Regulatorik

EcoVadis verlangt mehr Zahlen und ein Basisjahr

EcoVadis verschärft seine Bewertungsmethodik: Seit Mitte Oktober 2026 gelten elf neue standardisierte Kennzahlen, und wer quantitative Ziele angibt, muss ein Baseline-Jahr nennen. Dazu kommen nach Größe gestaffelte Medaillenschwellen, die Gold und Platin für große Unternehmen schwerer erreichbar machen dürften. Für Nachhaltigkeitsteams heißt das: Datenlage und Zieldokumentation prüfen, bevor das nächste Assessment ansteht.

04.11.2026

EcoVadis verlangt mehr Zahlen und ein Basisjahr

EcoVadis gehört zu den am weitesten verbreiteten Bewertungsplattformen für Nachhaltigkeit in Lieferketten, und in vielen Lieferantenbeziehungen spielen Medaillen eine Rolle. Änderungen an der Methodik wirken daher weit über die bewerteten Unternehmen hinaus. Die Beratung Anthesis hat die Aktualisierungen für das dritte Quartal 2026 und das erste Quartal 2027 in einer Analyse zusammengefasst. EcoVadis selbst veröffentlicht die Änderungen vierteljährlich in den Release Notes seines Help-Centers.

Die auffälligste Neuerung sind elf standardisierte Kennzahlen, die an bestimmte Nachhaltigkeitsthemen gebunden sind und die Vergleichbarkeit erhöhen sollen. Sie orientieren sich unter anderem an GRI, ESRS und ISSB. Abgefragt werden etwa die Fluktuationsrate der Beschäftigten, der Anteil der durch Tarifverträge oder gewählte Vertreter abgedeckten Belegschaft sowie die Zahl identifizierter Vorfälle bei Kinder- und Zwangsarbeit, Menschenhandel und Menschenrechtsverletzungen gegenüber externen Stakeholdern. Hinzu kommen Umweltindikatoren: die Zahl der Standorte in oder nahe biodiversitätssensiblen Gebieten, der Umsatzanteil mit Produkten, die Umweltwirkungen in der Nutzungsphase senken, der Anteil zurückgenommener Produkte und Primärverpackungen am Gewicht sowie der Umsatzanteil mit nachweislich positiven Umweltwirkungen. Auch der Kapitalanteil in Sektoren mit hohen Umwelt-, Natur- oder Klimaauswirkungen gehört dazu, ebenso die Zahl von Vorfällen zu Gesundheit und Sicherheit von Kundinnen und Kunden.

Bewertet werden die Kennzahlen nach den bestehenden Scoring-Prinzipien für den Reporting-Indikator. Dazu zählen drei Jahre Daten, die Veröffentlichung im Jahres- oder Nachhaltigkeitsbericht, ein Bezug zur Wesentlichkeitsanalyse, die Orientierung an anerkannten Frameworks und eine Drittprüfung. Wer solche Daten bislang nicht systematisch erhebt, steht damit vor einem Aufbauthema, das sich nicht kurzfristig lösen lässt.

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Die zweite Änderung wirkt unscheinbar, hat aber Gewicht. Unternehmen, die im Indikator „Policies" quantitative Ziele angeben, müssen seit dem 14. Oktober zusätzlich ein Baseline-Jahr nennen. Bisher genügten Zieljahr und Zielwert. Betroffen sind Ziele zu Klima, Energie, Wasser, Abfall, Diversität sowie Gesundheit und Sicherheit. „Auch wenn dies wie eine relativ kleine Anpassung wirken mag, kann sie erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie Nachhaltigkeitsziele dokumentiert und bewertet werden", schreibt Anthesis. Ziele ohne klar definierten Ausgangswert ließen sich schwer beurteilen, und EcoVadis lege zunehmend Wert auf Glaubwürdigkeit und Transparenz von Nachhaltigkeitszusagen. Das Prinzip entspricht dem, was auch Science Based Targets oder die ESRS verlangen: Ein Reduktionsziel ist nur so belastbar wie der Wert, von dem aus gerechnet wird.

Die dritte Änderung betrifft das Ergebnis selbst. Die Medaillenschwellen sollen künftig nach Unternehmensgröße differenziert werden, wirksam voraussichtlich ab Januar 2027, die Quelle nennt kein Jahr ausdrücklich. Kleinere Unternehmen dürften Medaillen dann leichter erreichen, für große wird es schwieriger, Gold oder Platin zu halten. Anthesis warnt deshalb: Wer sein Ergebnis hält, hält nicht zwingend seine Medaille. Wer Lieferanten anhand von Medaillen steuert, sollte seine Anforderungen ebenfalls überprüfen.

Entlastung gibt es für den Mittelstand. Förderfähige kleine und mittlere Unternehmen müssen künftig nur zwei von drei Reporting-Anforderungen erfüllen, um die volle Punktzahl zu erhalten, eine externe Verifizierung wird seltener nötig. Außerdem entfallen Reporting-Fragen zu Nachhaltigkeitsthemen, die ein Unternehmen nicht aktiviert hat. Weitere Anpassungen betreffen biodiversitätsbezogene Maßnahmen, Terminologie und Leitfäden im Fragebogen, zusätzliche Granularität in der Scorecard sowie sektorspezifische Fragen.

Anthesis ordnet die Änderungen in drei Richtungen ein: mehr quantitative Berichterstattung, strengere Prüfung der Ziele und stärker zugeschnittene Bewertungen. Dabei ist zu bedenken, dass die Beratung selbst Readiness-Reviews und Gap-Analysen für das nächste Assessment anbietet. Unabhängig davon ist die Richtung klar. Wer EcoVadis als Teil seiner Lieferkettensteuerung nutzt oder selbst bewertet wird, sollte jetzt klären, welche der elf Kennzahlen sich aus vorhandenen Daten bedienen lassen, wo Baseline-Jahre fehlen und wie sich die neue Größenstaffelung auf die eigene Medaillenstrategie auswirkt. Auch die Verbindung zur Berichterstattung nach VS und ESRS liegt nahe, denn viele der geforderten Datenpunkte überschneiden sich. Weitere Hintergründe zu Standards und Regelwerken bietet der UmweltDialog-Themenhub Klimareporting und Taxonomie.

Quelle: UD

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