EU Reporting

Selbsttest für die Lieferkette: OECD bietet kostenlose Sorgfaltspflicht-Checker für Unternehmen

Die OECD hat vier kostenlose Online-Tools veröffentlicht, mit denen Unternehmen ihre eigenen Sorgfaltspflicht-Praktiken überprüfen können. Die sogenannten „Due Diligence Checker" richten sich an Firmen aus verschiedenen Sektoren und ermöglichen einen strukturierten Abgleich mit international anerkannten Standards – gerade zu einem Zeitpunkt, da der gesetzliche Rahmen der EU-Lieferkettenrichtlinie erheblich enger gefasst wurde.

24.03.2026

Selbsttest für die Lieferkette: OECD bietet kostenlose Sorgfaltspflicht-Checker für Unternehmen

Der Druck auf Unternehmen, ihre Lieferketten sorgfältig zu dokumentieren und auf Risiken zu prüfen, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Doch zwischen dem politischen Anspruch und der betrieblichen Realität klafft oft eine beträchtliche Lücke. Genau hier setzt die neue Initiative der OECD an: Mit den Due Diligence Checkern stellt die Organisation seit kurzem ein praktisches Selbstbewertungsinstrument zur Verfügung, das Unternehmen aller Größen und Branchen zugänglich ist.

Das Angebot umfasst vier Module: einen branchenübergreifenden Checker für den allgemeinen Einsatz sowie spezialisierte Versionen für die Bereiche Bergbau und Mineralien, Bekleidung und Schuhe sowie Landwirtschaft. Das Prinzip ist denkbar einfach: Unternehmen beantworten einen strukturierten Fragenkatalog zu ihren bestehenden Sorgfaltsprozessen. Auf Basis der Antworten gleicht das Tool die Praktiken automatisch mit den OECD-Standards ab und identifiziert sowohl Stärken als auch blinde Flecken. Am Ende steht ein individuell generierter PDF-Bericht, den die Nutzer herunterladen können.

Experten betonen die Bedeutung des niedrigschwelligen Zugangs. „Das ist Kapazitätsaufbau", heißt es aus OECD-Kreisen. „Es bildet nicht die volle Komplexität von Sorgfaltspflichtsystemen ab – aber es bietet einen konkreten, zugänglichen Einstiegspunkt, um die Übereinstimmung mit international anerkannten Standards zu testen." Gerade kleinere und mittlere Unternehmen, die bislang kaum Ressourcen für aufwändige Compliance-Audits hatten, könnten von einem solchen Erstcheck profitieren.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist nicht zufällig. Die EU-Lieferkettenrichtlinie Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), die eigentlich verbindliche Sorgfaltspflichten für eine breite Unternehmenslandschaft hätte einführen sollen, wurde in ihrer finalen Fassung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf deutlich abgeschwächt. Schwellenwerte wurden erhöht, Anwendungsbereiche eingeschränkt, Haftungsregeln entschärft. Viele Unternehmen, die zunächst unter die Richtlinie gefallen wären, sind nun vom gesetzlichen Anwendungsbereich ausgenommen.

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Kritiker sehen darin eine vertane Chance. Befürworter freiwilliger Instrumente hingegen argumentieren, dass gerade in diesem regulatorischen Vakuum Selbstverpflichtungstools wie die OECD-Checker an Bedeutung gewinnen. Wer sich heute freiwillig an international anerkannten Standards orientiert, ist nicht nur besser auf mögliche künftige Regulierung vorbereitet, sondern signalisiert auch Geschäftspartnern, Investoren und der Öffentlichkeit ein ernsthaftes Engagement für verantwortungsvolle Lieferketten.

Das OECD-Sustainability Gateway, über das die Checker erreichbar sind, bündelt weitere Ressourcen zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht. Es ergänzt damit die bereits bestehenden OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen sowie sektorspezifische Due-Diligence-Leitfäden, die die Organisation in den vergangenen Jahren für Hochrisikobereiche wie den Kobalt- und den Kakaoanbau erarbeitet hat.

Wer die neuen Checker nutzt, sollte allerdings die Grenzen des Instruments kennen. Eine Selbstauskunft ersetzt keine unabhängige Prüfung, und ein positives Checker-Ergebnis ist kein Garant dafür, dass ein Unternehmen tatsächlich alle Sorgfaltspflichtanforderungen erfüllt. Dennoch: Als Orientierungshilfe, als internes Audit-Instrument oder als Ausgangspunkt für einen strukturierten Dialog über Lieferkettenverantwortung können die OECD-Tools einen echten Mehrwert bieten – kostenlos, zugänglich und auf einen breiten globalen Standard gestützt.

Quelle: UD
 

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