Asien muss sein Gesundheitswesen angesichts wachsender Klimarisiken neu denken
Extreme Hitze, schlechte Luftqualität und sich verändernde Krankheitsmuster treffen auf alternde Bevölkerungen, überlastete Gesundheitssysteme und chronischen Fachkräftemangel. AIA-Gesundheitschef Kelvin Loh fordert eine stärkere Gewichtung von Prävention, Resilienz und gesünderen Bevölkerungen – statt erst zu behandeln, wenn der Schaden bereits eingetreten ist.
28.09.2026
In einem Interview mit Eco-Business beschreibt Loh, Group Chief Healthcare Officer bei der Versicherungsgruppe AIA, wie sich Klimarisiken und demografische Trends in Asien gegenseitig verstärken. Die Bevölkerungen altern rapide, chronische Erkrankungen nehmen zu, und viele Gesundheitssysteme kämpfen mit wachsender Nachfrage bei gleichzeitigem Personalmangel. Extreme Hitze könne kardiovaskuläre, respiratorische und nierenbezogene Erkrankungen verschärfen und die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigern. Schlechte Luftqualität trage zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Komplikationen bei, während veränderte Umweltbedingungen die Ausbreitung von Krankheiten wie Dengue beeinflussen könnten.
Klimabedingte Extremwetterereignisse können zudem die Gesundheitsversorgung selbst stören: beschädigte Infrastruktur, unterbrochener Zugang zu Behandlung und zusätzlicher Druck auf ohnehin überlastete Systeme. „Eine Lektion, die mir während meiner gesamten medizinischen Karriere im Gedächtnis geblieben ist: Prävention ist oft wirksamer als die Behandlung eines Problems, nachdem es aufgetreten ist“, sagt Loh. „Dieses Prinzip wird im Kontext klimabezogener Gesundheitsrisiken noch wichtiger.“ Viele gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels ließen sich reduzieren, wenn Menschen die Risiken verstünden, gesunde Lebensweisen pflegten, bestehende Erkrankungen gut managten und frühzeitig Hilfe suchten.
Einen zentralen Hebel sieht Loh in der Rolle von Lebens- und Krankenversicherern, die Menschen über ihren gesamten Gesundheitsweg begleiteten – nicht erst im Krankheitsfall. Programme wie AIA Vitality zeigten, wie Versicherer durch personalisierte Ziele, Verhaltensanreize und kontinuierliche Einbindung zu kleinen, nachhaltigen Veränderungen beitragen könnten, die langfristige Gesundheitsergebnisse verbesserten. Gesündere Individuen seien generell widerstandsfähiger gegenüber externen Belastungen.
Zur Systemresilienz betont Loh, es gehe nicht einfach um mehr Kapazität, sondern um die Gewährleistung zugänglicher, bezahlbarer und qualitativ hochwertiger Versorgung auch unter veränderten Bedingungen. AIA investiere in Gesundheitsökosysteme und Partnerschaften mit Leistungserbringern, um Kunden effizienter Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung zu ermöglichen. Telemedizin, digitale Gesundheit und wertbasierte Versorgungsmodelle, die auf bessere Ergebnisse statt auf höhere Behandlungsvolumina abzielten, böten wachsende Chancen. Der von AIA mitfinanzierte Bericht „Climate and Health in Asia“ unterstreiche, dass Klimawandel und Gesundheit nicht als getrennte Themen behandelt werden sollten. „Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels werden bereits in ganz Asien spürbar, und sie werden zunehmend das Wohlbefinden der Gemeinden und die Resilienz der Gesundheitssysteme beeinflussen“, so Loh. Entscheidend sei kollektives Handeln: „Je früher wir gemeinsam handeln, desto besser sind wir auf die Zukunft vorbereitet.“
Quelle: UD
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