FAO-Preisindex sinkt leicht – El Niño sorgt für Unsicherheit bei der Ernte
Der Weltmarktpreis für Nahrungsmittel ist im Juni leicht gefallen. Während Getreide, Zucker und Milchprodukte günstiger wurden, zogen die Preise für Pflanzenöle und Fleisch an. Die FAO warnt zugleich vor wachsenden Risiken durch das Wetterphänomen El Niño für die kommende Erntesaison.
28.07.2026
Der FAO-Nahrungsmittelpreisindex, der die monatliche Entwicklung der internationalen Preise für eine Reihe global gehandelter Nahrungsmittel misst, lag im Juni 2026 bei durchschnittlich 130,3 Punkten. Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, liegt aber weiterhin 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Das geht aus neuen, am Freitag veröffentlichten Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hervor.
„Während der Gesamtindex für internationale Nahrungsmittelpreise im Juni leicht zurückging, reagieren die einzelnen Rohstoffmärkte weiterhin unterschiedlich auf die aktuellen Entwicklungen“, erklärte Boubaker Ben-Belhassen, Direktor der FAO-Abteilung für Märkte und Handel. Transparente Märkte, zeitnahe Informationen und ein verlässlicher globaler Handel blieben angesichts der zunehmenden Unsicherheit essenziell, um die Ernährungssicherheit voranzubringen und die Widerstandsfähigkeit der Agrar- und Ernährungssysteme zu stärken.
Getreide und Zucker günstiger, Fleisch auf Rekordniveau
Der FAO-Getreidepreisindex fiel im Juni um 3,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, bedingt durch niedrigere internationale Mais- und Weizenpreise. Im Jahresvergleich liegt der Index dennoch 2,7 Prozent höher. Die Weizennotierungen gaben um 4,4 Prozent nach, da zügige Erntefortschritte und starke Angebotsaussichten in der Schwarzmeerregion die Sorgen um die Ernteaussichten in Australien und den USA überwogen. Zusätzlichen Abwärtsdruck erzeugten ein stärkerer US-Dollar sowie schwächere Energiemärkte angesichts nachlassender Spannungen rund um die Straße von Hormus. Die Maispreise sanken um 6,2 Prozent, was auf reichliche Angebotsaussichten in südamerikanischen Exportländern und eine schwächere Nachfrage aus der Ethanolproduktion zurückzuführen ist.
Gegen den Trend legte der Preisindex für Reis um 3,2 Prozent zu, getragen von einer stärkeren asiatischen Nachfrage nach Indica-Reis sowie Wetterbedenken und gestiegenen Produktions-, Transport- und Vermarktungskosten bei nicht-aromatischen Sorten.
Der Pflanzenölpreisindex stieg im Juni um 3,8 Prozent. Höhere Notierungen für Palm- und Rapsöl, gestützt durch eine stärkere Nachfrage aus der verpflichtenden Biokraftstoffbeimischung sowie weitgehend stabile Sonnenblumenölpreise, glichen niedrigere Sojaölpreise mehr als aus.
Der Fleischpreisindex kletterte um 0,5 Prozent und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Grund waren höhere Geflügelfleischpreise infolge einer vorübergehend knapperen Verfügbarkeit im Inland nach Produktionsanpassungen als Reaktion auf ein zuvor bestehendes Überangebot. Schweine- und Rindfleischpreise gaben dagegen nach.
Der Milchpreisindex sank um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ausschlaggebend waren niedrigere Preise für Magermilch- und Vollmilchpulver sowie Butter, begleitet vom elften aufeinanderfolgenden monatlichen Rückgang der internationalen Käsepreise, da das Exportangebot weiterhin die globale Importnachfrage übersteigt.
Der Zuckerpreisindex fiel um 5,7 Prozent, getrieben von niedrigeren Ethanolpreisen in Brasilien und einer Abwertung des brasilianischen Real. Anhaltende Sorgen über mögliche El-Niño-Auswirkungen auf die Zuckerproduktion in Indien und Thailand begrenzten den Rückgang der internationalen Zuckerpreise.
Zweithöchste Ernte der Geschichte erwartet – doch El Niño bleibt Risikofaktor
Parallel zum Preisindex veröffentlichte die FAO in ihrem Getreideversorgungs- und Bedarfsbericht aktualisierte Prognosen für die Ernte 2026. Demnach zeichnet sich die zweithöchste Getreideproduktion der Geschichte ab – 1,9 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres. Die globale Getreideernte wird nun auf 2.983 Millionen Tonnen taxiert.
Die Produktion von Grobgetreide dürfte nahezu das Vorjahresniveau erreichen, gestützt durch aktuelle offizielle Schätzungen aus Argentinien, Brasilien, China und Sambia, die durchweg stärkere Ernten als bislang erwartet in Aussicht stellen. Die weltweite Weizenproduktion soll dagegen um 4,3 Prozent auf 806,5 Millionen Tonnen zurückgehen, da aktuelle offizielle Daten aus Australien auf einen El-Niño-bedingten Rückgang unter den Fünfjahresdurchschnitt hindeuten. Die weltweite Reisproduktion dürfte um 1,8 Prozent unter ihren Rekordwert aus 2025/26 sinken.
Die FAO senkte zudem ihre Prognose für den weltweiten Getreideverbrauch 2026/27 auf 2.961 Millionen Tonnen, bedingt durch einen erwarteten Rückgang des globalen Weizenverbrauchs. Die weltweiten Getreidevorräte zum Ende der Saison 2027 werden nun auf 957,8 Millionen Tonnen geschätzt, womit das globale Verhältnis von Lagerbeständen zum Verbrauch 2027 mit 32,0 Prozent weitgehend unverändert bleibt. Der weltweite Getreidehandel 2026/27 wird mit 507,6 Millionen Tonnen kaum verändert prognostiziert.