Gesellschaft & Politik

Schuldenfalle mit Geschlecht: 55 Millionen Jobs für Frauen stehen weltweit auf dem Spiel

Wenn Staaten ihre Schulden bedienen müssen, zahlen vor allem Frauen die Rechnung. Das zeigt ein neuer UNDP-Bericht auf Basis von Daten aus 85 Entwicklungsländern: 55 Millionen Arbeitsplätze für Frauen sind kurzfristig bedroht, das Pro-Kopf-Einkommen von Frauen sinkt um 17 Prozent – während Männereinkommen weitgehend unverändert bleiben. Die Müttersterblichkeit steigt um fast ein Drittel. Entwicklungsfortschritte drohen rückwärts zu laufen.

23.06.2026

Schuldenfalle mit Geschlecht: 55 Millionen Jobs für Frauen stehen weltweit auf dem Spiel

Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP hat seinen neuen Bericht „Who Pays the Price? Gender Inequality and Sovereign Debt“ Anfang Mai vorgestellt – und liefert damit eine der bisher schärfsten Quantifizierungen der geschlechtsspezifischen Folgen hoher Staatsverschuldung. Wenn Staaten von moderater zu hoher Schuldendienstbelastung wechseln, fallen kurzfristig 55 Millionen Frauenarbeitsplätze weg, langfristig sogar 92,5 Millionen. Das Pro-Kopf-Einkommen von Frauen bricht um 17 Prozent ein, während das von Männern nahezu konstant bleibt. Die Müttersterblichkeit steigt um 32,5 Prozent – das entspricht 67 zusätzlichen Todesfällen pro 100.000 Geburten. Die Lebenserwartung sinkt für beide Geschlechter.

Der Mechanismus dahinter ist strukturell: Wenn Regierungen mehr Mittel in Schuldenrückzahlungen lenken, schrumpfen ihre Ausgaben für Gesundheit, Sozialleistungen und Pflegeinfrastruktur. Genau diese Sektoren beschäftigen überproportional viele Frauen – und genau diese Dienste fangen unbezahlte Pflegearbeit auf, die sonst Frauen privat leisten müssen. Werden Pflegedienste gestrichen, „verlagert sich die Verantwortung zurück in die Haushalte – und Frauen tragen den größten Teil“, sagt Alexander De Croo, UNDP-Administrator. „Souveräne Staatsverschuldung ist kein Mathematikproblem. Es ist ein menschliches.“

Anzeige

Raquel Lagunas, UNDP-Direktorin für Gleichstellung, fordert systematische Konsequenzen: „Schuldenmanagementstrategien betreffen alle Menschen. Aber wenn öffentliche Ausgaben durch Schuldendienst zusammengedrückt werden, verlieren Frauen zuerst – ihre Jobs, ihre Dienstleistungen, ihre wirtschaftliche Sicherheit.“ Sie fordert verpflichtende Gender-Folgenabschätzungen bei jeder Kreditentscheidung sowie geschlechtergerechte Haushaltsführung („Gender-responsive Budgeting“), die transparent macht, wie Schuldenrückzahlungen wirken.

Die UNDP-Daten stammen aus dem Programm EQUANOMICS, das Länder bei steuer- und fiskalpolitischen Reformen mit Gleichstellungsfokus unterstützt. Der Bericht warnt: Im aktuellen Umfeld militärischer Eskalation, volatiler Energiemärkte und Inflationsdruck verschärfen sich diese Effekte zusätzlich. UNDP appelliert daher an Regierungen und internationale Finanzinstitutionen, Beschäftigung, menschliche Entwicklung und Gleichstellung zu festen Bestandteilen ihrer Schuldennachhaltigkeitsstrategien zu machen – und Sparmaßnahmen, die Ungleichheit verstärken, zu vermeiden.

Quelle: UD
 

Related Posts

Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche