Gesellschaft & Politik

Kompass 2026: Hilfsorganisationen sehen Fortschritte bei Entwicklungsreform – kritisieren aber Finanzierungslücken

Ein Jahr nach dem Start der neuen Bundesregierung ziehen Terre des Hommes und Welthungerhilfe im aktuellen Kompass 2026 Bilanz: Die Reform der Entwicklungspolitik enthält viele relevante Punkte, bleibt aber hinter dem zurück, was angesichts der globalen Krisen nötig wäre. Terre des Hommes und Welthungerhilfe begrüßen den Reformwillen der Bundesregierung – warnen aber zugleich davor, Entwicklungspolitik auf Rhetorik, Berliner Debatten und kurzfristige Prioritäten zu reduzieren.

21.07.2026

Kompass 2026: Hilfsorganisationen sehen Fortschritte bei Entwicklungsreform – kritisieren aber Finanzierungslücken

„Die Reform der Entwicklungspolitik darf nicht zu einem Berliner Verwaltungsprojekt werden“, sagt Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes. „Wer Wirksamkeit will, muss Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen frühzeitig und verbindlich einbinden. Eine glaubwürdige Partnerschaft lebt von verantwortungsvollem Handeln, nicht von schönen Worten.“

Die beiden Organisationen fordern eine starke Entwicklungspolitik, die Deutschland zu einem ausgeglichenen Kurs zwischen globaler Verantwortung und nationalen Interessen führt. Bei den Kooperationen mit der deutschen Wirtschaft müssen auch die Menschen in den Partnerländern profitieren.

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Besonders kritisch zu bewerten sind die neuen Zahlen zu öffentlichen Entwicklungsleistungen (ODA). Die deutschen ODA-Mittel sind 2025 real um 17 Prozent gesunken, die Unterstützung für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) ging zuletzt (2024) sogar um rund ein Drittel zurück. Damit geraten ausgerechnet jene Staaten unter Druck, die von Hunger, Armut, Klimakrisen und Konflikten besonders betroffen sind und die laut Reformagenda stärker unterstützt werden sollen.

„Es ist nicht glaubwürdig, die LDCs als Schwerpunkt zu benennen, ihnen aber nicht ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen. Hier muss man künftig nachbessern. Wer Transformation verspricht, muss sie auch finanzieren – verlässlich, langfristig und gemeinsam mit den Partnern. Die Bundesregierung muss sich entscheiden, ob sie in Zeiten zunehmender Herausforderungen auch zukünftig ein verlässlicher Partner sein will“, betont Mathias Mogge, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.

Auch die Kürzungen bei der humanitären Hilfe geben Anlass zur Sorge. Deutschland hat seine Mittel 2025 um 53 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro reduziert. Im Jahr 2026 sollen die Mittel auf demselben Niveau verharren – der niedrigste Stand seit 10 Jahren. In einer Zeit multipler Krisen ist das ein gefährliches Signal.

Humanitäre Hilfe muss sich konsequent an den Bedarfen der Menschen orientieren und nicht, wie es zunehmend geschieht, politisiert und instrumentalisiert werden. Ihre Neutralität und Unabhängigkeit müssen gewahrt bleiben. Die Bundesregierung sollte zudem Entwicklungszusammenarbeit, Friedenssicherung und humanitäre Hilfe besser miteinander verzahnen und durch mehrjährige Finanzierungen absichern.

Der Kompass 2026 macht damit deutlich: Die Bundesregierung muss ihre humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung nicht nur reformieren, sondern auch politisch und finanziell absichern. Ohne echte Partnerschaft, ausreichende Mittel und ein klares Leitbild bleibt der Anspruch hinter der Wirklichkeit zurück.

Quelle: UD/pm
 

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