Afrika verabschiedet Zehn-Jahres-Plan für Millionen zusätzlicher Gesundheitsfachkräfte
Die afrikanischen Gesundheitsminister haben eine neue Dekadenstrategie verabschiedet, die den Mangel an Gesundheitspersonal auf dem Kontinent bis 2035 halbieren soll. Im Zentrum steht ein Paradigmenwechsel: nicht mehr nur Ausbildung, sondern der gesamte Zyklus von Personalplanung, Qualifizierung, Beschäftigung und Bindung – denn Hunderttausende ausgebildeter Fachkräfte finden derzeit keine Arbeit, obwohl die Gesundheitssysteme unterbesetzt sind.
18.09.2026
Die „Africa Health Workforce Agenda 2026–2035“ wurde auf der 76. Sitzung des WHO-Regionalkomitees für Afrika in Addis Abeba verabschiedet, wie Down To Earth berichtet. Sie setzt das Ziel, bis 2035 mindestens 3 Millionen zusätzliche Gesundheitsfachkräfte auszubilden, zu beschäftigen und zu halten. Die Dichte der Gesundheitsfachkräfte soll von derzeit 27 auf 47 pro 10.000 Einwohner steigen, die durchschnittliche Arbeitslosenquote unter Gesundheitspersonal von 27 auf 13 Prozent sinken.
Die Zahlen offenbaren ein Paradox: Afrikas Gesundheitspersonal hat sich von 1,6 Millionen (2013) auf 5,72 Millionen (2024) fast vervierfacht. Dennoch haben Millionen Menschen keinen Zugang zu Versorgung. Mindestens 943.000 ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte sind arbeitslos, während die Gesundheitssysteme gleichzeitig chronisch unterbesetzt sind. Bei Berufseinsteigern liegt die Arbeitslosenquote zwischen 46 und 69 Prozent. In mehreren Ländern findet mehr als die Hälfte der frisch diplomierten Ärzte und Pflegekräfte keine Stelle. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der Fachkräftemangel bis 2035 auf über 6 Millionen steigen.
„Die Ausbildung von Gesundheitspersonal ist erst der Anfang“, sagte Mohamed Yakub Janabi, WHO-Regionaldirektor für Afrika. „Wir müssen auch die Chancen, die Unterstützung und die Bedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen, dort zu dienen, zu wachsen und zu gedeihen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.“ Die Strategie folgt dem Ansatz „Planen, Ausbilden, Halten“: bessere Personalplanung auf Basis von Arbeitsmarktdaten, kompetenzbasierte Curricula mit gemeinsamen Qualitätsstandards und erweiterte Ausbildungskapazitäten sowie nachhaltige Arbeitsplätze mit fairer Verteilung, besseren Arbeitsbedingungen und Anreizen für den Verbleib in unterversorgten Gebieten.
Auch die Qualität der Versorgung adressiert die Agenda: Laut WHO-Schätzungen stellen Gesundheitsfachkräfte in Afrika nur in rund 62 Prozent der Fälle eine korrekte Diagnose und bieten nur in 40 Prozent eine angemessene Behandlung – ein Befund, der Patienten vermeidbaren Risiken aussetzt. Die Lösung der Fachkräftekrise sei auch eine wirtschaftliche Chance, argumentiert die WHO: Jeder investierte Dollar bringe bis zu 10 Dollar an Wirtschaftswachstum und das 30-Fache an breiterem gesellschaftlichem Nutzen, etwa durch höhere Produktivität und gesündere Bevölkerungen. Die benötigte Zusatzinvestition liege bei lediglich 4 bis 6 Dollar pro Person und Jahr. Bis 2035 sollen 80 Prozent der Länder über Personalstrategien verfügen, die mit der Agenda abgestimmt sind, und alle Länder regelmäßig über ihr Gesundheitspersonal berichten.
Quelle: UD
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