Gesellschaft & Politik

Finanzielle Teilhabe stärkt Klimaresilienz von Frauen in Subsahara-Afrika

Frauen mit Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen können klimabedingte Schocks deutlich besser abfedern – das zeigt eine neue Studie mit 25.511 von Frauen geführten Haushalten in 37 Ländern Subsahara-Afrikas. Für langfristigen Schutz vor den Folgen des Klimawandels reiche finanzielle Inklusion allein aber nicht aus – nötig seien tiefgreifende strukturelle Reformen gegen geschlechtsspezifische Ungleichheit.

02.10.2026

Finanzielle Teilhabe stärkt Klimaresilienz von Frauen in Subsahara-Afrika

Die in der Fachzeitschrift Climate Risk Management veröffentlichte Studie, die Carbon Brief zusammenfasst, analysiert den Zusammenhang zwischen finanzieller Inklusion, Ermächtigung von Frauen und Klimaresilienz in einer der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Weltregionen. Die Forschenden nutzten Umfragedaten von Afrobarometer und bewerteten die finanzielle Inklusion anhand des OECD-Frameworks, das Faktoren wie Bankkontobesitz, Mobiltelefon- und Internetzugang berücksichtigt. Die Klimaresilienz wurde über den RIMA-Index der FAO gemessen, der die Fähigkeit eines Haushalts quantifiziert, Schocks und Stressfaktoren wie Extremwetterereignisse zu absorbieren und sich davon zu erholen.

Das zentrale Ergebnis: Haushalte, in denen Frauen über ein eigenes Bankkonto oder formelle Finanzprodukte verfügen, sind besser in der Lage, kurzfristige Schocks wie Dürren oder Überschwemmungen aufzufangen. Finanziell inkludierte Frauen zeigten größere politische und wirtschaftliche Teilhabe – etwa bei finanzieller Absicherung und der Ausübung ihres Wahlrechts. „Wenn wir Frauen ins Finanzsystem einbinden, können sie im Fall von Klimaereignissen sparen, unabhängig sein und auf Investitionen zurückgreifen, um diese Schocks zu absorbieren“, sagt Co-Autor Francis Anaisie von der University of Cape Coast in Ghana. „Diese Ermächtigung hilft ihnen, resilienter gegenüber Klimaschocks zu sein. Wir können Fortschritte erzielen, weil die SDG-Ziele alle auf Inklusion und inklusives Wachstum ausgerichtet sind.“

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Allerdings bleibt die Geschlechterkluft beim Zugang zu Finanzdienstleistungen in der Region groß – und wächst sogar. Zwar hatten 2024 bereits 52 Prozent der Frauen in Subsahara-Afrika ein Bankkonto, doch der Abstand zu Männern stieg von knapp 5 Prozentpunkten im Jahr 2011 auf 12 Prozentpunkte 2024. Bei sozialer Teilhabe – etwa der Einbindung in Gemeinschaften – war der Zusammenhang zwischen finanzieller Inklusion und Empowerment schwächer, da kulturelle und gesellschaftliche Barrieren fortbestehen, die sich nicht allein durch Bankkonten überwinden lassen.

Tracy Kajumba vom International Institute for Environment and Development (IIED), die nicht an der Studie beteiligt war, ordnet die Ergebnisse ein: „Frauen stehen an vorderster Front – sie bewirtschaften Land, pflanzen an, ernten – und all das wird vom Klimawandel beeinträchtigt. Wenn sie nicht das Einkommen haben, um in dürreresistente Sorten oder wassersparende Technologien zu investieren, wird es für Haushalte schwierig, sich anzupassen.“ Kajumba betont, dass die Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen durch finanziellen Zugang es Haushalten ermögliche, Schocks aufzufangen, ohne in Armut zu fallen – und nach Klimaereignissen wieder aufzubauen.

Die Studie empfiehlt eine Reihe konkreter Maßnahmen: geschlechtersensible Agrarkredite, subventionierte Klimaversicherungen für Bäuerinnen in dürregefährdeten Regionen, gemeinsame Landtitel und Quoten für Frauen in lokalen Klimaanpassungskomitees. Am Beispiel der schweren Überschwemmungen in Ghana illustriert Anaisie das Potenzial: „Frauen sind in wirtschaftlichen Aktivitäten engagiert, besonders in informellen. Sie haben Ressourcen und Geld, aber als die Flut kam, verloren viele Frauen alles. Hätten sie Zugang zu Versicherungen gehabt, hätte diese Flut sie nicht so viel gekostet.“ Langfristige Resilienz erfordere jedoch tiefgreifende strukturelle und kulturelle Veränderungen. „Die Instrumente, die verwendet werden, sind nicht immer günstig für Frauen“, mahnt Kajumba. „Wenn wir Frauen in Führung und Teilhabe betrachten – man kann nicht führen oder teilnehmen, wenn man nicht über ein gewisses Maß an Einkommen verfügt.“

Quelle: UD

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