Regulatorik

Investoren warnen vor Aufweichung des ETS

50 institutionelle Investoren mit zusammen 13,4 Billionen Euro verwaltetem Vermögen fordern die Europäische Union auf, das Emissionshandelssystem (EU-ETS) im anstehenden Review zu stärken statt zu schwächen. Schon das Signal einer möglichen Aufweichung erhöhe regulatorische Unsicherheit und gefährde Milliardeninvestitionen in saubere Industrieprozesse, warnen Allianz, Schroders, Nordea und weitere Unterzeichner.

15.07.2026

Investoren warnen vor Aufweichung des ETS

Vor der für Juli 2026 angesetzten Überprüfung des EU-Emissionshandelssystems formiert sich eine breite Allianz institutioneller Investoren mit klarer politischer Forderung. In einem gemeinsamen Statement, koordiniert unter anderem durch die Principles for Responsible Investment (PRI), die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) und die Net-Zero Asset Owner Alliance (NZAOA), mahnen 50 Vermögensverwalter und Pensionsfonds mit einem Anlagevermögen von zusammen 13,4 Billionen Euro die Stabilität des Systems an. Zu den Unterzeichnern gehören Allianz SE, L&G Asset Management, Schroders, der Church of England Pension Board, Erste Asset Management, Sampension und Nordea Asset Management.

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ETS als Investitionsanker

Aus Investorensicht ist der EU-ETS weit mehr als ein klimapolitisches Instrument. „Politische Verlässlichkeit hilft Unternehmen und Investoren bei der Kapitalallokation. Ein robuster und vorhersehbarer EU-Emissionshandel liefert ein wertvolles Preissignal, um Risiken zu steuern, Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Investitionen in Europas sauberen industriellen Wandel zu mobilisieren", erklärt Andy Howard, Global Head of Sustainable Investment bei Schroders.

Ähnlich argumentiert Walter Hatak, Head of Responsible Investments bei Erste Asset Management: „Institutionelle Investoren sind auf vorhersehbare langfristige Politikrahmen angewiesen, um Kapital mit Vertrauen allokieren zu können. Eine Schwächung des EU-ETS würde regulatorische Unsicherheit erhöhen, das CO2-Preissignal verwässern und Unternehmen bestrafen, die bereits in Elektrifizierung, saubere Industrieprozesse und kohlenstoffarme Technologien investieren."

Politische Stabilität als Konjunkturprogramm

Den geopolitischen Kontext betonen die Co-Vorsitzenden der NZAOA, Josselin Kalifa von der französischen Caisse des Dépôts und Toru Shindo vom UN Joint Staff Pension Fund: „Ein robuster und vorhersehbarer EU-ETS ist nicht nur ein Klimainstrument, sondern das Fundament, auf dem langfristige Investitionsentscheidungen getroffen werden. In einer Zeit geopolitischer Unsicherheit ist politische Stabilität das kostenwirksamste Konjunkturprogramm, das Europa anbieten kann."

Aus Sicht der dänischen Pensionsfonds hat das System seine Funktionsfähigkeit längst bewiesen. „Der EU-ETS muss das Rückgrat von Europas Klimaambition bleiben – mit echten Obergrenzen, echten Reduktionen und ohne Hintertüren. Keine Freibriefe für Verschmutzer, ein robuster CBAM und volle Abstimmung mit den Zielen für 2040 und 2050", fordert Rikke Berg Jacobsen, Head of ESG bei AkademikerPension.

38,8 Milliarden Euro Auktionserlöse im Jahr 2024

Das System ist auch fiskalisch ein zentraler Pfeiler europäischer Industriepolitik. Allein 2024 erzielten die Mitgliedstaaten durch Versteigerungen 38,8 Milliarden Euro an ETS-Einnahmen. Seit 2013 summieren sich die Auktionserlöse auf rund 250 Milliarden Euro. Doch weniger als zehn Prozent dieser Mittel flossen bislang direkt in die Dekarbonisierung der Industrie. Die Investoren fordern daher, künftige Erlöse stärker für Innovation, Industrietransformation und den Kohlenstoffgrenzausgleich CBAM zu nutzen.

Belege für die Wirksamkeit liefert der Stromsektor: Der Anteil erneuerbarer Energien an der europäischen Stromerzeugung lag 2024 bei 47 Prozent, am Endenergieverbrauch bei über einem Viertel – mehr als das Vierfache des Werts von vor zwei Jahrzehnten. Eric Christian Pedersen, Head of Responsible Investments bei Nordea Asset Management, nennt das System „den weltweit erfolgreichsten CO2-Markt", dessen Cap-and-Trade-Design Emissionsminderungen kosteneffizient dort ermögliche, wo sie am günstigsten zu erreichen seien.

Signal an Rat und Kommission

Das Statement wurde gezielt vor der Tagung des Europäischen Rates am 18. und 19. Juni 2026 sowie der für Juli angekündigten ETS-Review-Konsultation veröffentlicht. Die Botschaft: Wer angesichts industriepolitischer Debatten – etwa rund um den Industrial Accelerator Act – am ETS-Preisschild rüttelt, riskiert die Vertrauensbasis langfristiger Investitionen. „Europas saubere Wende ist eine große Investitionschance, und Kapital steht bereit", betont Jacob Ehlerth Jørgensen, Chief ESG Officer von Sampension. Voraussetzung sei jedoch ein verlässlicher Ordnungsrahmen. Ein starker und stabiler Kohlenstoffpreis sei „kein Hindernis, sondern ein strategischer Vermögenswert für Europas wirtschaftliche Resilienz".

Quelle: UD
 

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