EmpCo räumt auf: Eigenlabels raus, Fairtrade bleibt
Ab sofort gelten in Deutschland neue Regeln für Nachhaltigkeitssiegel. Erlaubt sind nur noch staatliche Zeichen und Labels mit unabhängiger Drittkontrolle. Fairtrade sieht sich bestätigt, die Umsätze wachsen trotz Konjunkturflaute. Unter Druck geraten dagegen Eigenlabels – und ausgerechnet Pioniere des Fairen Handels wie die GEPA, die ihr Zeichen „fair +“ aufgibt. EmpCo beendet den Siegelmarkt nicht, sie sortiert ihn.
30.09.2026
Seit Ende September 2026 ist die EU-Richtlinie 2024/825, besser bekannt als EmpCo, in Deutschland scharfgeschaltet. Umgesetzt hat der Gesetzgeber sie mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des UWG, das bereits im Februar im Bundesgesetzblatt erschien. Für Siegel ist vor allem die neue Nummer 2a der sogenannten Schwarzen Liste entscheidend: Ein Nachhaltigkeitssiegel, das weder auf einem Zertifizierungssystem beruht noch staatlich festgesetzt wurde, ist ab dann stets unzulässig. Eine Abwägung im Einzelfall findet nicht mehr statt.
Die Latte für ein solches Zertifizierungssystem liegt hoch. Es muss allen Unternehmen zu fairen Bedingungen offenstehen und seine Kriterien mit Fachleuten und Interessengruppen erarbeitet haben. Vor allem aber verlangt das Gesetz eine unabhängige Kontrolle durch Dritte samt der Möglichkeit, das Siegel bei Verstößen zu entziehen. Erfasst sind laut der Kanzlei avantcore auch hauseigene Embleme und Verbandslogos, sobald sie wie ein Gütezeichen wirken. Eine Abverkaufsfrist für bereits bedruckte Verpackungen kennt das deutsche Recht nicht.
Fairtrade erfüllt die Anforderungen
Für Fairtrade ist das keine Bedrohung, sondern eine Bestätigung des eigenen Modells. Das Siegel ist seit 2021 als europäisches Zertifizierungszeichen eingetragen, die Einhaltung der Standards prüft die unabhängige Zertifizierungsstelle FLOCERT nach der Akkreditierungsnorm ISO 17065. Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland, verweist in einer Stellungnahme zum Inkrafttreten darauf, wie aufwendig ein glaubwürdiges System in internationalen Lieferketten sei: „Wir investieren bei Fairtrade seit Jahrzehnten in Standards, Kontrollen und belastbare Strukturen.“ Lizenzpartner erhalten vorformulierte Verpackungs-Claims, damit sie werbefähig bleiben.
Ein Freibrief ist das Siegel dennoch nicht. Weil Fairtrade kein amtliches Typ-I-Umweltzeichen wie der Blaue Engel ist, bleibt ein Pauschalversprechen wie „nachhaltig“ neben dem Logo tabu, wie der Goldhändler Fairever in einer Analyse herausarbeitet.
Krise? Die Zahlen sagen etwas anderes
Die naheliegende Vermutung, strengere Regeln könnten die Nachfrage nach Labels insgesamt dämpfen, bestätigen die Zahlen bislang nicht. In Deutschland wuchs der Umsatz mit Fairtrade-Produkten 2025 um knapp 9 Prozent und überschritt erstmals die Marke von 3 Milliarden Euro, wie Fairtrade Deutschland im Mai bilanzierte. Auch die Stiftung Warentest empfahl das Siegel in ihrer Ausgabe 05/2026. In Österreich legte der Umsatz sogar um 12,7 Prozent auf 796 Millionen Euro zu.
Gegenwind gibt es trotzdem, er kommt aber aus einer anderen Richtung. Für das erste Quartal 2026 meldete Fairtrade Österreich leichte Rückgänge. Geschäftsführer Hartwig Kirner führt das vor allem auf die Ölkrise infolge des Iran-Kriegs zurück, die bei transportintensiven Produkten wie Rosen durchschlägt. Im Gespräch mit retail.at beklagte er zudem fehlende Rechtssicherheit bei den neuen EU-Vorgaben. Beim Kakao steigt zudem der Fairtrade-Mindestpreis zum 1. Oktober um 45 Prozent.
Die Pioniere zahlen den Preis
Paradoxerweise trifft die Neuordnung gerade jene, die den Fairen Handel einst begründet haben. Die GEPA verzichtet künftig auf ihr Zeichen „fair +“, das seit 2011 ihre Verpackungen prägte. Nach Darstellung des Wuppertaler Unternehmens war es nie ein Siegel und beruhte auf keinem Zertifizierungssystem, sondern sollte die Marke stärken. Restbestände werden mit goldenen Punkten überklebt, die Fairtrade-Zertifizierung der Rohwaren durch FLOCERT bleibt unberührt. Parallel stellt die World Fair Trade Organization ihr Garantiesystem auf eine externe Zertifizierung um.
Das Forum Fairer Handel hatte sich im Juni einem Appell von Lebensmittelverbänden an das Bundesjustizministerium angeschlossen, der eine zwölfmonatige Abverkaufsfrist forderte. Durchgesetzt hat sich die Forderung nicht. Anders als Österreich, das eine dreijährige Übergangsfrist für bereits in Verkehr gebrachte Ware vorsieht, gewährt Deutschland keine Schonfrist.
Ein Markt ordnet sich neu
Unterm Strich läuft EmpCo nicht auf das Ende der Labels hinaus, sondern auf ihre Sortierung. Wer auf unabhängig kontrollierte Systeme setzt, gewinnt an Profil, weil die Konkurrenz selbst gestalteter Blätter, Weltkugeln und Wohlfühlversprechen aus den Regalen verschwindet. Für Unternehmen verschiebt sich damit die entscheidende Frage: Nicht mehr die eigene Botschaft zählt, sondern der Nachweis dahinter. Die Rechnung zahlen jene, die sich allein auf ihren guten Ruf verlassen haben.
Quelle: UD
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