Natürlicher Engpass, wirtschaftliches Problem
Nach Hitze und Trockenheit rückt Wasser in Europa wieder in den Fokus: Im EU-Schnitt sind jährlich rund 30 Prozent der Fläche und ein Drittel der Bevölkerung zumindest zeitweise betroffen, wie zuletzt Kühlwasserprobleme an den Kernkraftwerken Paks und Cernavodă zeigten. Allein die USA benötigen laut Marktschätzungen bis 2046 mehr als 740 Milliarden US-Dollar für ihre Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur.
18.09.2026
„Wenn Wasser für die Kühlung fehlt, kann aus einem natürlichen Engpass ein wirtschaftliches Problem werden“, sagt Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro. Wie akut das Problem inzwischen ist, zeigte sich in diesem Sommer erneut: Am 13. August 2026 nahm Rumänien den zweiten Reaktorblock des Kernkraftwerks Cernavodă vom Netz, weil der Pegel der Donau ein Rekordtief erreicht hatte; beide Blöcke lieferten zusammen rund ein Fünftel der rumänischen Stromerzeugung. Rumänien reagierte mit einem Energienotstand und rief zum Stromsparen auf. Auch das ungarische Kraftwerk Paks musste die Leistung mehrfach drosseln, nachdem die Donau dort Ende Juli mit minus 106 Zentimetern unter Normalpegel einen historischen Tiefstand erreicht hatte. Strengere Umweltauflagen für die Temperatur des zurückgeleiteten Kühlwassers verschärfen das Problem zusätzlich. Kraftwerke benötigen Wasser zur Kühlung, Industrieunternehmen für ihre Produktion und Halbleiterhersteller in besonders hoher Reinheit, während Bevölkerungswachstum, Landwirtschaft und Industrie den Wettbewerb um die Ressource weiter verschärfen.
Die EU reagiert auf den steigenden Druck: Ihre Wasserresilienzstrategie sieht vor, die Wassereffizienz bis 2030 um 10 Prozent zu verbessern, Leckagen zu reduzieren und die Infrastruktur mithilfe öffentlicher und privater Investitionen zu modernisieren. Damit rückt Wasser auch aus Investorensicht stärker in den Fokus.
Mehr Wert aus jedem Liter
Mit zunehmendem Wasserstress gewinnt die Frage an Bedeutung, wie effizient die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Versorger müssen Verluste reduzieren, Industrieunternehmen Wasser stärker im Kreislauf führen und zusätzliche Quellen erschließen. Wie weit dieser Wandel gehen kann, zeigt Brasilien: Der Wasserversorger SABESP treibt ein 21 Milliarden brasilianische Real umfassendes Programm am Fluss Tietê voran; die Abwasserbehandlung entlang des Flusses soll von rund 20 auf 99 Prozent steigen. SABESP wurde 2024 privatisiert und soll künftig auch bislang unterversorgte Regionen ans Netz anschließen.
Milliarden fließen in die Infrastruktur
Der US-Bedarf von über 740 Milliarden US-Dollar bis 2046 deckt sich größenordnungsmäßig mit der Bedarfserhebung der EPA, die allein für Trinkwassernetze rund 625 Milliarden US-Dollar über 20 Jahre ermittelt; mit Abwasserinfrastruktur reichen Schätzungen bis über eine Billion US-Dollar. Alternde Netze, strengere regulatorische Anforderungen und zunehmende physische Klimarisiken erhöhen den Druck auf Versorger, ihre Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Auch in Großbritannien sorgen strengere Vorgaben nach Verschmutzungsereignissen für zusätzliche Investitionen: Der VersorgerSevern Trent meldete für 2025 rund 36.000 Abwassereinleitungen in Gewässer, deutlich mehr als noch 2020.
Während Großbritannien einheitlicher reguliert ist, liegt die Regulierung in den USA bei den Bundesstaaten. American Water Works, der größte börsennotierte Wasserversorger des Landes, versorgt mehr als 14 Millionen Menschen und bewegt sich dabei in 14 unterschiedlichen Regulierungsregimen.
Quelle: UD
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