Regulatorik

Verra bringt Scope-3-Standard für Klimaprojekte in der Lieferkette

Die Kohlenstoffmarkt-Standardorganisation Verra hat mit dem Scope 3 Standard ein neues Framework gestartet, das Unternehmen erlaubt, Klimawirkungen von Projekten in ihrer eigenen Wertschöpfungskette zu quantifizieren, zu verifizieren und zu zertifizieren – ein Bereich, der bislang für die meisten Firmen den größten und am schwersten belastbaren Anteil ihrer Emissionen ausmacht.

21.10.2026

Verra bringt Scope-3-Standard für Klimaprojekte in der Lieferkette

Scope-3-Emissionen gelten seit Jahren als größte Baustelle der unternehmerischen Klimabilanzierung, weil sie indirekte Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette umfassen – von Zulieferern bis zur Produktnutzung durch Kunden. Genau hier setzt Verra mit dem neuen Scope 3 Standard (S3S)
an, den die Organisation Mitte September vorgestellt hat.

Das Programm soll Unternehmen ein standardisiertes Framework an die Hand geben, um Klimaschutzprojekte innerhalb ihrer eigenen Lieferkette zu quantifizieren, unabhängig zu verifizieren und formal zu zertifizieren. Anders als bei klassischen Offset-Projekten, bei denen Unternehmen externe Kompensationsprojekte finanzieren, geht es beim S3S explizit um Interventionen im eigenen Wertschöpfungsnetzwerk – etwa gemeinsame Effizienzprogramme mit Zulieferern oder Emissionsreduktionen bei der Nutzung verkaufter Produkte.

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Der Zeitpunkt der Einführung ist kein Zufall: Scope-3-Emissionen machen bei den meisten Unternehmen den weitaus größten Teil ihres CO₂-Fußabdrucks aus, sind aber gleichzeitig am schwersten belastbar zu erfassen, weil sie außerhalb der direkten operativen Kontrolle liegen. Gleichzeitig arbeiten GHG Protocol und ISO parallel an einem überarbeiteten, gemeinsamen Scope-3-Standard, dessen Konsultationsentwurf für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt ist – ein Beleg dafür, wie viel regulatorische und methodische Bewegung derzeit in diesem Bereich der Klimabilanzierung stattfindet.

Der neue Standard trifft zudem auf einen Kohlenstoffmarkt, der sich gerade grundsätzlich mit Qualitätsfragen auseinandersetzt. In der Fachdebatte wird zunehmend hinterfragt, ob neuere Klimazertifikate per se glaubwürdiger sind als ältere – ein verbreiteter, aber nach Einschätzung von Marktexperten irreführender Denkfehler, der Käufer eher zu falschen Kaufentscheidungen als zu tatsächlich höherer Klimawirkung verleitet. Entscheidend sei die Qualität des zugrunde liegenden Projekts, nicht das Ausstellungsjahr des Zertifikats. Vor diesem Hintergrund kommt einem unabhängig verifizierten Standard wie dem S3S besondere Bedeutung zu, weil er Käufern eine belastbarere Entscheidungsgrundlage liefern soll als reine Vintage-Vergleiche.

Für Unternehmen, die ihre Wertschöpfungskette bereits aktiv dekarbonisieren, bietet der neue Verra-Standard erstmals eine Möglichkeit, diese Anstrengungen formal zertifizieren zu lassen – ein potenziell wichtiges Instrument für Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren und Regulierern, gerade in einer Phase, in der Vorwürfe des Greenwashings bei Klimazertifikaten zunehmen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie sich der Verra-Standard zu den kommenden GHG-Protocol-/ISO-Vorgaben verhält und ob Doppelstrukturen entstehen, die den Aufwand für berichtspflichtige Unternehmen eher erhöhen als senken.

Quelle: UD

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