Wesentlichkeitsanalyse fertig. Und jetzt? Was Unternehmen nach Omnibus behalten sollten und was nicht
In den vergangenen zwei Jahren haben viele Unternehmen erhebliche Ressourcen in ihre Nachhaltigkeitsvorbereitung investiert. Mit den Änderungen durch Omnibus und den erhöhten Schwellenwerten fallen nun zahlreiche Unternehmen ganz oder teilweise aus der CSRD-Berichtspflicht heraus. Viele geschäftsführende Personen fragen sich nun, ob die ganze Arbeit umsonst war. Aus unserer Beratungspraxis lautet die Antwort klar: Nein. Die eigentliche Herausforderung beginnt erst jetzt, denn die reine Berichtspflicht und die Unternehmensrealität sind zwei unterschiedliche Dinge.
02.11.2026
Von Dr. Steve Waitschat, Clostermann & Jasper
Die Omnibus-Anpassungen haben die regulatorischen Anforderungen verändert. Die wirtschaftliche Realität der Unternehmen dagegen kaum. Energiepreise schwanken weiterhin. Extremwetterereignisse nehmen zu. Fachkräfte bleiben knapp. Banken und Kunden fragen nach Nachhaltigkeitsinformationen. Investitionsentscheidungen werden zunehmend unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten getroffen. Viele der Themen, die Unternehmen im Rahmen ihrer Wesentlichkeitsanalyse identifiziert haben, sind daher nicht deshalb relevant, weil sie in einem Standard stehen. Sie sind relevant, weil sie das Geschäft tatsächlich beeinflussen.
Was Unternehmen unbedingt behalten sollten
Aus unserer Sicht gibt es drei Ergebnisse aus den bisherigen CSRD-Vorbereitungen, die für viele Unternehmen auch künftig einen hohen Mehrwert bieten.
1. Die Wesentlichkeitsanalyse
Selten wurde in Unternehmen so intensiv darüber diskutiert, welche Nachhaltigkeitsthemen tatsächlich relevant sind. Bei vielen Unternehmen war die Wesentlichkeitsanalyse die erste strukturierte Auseinandersetzung mit Fragen wie:
- Welche Nachhaltigkeitsthemen beeinflussen unser Geschäft?
- Wo entstehen Risiken?
- Wo ergeben sich Chancen?
- Welche Themen erwarten Kunden, Banken oder Mitarbeitende?
Diese Erkenntnisse verlieren ihren Wert nicht dadurch, dass eine Berichtspflicht entfällt. Im Gegenteil: Die Wesentlichkeitsanalyse kann als strategischer Kompass dienen, um Ressourcen gezielt auf die wirklich relevanten Themen zu konzentrieren.
2. Die Klimarisikoanalyse
Besonders deutlich wird dies bei Klimarisiken. Viele Unternehmen haben erstmals systematisch untersucht, wie sich Hitze, Starkregen, Lieferkettenstörungen oder steigende Energiepreise auf ihre Geschäftstätigkeit auswirken können. Diese Risiken verschwinden nicht mit einer Änderung der Regulierung. Wer die Ergebnisse jetzt in der Schublade verschwinden lässt, verschenkt wertvolle Informationen für Investitions- und Strategieentscheidungen.
3. Die Datengrundlage
Auch die oft mühsam aufgebaute Datenerhebung sollte nicht aufgegeben werden. Zahlreiche Unternehmen haben erstmals Transparenz darüber gewonnen,
- welche Daten bereits verfügbar sind,
- wo Informationslücken bestehen,
- welche Kennzahlen tatsächlich steuerungsrelevant sind.
Selbst wenn kein umfassender Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wird, können diese Informationen künftig wichtige Grundlagen für Managemententscheidungen liefern oder direkt für neue Richtlinien wie beispielsweise den digitalen Produktpass genutzt werden.
Was Unternehmen guten Gewissens reduzieren können
Nicht alles, was im Zuge der CSRD-Vorbereitung aufgebaut wurde, muss unverändert fortgeführt werden. Viele Unternehmen werden bewusst weniger Ressourcen in umfangreiche Berichte, formale Detailtiefe oder regulatorisch motivierte Dokumentation investieren. Das ist nachvollziehbar. Die entscheidende Frage sollte sich jedoch nicht darum drehen, was weniger gemacht werden muss, sondern vielmehr darum, welche Unternehmensentscheidungen durch Nachhaltigkeitsinformationen besser gesteuert werden können.
In vielen Projekten wird die Wesentlichkeitsanalyse als eine Art Abschluss wahrgenommen und danach nicht wieder angeschaut. Tatsächlich sollte sie aber der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung sein. Aus den als wesentlich definierten Nachhaltigkeitsthemen sollten direkt die nächsten Antworten zu Themen wie Zielen, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Kennzahlen erarbeitet werden. Erst wenn aus Erkenntnissen konkrete Maßnahmen entstehen, entfaltet Nachhaltigkeitsmanagement seinen tatsächlichen Nutzen.
Die größte Verschwendung wäre jetzt das Vergessen
Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren erhebliche Zeit und finanzielle Ressourcen in ihre Nachhaltigkeitsvorbereitung investiert. Die größte Verschwendung wäre daher nicht die Erstellung eines Berichts gewesen. Die größte Verschwendung wäre, die gewonnenen Erkenntnisse jetzt nicht weiter zu nutzen.
Unternehmen müssen nach Omnibus nicht zwangsläufig genauso weitermachen wie bisher. Sie sollten jedoch sehr genau überlegen, welche Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit einen strategischen Mehrwert schaffen. Denn Nachhaltigkeit war nie nur eine Frage der Berichterstattung. Und sie wird es auch nach Omnibus nicht sein.
Quelle: UD
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