Regulatorik

EmpCo: Warum glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation jetzt noch wichtiger wird

Nachhaltigkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Verbraucherinnen und Verbraucher achten heute genauer denn je darauf, wie Unternehmen über Umwelt- und Klimaschutz sprechen. Gleichzeitig ist die Erwartung gestiegen, dass Aussagen nachvollziehbar und belegbar sind. Wer mit Begriffen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimaneutral“ wirbt, muss erklären können, was genau dahintersteht.

29.09.2026

EmpCo: Warum glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation jetzt noch wichtiger wird
Olivia Henke

Von Dr. Olivia Henke, Vorständin der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

Nachhaltigkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Verbraucherinnen und Verbraucher achten heute genauer denn je darauf, wie Unternehmen über Umwelt- und Klimaschutz sprechen. Gleichzeitig ist die Erwartung gestiegen, dass Aussagen nachvollziehbar und belegbar sind. Wer mit Begriffen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimaneutral“ wirbt, muss erklären können, was genau dahintersteht.

Genau hier setzt die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo) an. Ihr Ziel ist nicht, Nachhaltigkeitskommunikation einzuschränken, sondern sie transparenter und glaubwürdiger zu machen.

Ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz

Ab Ende September gelten die neuen Regelungen europaweit. In Deutschland wurden sie bereits Anfang des Jahres in nationales Recht überführt. Damit sind Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen, die bislang vor allem über allgemeine Irreführungsverbote geregelt waren, deutlich konkreter gefasst worden.

Im Kern geht es darum, Verbraucherinnen und Verbrauchern eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen. Sie sollen erkennen können, worauf sich Nachhaltigkeitsaussagen beziehen und ob diese nachvollziehbar belegt sind. Die Richtlinie umfasst dabei nicht nur Umweltaspekte, sondern auch soziale Themen wie faire Arbeitsbedingungen, Menschenrechte oder Gleichbehandlung.

Für Unternehmen bedeutet das: Kommunikationsmaßnahmen sollten überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Ich bin jedoch überzeugt, dass darin vor allem eine Chance liegt.

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Klimaschutzengagement bleibt sichtbar

In Gesprächen mit Unternehmen begegnet mir derzeit häufig dieselbe Frage: Dürfen wir künftig überhaupt noch über unser Klima-Engagement sprechen?

Die Antwort ist eindeutig: Ja, unbedingt!

Die EmpCo verbietet keine Kommunikation über Nachhaltigkeit oder Klimaschutz. Sie fordert lediglich, dass Aussagen präzise, nachvollziehbar und belegbar sind. Auch die Unterstützung hochwertiger Klimaschutzprojekte kann weiterhin kommuniziert werden – vorausgesetzt, Unternehmen legen transparent dar, was und wie sie unterstützen, nach welchen Standards dies geschieht und welche Wirkung damit verbunden sein soll.

Gerade darin sehe ich eine große Chance. Viele Unternehmen engagieren sich bereits heute weit über ihre gesetzlichen Verpflichtungen hinaus. Sie finanzieren Klimaschutzprojekte, fördern nachhaltige Entwicklung und leisten Beiträge zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen. Dieses Engagement verdient Sichtbarkeit!

Entscheidend ist dabei die Qualität. Wer offen kommuniziert, welche Projekte unterstützt werden, welche Standards zugrunde liegen und wie die Wirkung überprüft wird, schafft Vertrauen bei Kundinnen und Kunden ebenso wie bei anderen Stakeholdern.

Qualität wird zum entscheidenden Maßstab

Mit der EmpCo gewinnen unabhängige Zertifizierungen und belastbare Standards stärker an Bedeutung. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen sich darauf verlassen können, dass Nachhaltigkeitssiegel auf nachvollziehbaren Kriterien beruhen und nicht bloß Marketinginstrumente sind.

Das begrüße ich ausdrücklich. Denn hochwertige Standards schaffen Orientierung und erhöhen die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsengagement.

Ein Beispiel dafür ist das Siegel SDGold der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima. Es basiert auf klar definierten Qualitätsanforderungen und wird durch die unabhängige Prüforganisation DEKRA zertifiziert. Solche Verfahren helfen Unternehmen dabei, ihr Engagement transparent nachzuweisen und nachvollziehbar zu kommunizieren.

Greenhushing vermeiden

Neben den Chancen beobachte ich allerdings auch eine Entwicklung mit Sorge. Die neuen Anforderungen führen bei Unternehmen zu Verunsicherung. Aus Angst vor Kritik oder rechtlichen Risiken ziehen sie sich zunehmend aus der öffentlichen Kommunikation zurück. Dieses Phänomen wird als „Greenhushing“ bezeichnet.

Ein solcher Rückzug wäre aus meiner Sicht der falsche Weg.

Die Transformation zu einer klimaverträglichen und nachhaltigen Wirtschaft braucht sichtbare Beispiele und Austausch. Daher braucht sie Unternehmen, die zeigen, welche Maßnahmen funktionieren und welche Erfahrungen sie auf diesem Weg sammeln.

Besonders wichtig ist dies im Bereich der internationalen Klimafinanzierung. Zahlreiche der unterstützenden Unternehmen der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima fördern Projekte im Globalen Süden, die Emissionen reduzieren und gleichzeitig nachhaltige Entwicklung fördern – etwa durch den Bau energieeffizienter Öfen oder die Schaffung neuer wirtschaftlicher Perspektiven für Frauen vor Ort. Ohne private Investitionen wären viele dieser Projekte nicht möglich.

Wenn solche Beiträge künftig nicht mehr kommuniziert würden, wäre schlimmstenfalls das Engagement für die Menschen im Globalen Süden, die besonders unter den Folgen der Klimakrise leiden, rückläufig.

Regulierung als Chance begreifen

Die EmpCo markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt für die Nachhaltigkeitskommunikation. Sie setzt klare Leitplanken und stärkt das Vertrauen in glaubwürdige Umwelt- und Sozialaussagen.

Aus meiner Sicht lautet die entscheidende Botschaft daher nicht: Kommunizieren Sie weniger. Sondern: Kommunizieren Sie präziser.

Wer auf belastbare Daten, transparente Informationen und unabhängige Qualitätsstandards setzt, hat auch künftig gute Gründe, über sein Engagement zu sprechen. Die EmpCo schafft dafür einen verlässlichen Rahmen. Lassen Sie sich nicht abschrecken oder einschränken.

Denn wir brauchen nicht weniger Sichtbarkeit für nachhaltiges Handeln – wir brauchen glaubwürdige Beispiele, die zeigen, wie Unternehmen Verantwortung übernehmen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können. Denn nur so erreichen wir ein größeres, gesamtgesellschaftliches Verständnis für nachhaltige Entwicklung – klare Regeln helfen dabei mitunter.

Quelle: UD

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