Regulatorik

Erstmals Auktion für Meeresbergbau

Die Trump-Administration hat die weltweit erste kommerzielle Tiefsee-Bergbauauktion angekündigt. In föderalen Gewässern vor Amerikanisch-Samoa sollen im November 2026 Bergbaurechte für 20 Jahre auf über 31 Millionen Acres versteigert werden. Das Areal grenzt direkt an das Rose-Atoll-Naturschutzgebiet. Die USA positionieren sich damit als Vorreiter einer bislang nirgendwo im kommerziellen Maßstab erprobten Industrie – auf Kollisionskurs mit multilateralem Meeresrecht.

03.09.2026

Erstmals Auktion für Meeresbergbau

Teil 1 der UD-Serie „Rohstoff-Sorgfalt vor CSDDD“.

Die neu geschaffene Marine Minerals Administration (MMA) des US-Innenministeriums hat eine Auktion für den 19. November 2026 vorgeschlagen. Interessierte Unternehmen können sich für Bergbaurechte über 20 Jahre auf mehr als 31 Millionen Acres des äußeren Kontinentalschelfs von Amerikanisch-Samoa bewerben. Angezielt werden die Rohstoffe Kobalt, Kupfer, Nickel und Mangan – Materialien, die in der EU-Regulierung ausdrücklich als strategisch klassifiziert sind (Critical Raw Materials Act, Batterieverordnung, Artikel 47 ff.).

Für die US-Regierung ist der Schritt Teil einer Strategie zur Sicherung heimischer Rohstoffquellen. „Kritische Mineralien sind zu einem strategischen Gut im globalen Wettbewerb geworden, und Chinas Dominanz bei der Versorgung mit vielen dieser Materialien schafft nicht akzeptierbare Risiken für Amerikas Energie-, Verteidigungs- und Fertigungssektoren“, zitiert Inside Climate News Matt Giacona, kommissarischer Direktor der MMA. Das Voranbringen der Ausschreibung sei ein wichtiger Schritt für Amerikas heimische Lieferkette. Grundlage ist eine im April 2025 unterzeichnete Executive Order von Präsident Donald Trump, mit der Bundesbehörden die Vergabe von Seebergbau-Genehmigungen beschleunigen sollen.

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Der Widerstand vor Ort ist massiv. „Die Menschen im Pazifik haben unsere Position klargemacht: Wir wollen keinen Tiefsee-Bergbau in unseren Gewässern“, zitiert Inside Climate News Sabrina Suluai-Mahuka, Gründerin der Umweltorganisation Finafinau in Amerikanisch-Samoa. „Unser Ozean ist unser Zuhause, unsere Nahrung, unsere Kultur und unsere Zukunft, und wir rufen die Regierung auf, diese unverantwortliche Lizenzauktion zu stoppen, bevor irreversibler Schaden entsteht.“ Taryn Kiekow Heimer, Anwältin und Direktorin für Meeresenergie beim Natural Resources Defense Council, nennt den Vorgang „einen unglaublich rücksichtslosen und destruktiven Schritt“.

Besondere Sensibilität besteht wegen der Nachbarschaft zum Rose-Atoll, einem Naturschutzgebiet und Meeres-Nationaldenkmal, das 2009 von Präsident George W. Bush eingerichtet wurde. „Es ist eines der letzten weitgehend intakten Meeresökosysteme, die wir unter US-Jurisdiktion haben“, zitiert Inside Climate News Alan Friedlander, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hawaii Institute of Marine Biology der University of Hawaii. Die Bergbauaktivitäten würden dieses Ökosystem laut Friedlander nachhaltig stören – durch zusätzlichen Schiffsverkehr, Unterwasserlärm und Sedimentwolken der zur Rohstoffgewinnung nötigen Maschinen.

Vor der Küste Amerikanisch-Samoas treffen zwei Bewegungen aufeinander. Zum einen die vom Weißen Haus vorangetriebene Beschleunigung – der Tiefsee-Bergbau wurde bislang nirgendwo im kommerziellen Maßstab durchgeführt, und formalisierte Regelwerke fehlen sowohl national als auch international. Zum anderen verhandelt die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) in Kingston, Jamaika, aktuell weiter über den seit Langem debattierten „Mining Code“ für Aktivitäten in internationalen Gewässern. Die USA umgehen diesen multilateralen Rahmen mit ihrem nationalen Alleingang – parallel zu einem zweiten Fall, in dem ein US-Startup direkt an der Grenze Französisch-Polynesiens Explorationsrechte beantragt (siehe Teil 4 der Serie).

Für europäische Unternehmen wird der US-Vorstoß zum konkreten Sorgfaltsproblem. Wer Kobalt, Nickel oder Mangan aus US-lizenzierten Tiefsee-Betrieben beziehen möchte, muss das Material ab dem 26. Juli 2027 (voller Anwendungsstart der Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD) in die Risikoanalyse einbeziehen – sowohl unter Umweltgesichtspunkten (Artikel 7 der Richtlinie, „adverse environmental impacts“) als auch unter dem Aspekt indigener Rechte (Anhang I, Teil I, mit Verweis auf UN-Übereinkommen). Für den deutschen Mittelstand gilt bereits heute das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das bei mineralischen Vorprodukten eine risikobasierte Prüfung erfordert. Die EU-Batterieverordnung ergänzt beide Regelwerke: Für Traktions-, Industrie- und Konsumbatterien sind ab August 2027 Sorgfaltspflichten mit Bezug auf Kobalt, Lithium, Nickel und natürliche Grafite ausdrücklich formuliert.

Formal muss die MMA weitere Schritte gehen, bevor der Zuschlag endgültig ist. Die Erteilung der Notiz garantiere weder eine Auktion noch Bergbauaktivitäten, teilte die Behörde in einer öffentlichen Erklärung mit. Amerikanisch-Samoas Gouverneur Pula’ali’i Nikolao Pula hat 60 Tage Zeit, den vorgeschlagenen Lizenzhinweis zu prüfen. „Ich bleibe standhaft bei meiner Position, dass jede solche Entwicklung vollständig transparent, verantwortlich, wissenschaftsbasiert und sorgfältig verwaltet sein muss, um unsere Umwelt zu schützen, unsere lebenswichtigen Thunfisch-Fischereien und unser kulturelles Erbe zu bewahren“, so Pula.

Was das für berichtspflichtige Unternehmen heißt

Tiefsee-Rohstoffe aus US-Lizenzgebieten sind nach CSDDD, LkSG und EU-Batterieverordnung ein hochsensibles Risikogut. Wer sie bezieht, muss ökologische Zerstörung und die Missachtung indigener Konsultationsrechte in seiner Sorgfaltsdokumentation aktiv adressieren – nicht nur beim direkten Lieferanten, sondern auch bei nachgelagerten Verarbeitungsstufen (Downstream-Sorgfalt). Wer dem Beschaffungsdruck nachgibt, ohne eigene Herkunftskontrolle aufzubauen, riskiert unter der CSDDD zivilrechtliche Haftung.

Quelle: UD
 

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