Brückenschlag von globaler Rhetorik zu lokaler Wirkung leisten müsste.

Der Erfolg der Energiewende werde „letztlich nicht nur an Emissionsreduktionen gemessen, sondern an stärkeren Institutionen, gesünderen Ökosystemen und verbesserten Lebensbedingungen in den Ländern und Gemeinden, die die Mineralien für die saubere Energiewirtschaft liefern“, so Moreno. Die Mahnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die geopolitischen Spannungen den Zugriff auf kritische Rohstoffe zunehmend in bilaterale Deals drängen. Das US-Verteidigungsministerium hat im Juli 2025 eine 15-Prozent-Beteiligung am Rohstoffunternehmen MP Materials erworben und eine strategische Mineralienreserve im Wert von 12 Milliarden Dollar angekündigt. Gleichzeitig kontrolliert China rund 75 Prozent des Weltmarkts für diese Ressourcen. Für Länder wie Argentinien, die zwischen diesen Fronten stehen, fehlen häufig die institutionellen Kapazitäten, um die eigene Position zu nutzen – ein strukturelles Problem, das weder durch UN-Resolutionen noch durch einzelne Handelsabkommen gelöst werden kann.

Quelle: UD

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