Zivilgesellschaft im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte verliert 40 Prozent ihrer Finanzierung
Eine neue Umfrage von ECCJ und Swedwatch zeigt: Organisationen, die Unternehmensverantwortung im Menschenrechtsbereich überwachen, haben seit 2024 im Schnitt 40 Prozent ihrer Finanzierung verloren. Jede achte Organisation könnte bei anhaltendem Trend schließen müssen, warnen die Studienautoren.
16.10.2026
Während die regulatorischen Anforderungen an Unternehmen im Bereich Menschenrechte und Sorgfaltspflicht in den vergangenen Jahren gestiegen sind, gerät die Infrastruktur zu ihrer unabhängigen Überwachung zunehmend unter Druck. Eine neue globale Umfrage der European Coalition for Corporate Justice (ECCJ) gemeinsam mit Swedwatch, vorgestellt beim Western Europe UN Business and Human Rights Regional Forum am 18. September in Straßburg, zeigt: Organisationen, die im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte arbeiten, haben seit 2024 durchschnittlich 40 Prozent ihrer Finanzierung verloren.
Besonders alarmierend ist der Ausblick: Laut der Erhebung gibt jede achte befragte Organisation an, bei anhaltendem Trend möglicherweise schließen zu müssen. Betroffen sind gerade jene Organisationen, die konkretes Unternehmensfehlverhalten dokumentieren, betroffene Gemeinschaften unterstützen und Regelwerke wie die EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD in der Praxis überhaupt erst durchsetzbar machen – eine Funktion, die formale Gesetzgebung allein nicht erfüllen kann.
Der Zusammenhang zwischen schwindender ziviler Kontrollinfrastruktur und schrumpfender regulatorischer Reichweite ist dabei kein Zufall, sondern verstärkt sich gegenseitig: Wenn die Kapazität der Organisationen sinkt, die Unternehmensverhalten dokumentieren und rechtlich begleiten, schrumpft nach Einschätzung der Studienautoren gleichzeitig die faktische Durchsetzbarkeit unternehmerischer Verantwortlichkeit – unabhängig davon, wie ambitioniert die zugrunde liegenden Gesetze formuliert sind. Die Präsentation der Umfrageergebnisse beim Regionalforum in Straßburg war bewusst gewählt: Das Forum bringt jährlich Vertreter aus Zivilgesellschaft, Unternehmen und öffentlicher Hand zusammen, um Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte zu bilanzieren – ein Rahmen, in dem die Finanzierungskrise der überwachenden Organisationen nun selbst zum zentralen Diskussionspunkt wird.
Für Unternehmen, die im Rahmen ihrer CSDDD-Sorgfaltspflicht auf externe Monitoring- und Beschwerdemechanismen angewiesen sind, hat die Entwicklung direkte praktische Relevanz: Schwächer finanzierte zivilgesellschaftliche Organisationen bedeuten weniger unabhängige Prüfung von Lieferantenrisiken und potenziell auch weniger frühzeitige Warnsignale vor gravierenden Menschenrechtsverstößen in der eigenen Wertschöpfungskette. Wer glaubwürdige Sorgfaltspflichtprozesse aufbauen will, sollte die Finanzierungssituation relevanter Monitoring-Organisationen als eigenständigen Risikofaktor in seine Compliance-Überlegungen einbeziehen.
Quelle: UD
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