Gesellschaft & Politik

Nachfolge Guterres: Sechs Bewerbungen, aber kein klarer Favorit für die UN-Spitze

Mit dem Ende der zweiten Amtszeit von António Guterres am 31. Dezember 2026 sucht die Weltorganisation einen neuen Generalsekretär. Sechs Bewerbungen liegen offiziell vor, fünf bleiben im Rennen. Nach den ersten Anhörungen im April stellten sich im Juni zwei weitere Kandidaten den Mitgliedstaaten. Zivilgesellschaft und zahlreiche Regierungen drängen zugleich auf die erste Frau an der UN-Spitze.

09.07.2026

Nachfolge Guterres: Sechs Bewerbungen, aber kein klarer Favorit für die UN-Spitze

Der Auswahlprozess für den zehnten UN-Generalsekretär hat eine neue Etappe erreicht. Annalena Baerbock, die als Präsidentin der UN-Generalversammlung den Übergang moderiert, lud Mitte Juni zu zwei weiteren öffentlichen Anhörungen ein. Damit liegen nun sechs offizielle Bewerbungen vor – eine Kandidatur wurde zwischenzeitlich zurückgezogen. Der formelle Prozess war am 25. November 2025 mit einem gemeinsamen Brief der Präsidentschaften von Generalversammlung und Sicherheitsrat eingeleitet worden.

Im ersten Schub stellten sich Mitte April vier Bewerber dem Forum der Mitgliedstaaten: die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation Rafael Grossi aus Argentinien, der frühere senegalesische Staatschef Macky Sall sowie die costa-ricanische Ökonomin Rebeca Grynspan. Letztere leitet seit 2021 die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung und vermittelte unter anderem das Schwarzmeer-Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine.

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Im Mai folgte die Nominierung von María Fernanda Espinosa Garcés aus Ecuador, die selbst einmal an der Spitze der UN-Generalversammlung stand. In ihrem Visionspapier verspricht sie, die Weltorganisation entlang von fünf Säulen neu auszurichten: Frieden und Sicherheit, Entwicklungsagenda, Energie- und Digitalisierungswende, Schließen der Umsetzungslücke sowie eine solide Ressourcenbasis. Guyana wiederum nominierte Mitte Juni Carolyn Rodrigues Birkett, die ständige Vertreterin des Landes bei den Vereinten Nationen. Ihr Programm „Reasserting, Reforming, and Rallying Our United Nations“ knüpft an die laufende UN-80-Reforminitiative an und stellt einen menschenzentrierten Ansatz in den Mittelpunkt.

Inhaltlich kreisen die Bewerbungen um drei harte Aufgaben: die Reform einer chronisch unterfinanzierten Weltorganisation, den Übergang zu einer Post-2030-Agenda und den Aufbau ergänzender Wohlstandsmetriken jenseits des Bruttoinlandsprodukts. „Angesichts wachsender Herausforderungen braucht die Welt die Vereinten Nationen mehr denn je – und einen Generalsekretär, der zu starker, prinzipientreuer und wirksamer Führung fähig ist“, erklärte Annalena Baerbock zum Auftakt der April-Anhörungen.

Die geopolitische Statik bleibt heikel. Traditionell rotiert das Amt zwischen den Weltregionen, dieses Mal wäre Lateinamerika an der Reihe. Zugleich hat in 80 Jahren UN-Geschichte noch nie eine Frau das Amt geführt – ein Befund, den die zivilgesellschaftliche Kampagne 1 for 8 Billion gemeinsam mit nach eigenen Angaben 92 Mitgliedstaaten offensiv adressiert. Den Ausschlag geben am Ende die fünf Veto-Mächte China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die Vereinigten Staaten: Ohne ihre Zustimmung im Sicherheitsrat kommt kein Vorschlag durch.

Die Entscheidung soll im Herbst fallen, die Amtsübernahme ist gemäß Artikel 97 der UN-Charta für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Für Wirtschaft und Zivilgesellschaft hat die Personalie spürbare Folgen: Wer immer das Amt übernimmt, wird die nächsten fünf Jahre maßgeblich darüber mitentscheiden, mit welcher Stoßrichtung Multilateralismus, Klimakooperation und Nachhaltigkeitsagenda nach 2030 weiterentwickelt werden.

Quelle: UD
 

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