Gesellschaft & Politik

Texas: Naturschutz als Vorwand

Texas ist die unangefochtene Nummer 1 der USA bei Wind und Solar. An manchen Tagen deckten Sonne, Wind und Batterie Mitte März 79 Prozent des Strombedarfs des Staates. Doch republikanische Abgeordnete versuchen, den Ausbau zu blockieren – und rechtfertigen dies paradoxerweise mit Naturschutzargumenten. Ein neuer Report zeigt: Ohne klare Regeln nutzen ideologische Gegner den Umweltschutz als Blockadeinstrument.

08.09.2026

Texas: Naturschutz als Vorwand

„Erneuerbare zu verbieten schützt unsere Umwelt nicht“, zitiert Inside Climate News Luke Metzger, Executive Director des Environment Texas Research & Policy Center. „Es bedeutet mehr Verschmutzung, mehr Wasserstress und untergräbt jene Landbesitzer, die auf dieses Einkommen angewiesen sind, um ihr Land intakt zu halten.“ Zwar könnten Wind und Solar durchaus negative Auswirkungen auf Land und Wildtiere haben – diese seien aber geringer als jene fossiler Brennstoffe. Erneuerbaren-Entwickler wendeten bereits gute Praxis an: akustische Erhebungen vor Baubeginn zur Identifikation viel frequentierter Vogelkorridore sowie Licht- und Lärmstandards. So minimierten sich Umweltschäden auf privatem Grund, wo Ranch- und Farmfamilien das Land seit Generationen bewirtschafteten.

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Konkrete Blockadeversuche liefert die Legislaturperiode 2025. Senatorin Lois Kolkhorst, Republikanerin aus Brenham, brachte einen Gesetzentwurf ein, der Erneuerbaren-Projekte zu Genehmigungspflichten verpflichten sollte, die kein anderer Stromerzeuger erfüllen muss, und die Abstände von Windkraftanlagen zu Grundstücksgrenzen erhöhte. Ihr Vorschlag sei „das Richtige für Texas“, erklärte Kolkhorst damals gegenüber Reportern. Zwei weitere Gesetzentwürfe von Abgeordnetem Jared Patterson (Republikaner, Denton County) und Senator Kevin Sparks (Republikaner, Midland) hätten bestehende Wind- und Solaranbieter verpflichtet, fossile Grundlast einzukaufen oder Batteriespeicher für Nichtbetriebsstunden vorzuhalten.

Patterson leitete zuvor das House Committee on Protecting Texas LNG, Sparks ist Präsident eines Familien-Öl- und Gasunternehmens in Midland. Patterson begründete den Vorstoß laut Inside Climate News damit, „dass Produzenten, nicht Verbraucher, erhöhte Kosten tragen sollen“, und äußerte Sorge über die „Launen der Natur“. Beide Vorstöße scheiterten am Widerstand von Erneuerbaren- und Öl-Lobbyisten. Nach dem Scheitern rief die Republikanische Partei von Texas die Abgeordneten dazu auf, sämtliche Subventionen für Erneuerbare zu eliminieren und einen einheitlichen Zuverlässigkeitsstandard einzuführen.

Die Datenlage widerspricht der rhetorischen Grundlage. Cyrus Reed, Naturschutzdirektor der Sierra Club Lone Star Chapter, verweist darauf, dass Solar, Speicher und Wind an den meisten Tagen fast die Hälfte der Stromerzeugung des Bundesstaates deckten. Mitte März 2026 erreichten Erneuerbare einen Rekordanteil von 79 Prozent. Zwischen 2018 und 2023 sanken die Schwefeldioxid-Emissionen texanischer Kraftwerke um 50 Prozent, die Treibhausgasemissionen um 11 Prozent – bei gleichzeitig wachsender Stromnachfrage. „Die enorme Menge an Erneuerbaren und Batteriespeichern in Texas hilft wirklich dabei, sauberere Luft und Wasser zu liefern“, zitiert Inside Climate News Quentin Good, Politikanalyst der Frontier Group und Mitautor des Reports.

Bemerkenswert bleibt die parteiinterne Kluft. Ländliche Abgeordnete unterstützen den Ausbau, weil Pachteinkünfte für ihre Wahlkreise überlebenswichtig sind, während vorstädtische Konservative fossile Grundlast bevorzugen. Als Alternative empfiehlt der Report bundesstaatliche Mindest- oder Obergrenzen für lokale Standortregeln, damit einzelne Kommunen Erneuerbare nicht faktisch verbieten können. Zudem plädiert er für ein gestuftes Genehmigungsverfahren, das Risiken der Technologie und Sensibilität des Standorts berücksichtigt.

Lisa Gonzalez, Vizepräsidentin und Direktorin von Audubon Texas, unterstreicht die Notwendigkeit früher Abstimmung: Entwickler sollten mit Behörden wie dem Texas Parks and Wildlife Department und dem US Fish and Wildlife Service zusammenarbeiten, bevor gegraben werde. Verantwortungsvolle Entwickler nutzten fortgeschrittene Kartierung, um Projekte weg von sensiblen Habitaten und hin zu „konfliktarmen Zonen“ zu steuern. Klimawandel sei „eine der größten langfristigen Bedrohungen“ für die Vogelwelt in Texas.

Quelle: UD

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