Regulatorik

Jenseits des BIP: UN legen erstmals globalen Fortschrittskompass für Wohlstand und Nachhaltigkeit vor

Das Bruttoinlandsprodukt misst wirtschaftliches Wachstum – aber nicht, ob Menschen besser leben. Ein neuer UN-Bericht schlägt erstmals ein politisch beauftragtes Alternativframework mit 31 Indikatoren vor, das Wohlbefinden, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Resilienz erfasst. Es ist das erste Beyond-GDP-Konzept, das Mitgliedstaaten selbst in Auftrag gegeben haben – und soll jetzt in einen formellen UN-Prozess münden.

01.07.2026

Jenseits des BIP: UN legen erstmals globalen Fortschrittskompass für Wohlstand und Nachhaltigkeit vor

Zwischen 1980 und 2025 schrumpfte die globale Wirtschaftsleistung nur zweimal: in der Finanzkrise 2009 und der COVID-19-Pandemie 2020. Doch Wachstum allein sagt wenig darüber aus, ob Menschen sich sicherer fühlen, mehr Chancen haben oder auf einem gesunden Planeten leben. Genau diese Lücke adressiert der am 7. Mai veröffentlichte Bericht „Counting What Counts“ der unabhängigen hochrangigen Expertengruppe des UN-Generalsekretärs, dem UNCTAD als Ko-Sekretariat diente.

„Das BIP sagt uns, wie schnell eine Wirtschaft wächst“, sagte Pedro Manuel Moreno, amtierender Generalsekretär von UNCTAD. „Es sagt uns nicht, wohin wir steuern, was wir dabei zurücklassen oder was wir der nächsten Generation hinterlassen.“ Der Bericht schlägt kein Ersatzmodell für das BIP vor, sondern ein ergänzendes Dashboard aus 31 Indikatoren in vier Bereichen: Frieden, Menschenrechte und Respekt vor der Erde; aktuelles Wohlbefinden; Gerechtigkeit und Inklusion; sowie Nachhaltigkeit und Resilienz. Erfasst werden sollen materielle Lebensbedingungen, Gesundheit, Bildung, sozialer Zusammenhalt, institutionelle Qualität, Umweltzustand, Armut, Ungleichheit und das Kapital, das Gesellschaften an künftige Generationen weitergeben.

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Ein Novum gegenüber früheren Beyond-GDP-Initiativen: Dieser Bericht wurde direkt von den Mitgliedstaaten im Rahmen des „Pakts für die Zukunft“ mandatiert und wird nun in einem zwischenstaatlichen Prozess in der UN-Generalversammlung weitergeführt, geleitet von Spanien und Guyana. Das gibt ihm politisches Gewicht, das Vorgänger-Initiativen fehlte. Zudem erkennt der Bericht grenzüberschreitende Verflechtungen an: Fortschritt ist kein nationales Thema mehr – Emissionen, Lieferketten, Finanzströme und Technologietransfers in einem Land beeinflussen das Wohlbefinden in anderen.

Fast die Hälfte der 31 Indikatoren ist bereits aus dem SDG-Rahmen bekannt, sodass viele Länder auf bestehende Datensysteme zurückgreifen können. Das Framework ist so konzipiert, dass Regierungen es an nationale Prioritäten anpassen können. UNCTAD und das UN-Entwicklungsprogramm UNDP wollen Länder unterstützen, die es als erste testen wollen. Ob aus dem Kompass ein verbindliches Mess- und Steuerungsinstrument wird, bleibt politisch offen. Der Rahmen ist gesetzt – was gemessen wird, bestimmt am Ende, was zählt.

Quelle: UD
 

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