Gesellschaft & Politik

Erneuerbare Energien: Tausende Jobs in Gefahr

Die Beschäftigung in den erneuerbaren Energien hat in Deutschland mit 436.000 Stellen einen historischen Höchststand erreicht. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung warnt jedoch: Die geplanten Reformen der Bundesregierung bei Erneuerbare-Energien-Gesetz, Heizungsgesetz und Netzanschluss drohen den Jobmotor abzuwürgen und zehntausende Arbeitsplätze zu gefährden.

21.07.2026

Erneuerbare Energien: Tausende Jobs in Gefahr

Trotz lahmender Konjunktur hat sich die Energiewende zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickelt. Im vergangenen Jahr arbeiteten in Deutschland rund 436.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien – so viele wie noch nie. Gegenüber 2023, dem bisherigen Spitzenjahr, entspricht das einem Zuwachs von knapp vier Prozent. Das geht aus einer aktuellen Berechnung der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Anzeige

Wind führt, Solar verliert Boden

Größter Arbeitgeber ist inzwischen die Windenergie. Die Zahl der Beschäftigten stieg zwischen 2023 und 2025 um rund dreißig Prozent auf 172.000. Damit entfällt deutlich mehr als jeder dritte Arbeitsplatz der Branche auf Windräder an Land und auf See – von der Herstellung über die Projektierung bis zu Betrieb und Wartung. Es folgen die Bioenergie mit etwa 97.000 und die Solarenergie mit knapp 90.000 Beschäftigten. Auf Herstellung und Installation von Wärmepumpen entfallen gut 72.000 Stellen.

Gezählt wurde die sogenannte Bruttobeschäftigung. Sie umfasst direkte Stellen und indirekte Jobs in vorgelagerten Lieferketten. In die Modellrechnung fließen Investitionen, Exporte sowie Betrieb und Wartung ein. Die Werte liegen damit höher als enger abgegrenzte Statistiken. So weist das Umweltbundesamt für 2023 rund 276.000 Beschäftigte aus.

Politische Rahmenbedingungen entscheiden

Die Statistik zeigt eindrücklich, wie unmittelbar politische Entscheidungen auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. 2025 erreichten die Investitionen mit 37,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord – parallel stieg auch die Zahl der Stellen. „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen“, sagt Jana Fingerhut, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann-Stiftung.

Besonders drastisch war der Absturz in der Solarindustrie. Zwischen 2011 und 2017 brach die Beschäftigtenzahl von 156.700 auf 39.900 ein. Auslöser waren Kürzungen der Solarförderung und die Verlagerung der Modulproduktion nach Asien. Auch die Windbranche kennt politische Bremsspuren: Nach der Umstellung auf Ausschreibungen sank die Beschäftigung von 164.500 im Jahr 2016 auf 122.000 drei Jahre später.

Wie nervös die Märkte auf politische Debatten reagieren, zeigt der Wärmepumpenabsatz. Nach mehr als 350.000 installierten Geräten 2023 brach der Verkauf im Folgejahr auf rund 200.000 ein. Die monatelange Auseinandersetzung um das Heizungsgesetz hatte viele Kaufinteressenten verunsichert. 2025 erholte sich der Markt auf knapp 300.000 Geräte.

Reformpläne sorgen für neue Unsicherheit

Ob es weitere Job-Rekorde geben wird, ist fraglich. Die Bundesregierung novelliert nicht nur das Heizungsgesetz, das durch ein Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt werden soll und Erdgas- sowie Ölheizungen wieder Auftrieb bringen dürfte. Auch das EEG wird umgebaut. Hierdurch droht der Ausbau der Öko-Energien einzubrechen.

Hinzu kommt ein neues Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz, das sogenannte Dunkelflauten ausgleichen soll. Umwelt- und Branchenverbände kritisieren, die Pläne begünstigten neue Gaskraftwerke und könnten Investitionen in Stromspeicher schwächen. Auch geplante Änderungen beim Netzanschluss bergen Risiken: Werden Ökostromanlagen in Regionen mit knappen Netzkapazitäten bei engpassbedingten Abregelungen nicht mehr vollständig entschädigt, drohen Projekte für Investoren unkalkulierbar zu werden.

Warnung vor wiederholten Fehlern

Die Fachleute der Bertelsmann-Stiftung leiten aus den Erfahrungen der vergangenen fünfzehn Jahre eine klare Warnung ab. Fallen Förderbedingungen abrupt weg oder werden Netzanschlüsse unkalkulierbar, könnten Investitionen und Arbeitsplätze wieder verschwinden. Zudem reiche ein starker Kapazitätsausbau allein nicht, wenn Anlagen und Schlüsselkomponenten fast vollständig importiert werden.

Nötig seien heimische Produktionskapazitäten für Windturbinen, Wärmepumpen und Wechselrichter – nicht nur für die Arbeitsplätze, sondern auch für eine größere Unabhängigkeit von Importen. „In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen“, mahnt Roman Wink, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung.

Quelle: UD
 

Related Posts

Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche