Extremwetter kostet Unternehmen bald fast eine Billion Dollar – doch kaum jemand plant das ein
Das Umwelt-Offenlegungssystem CDP warnt: Unternehmen könnten durch Extremwetterereignisse künftig 898 Milliarden Dollar verlieren. Bereits 2025 wurden fast 3 Milliarden Dollar an realen Schäden gemeldet. Paradox: Nur 35 Prozent der Unternehmen stufen Extremwetter überhaupt als wesentliches finanzielles Risiko ein. Die Kosten für Prävention wären dabei 13-mal geringer als der erwartete Schaden.
01.07.2026
Die Zahlen des neuen CDP-Berichts sprechen eine klare Sprache: Von den 11.261 Unternehmen, die 2025 vollständige Umweltdaten über CDP offenlegten, meldeten sie gemeinsam fast 3 Milliarden Dollar an tatsächlichen Verlusten durch Extremwetterereignisse – hauptsächlich durch steigende Direktkosten (309 Millionen Dollar) und Betriebsunterbrechungen (266 Millionen Dollar). Schwere Regenfälle waren der größte einzelne Schadenstreiber mit 1,5 Milliarden Dollar. Dennoch identifizierten nur 35 Prozent der meldenden Unternehmen Extremwetter als wesentliches finanzielles Risiko.
Nach vorne schauend wird die Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität noch dramatischer. Unternehmen erwarten künftige finanzielle Einbußen von 898 Milliarden Dollar durch Extremwetterereignisse. Überflutungen bilden mit 528 Milliarden Dollar den größten Posten, gefolgt von Zyklonen mit 161 Milliarden Dollar und Starkregen mit 86 Milliarden Dollar. Entscheidend: Fast die Hälfte dieser Risiken – 48 Prozent – dürfte sich innerhalb der nächsten 2 Jahre materialisieren. Das bedeutet, sie fallen direkt in bestehende Investitions-, Beschaffungs- und Betriebsplanungszyklen, sind also keine abstrakte Zukunftsgröße mehr.
Die erwarteten Verluste treffen vor allem die Produktionskapazität und das Anlagevermögen. Entgangene Umsätze durch reduzierte Produktionskapazität werden auf 326 Milliarden Dollar geschätzt, Wertminderungen und vorzeitige Stilllegung von Anlagen auf weitere 218 Milliarden Dollar. CDP betont, dass sich die Schäden nicht auf einzelne Standorte beschränken werden, sondern systemisch durch Infrastruktur, Lieferketten, Versicherungsmärkte und öffentliche Dienste streuen.
Besonders aufschlussreich ist der Kostenvergleich: Laut CDPs eigenem Disclosure-Dividend-Bericht 2025 lagen die medianen Risikokosten je Unternehmen bei 39,4 Millionen Dollar – der mediane Aufwand zur Risikominderung hingegen bei nur 3,1 Millionen Dollar. Klimaresilienz ist also nicht nur ökologisch geboten, sondern ökonomisch rational. Auch Städte und Regionen stehen unter Druck: Von 1.005 befragten Kommunen weltweit gaben 62 Prozent an, bereits erheblich von Extremwetterereignissen betroffen zu sein – mehr als 60 Prozent erwarten eine weitere Zunahme an Häufigkeit und Intensität. Finanzmittel für Anpassungsmaßnahmen fehlen vielerorts. CDP fordert Unternehmen, Regierungen und Zentralbanken auf, physische Klimarisiken systematisch in Finanzplanung und Regulierung zu integrieren.