Regulatorik

Plastikgesetz oder Plastikversprechen? New York streitet um die Zukunft des Recyclings

New York steht kurz vor einem der strengsten Plastikverpackungsgesetze der USA. Das „Packaging Reduction and Recycling Infrastructure Act“ würde nicht recycelbare Verpackungen um 30 Prozent reduzieren und Hersteller zur Finanzierung von Recyclinginfrastruktur verpflichten. Doch ein zentraler Konflikt droht den Gesetzentwurf zu sprengen: Gilt chemisches Recycling als Recycling – oder als schmutzige Industrieanlage?

10.06.2026

Plastikgesetz oder Plastikversprechen? New York streitet um die Zukunft des Recyclings

Seit 2 Legislaturperioden scheiterte das New Yorker Verpackungsgesetz an politischen Widerständen. Nun kommt es wieder voran – und erneut steht die Frage im Mittelpunkt, ob sogenanntes chemisches Recycling in das Gesetz aufgenommen werden soll. Der Entwurf schließt es ausdrücklich aus. Das erzürnt die Kunststoffindustrie, ist für Umweltschützer aber nicht verhandelbar.

Chemisches Recycling – auch „Advanced Recycling“ genannt – bezeichnet Verfahren, bei denen Kunststoffe durch Hitze, Druck oder Chemikalien in ihre Grundbestandteile zerlegt werden. Das am weitesten verbreitete Verfahren in den USA ist die Pyrolyse, bei der Plastik unter extremer Hitze zu Öl umgewandelt wird. „Es ist eine riesige, schmutzige Maschine, wohin sie auch geht“, sagte Senator Pete Harckham, Mitinitiator des Gesetzentwurfs. Genau dieser Punkt sei „einer der größten Stolpersteine“ bei den Verhandlungen gewesen.

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Die Kritik an der Technologie ist substanziell. Veena Singla vom Natural Resources Defense Council beschreibt Pyrolyse als ineffizient: Das Verfahren ist energieintensiv, erfordert extreme Temperaturen und liefert nur wenige verwertbare Bestandteile für neue Kunststoffe. Das produzierte Öl muss zudem oft mit fossilem Brennstoff gemischt werden, um nutzbar zu sein. Eine ausstehende Klage des kalifornischen Generalstaatsanwalts gegen eine Pyrolyseanlage aus dem Jahr 2024 wirft vor, dass dort nur 8 Prozent des angenommenen Plastikmülls tatsächlich in Rohstoff für neues Plastik umgewandelt wird. Die rund 1 Dutzend chemischen Recyclinganlagen in den USA gelten bei der US-Umweltbehörde EPA als „großmengenerzeugende Sondermüllbetriebe“ und emittieren teils erhebliche Mengen Benzol – eine krebserregende Verbindung.

Während die Industrie auf chemisches Recycling als Lösung besteht, hat die Trump-Regierung das Feuer neu entfacht: EPA-Chef Lee Zeldin schlug vor, Pyrolyseanlagen künftig als Produktionsstätten statt als Verbrennungsanlagen einzustufen – was die geltenden Schadstoffauflagen massiv lockern würde. Judith Enck, frühere regionale EPA-Administratorin und heute Präsidentin der Nonprofit-Organisation Beyond Plastics, erwartet „erhebliche Zugeständnisse“ beim weiteren Gesetzgebungsverfahren, betont aber: Beim chemischen Recycling dürfe es keine Kompromisse geben.

Senator Harckham sieht das ähnlich: „Bei Details kann man Kompromisse machen, aber nicht bei Grundwerten.“ Das Gesetz würde, wenn es in Kraft tritt, auch bestimmte Schadstoffe wie PFAS-Verbindungen – sogenannte Ewigkeitschemikalien – aus Verpackungen verbannen. Zuletzt hatte der Senat den Entwurf bereits verabschiedet, doch im Abgeordnetenhaus blieb er stecken. Nun muss er beide Kammern passieren und dann noch Gouverneurin Kathy Hochul überstehen, die bekannt dafür ist, Gesetze durch informelle Nachverhandlungen – sogenannte „Chapter Amendments“ – in letzter Minute umzuschreiben. Harckham bleibt dennoch zuversichtlich: Das Gesetz sei „zentral für New Yorks Abfallwirtschaft und unsere Klimastrategie“.

Quelle: UD
 

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