EZB weitet Klimafaktor auf Unternehmenskredite aus
Die Europäische Zentralbank dehnt ihren Klimafaktor im Sicherheitenrahmen auf Unternehmenskredite aus. Was bisher nur für Unternehmensanleihen galt, betrifft künftig auch Bankkredite an nichtfinanzielle Unternehmen – und damit einen erheblich größeren Teil der bei der EZB hinterlegten Sicherheiten. Für Unternehmen jeder Größe bedeutet das: Wer keine belastbaren Nachhaltigkeitsdaten liefern kann, wird für Banken zum Risikofaktor.
24.09.2026
Der EZB-Rat hat im Juli beschlossen, die Verwendung von Klimafaktoren im Sicherheitenrahmen des Eurosystems auf bestimmte Kreditforderungen gegenüber nichtfinanziellen Unternehmen auszuweiten. Der Klimafaktor war seit Mitte Juni in Kraft, galt aber bislang nur für Unternehmensanleihen nichtfinanzieller Unternehmen, die weniger als 2 Prozent der hinterlegten Sicherheiten ausmachten. Unternehmenskredite machen dagegen rund 29 Prozent der hinterlegten Sicherheiten aus – der Hebel der Maßnahme wächst damit um ein Vielfaches. Carlos Mateo Caicedo Graciano, Ökonom bei der Banque de France, ordnete die Tragweite auf LinkedIn ein: Das Segment der Unternehmenskredite sei „rund siebenmal größer als das Segment der Unternehmensanleihen, das bereits vom Klimafaktor abgedeckt wird“.
Das Prinzip ist einfach: Wenn Banken bei der EZB Liquidität aufnehmen, hinterlegen sie dafür Vermögenswerte als Sicherheiten. Die maximale zusätzliche Wertminderung durch Klimafaktoren liegt bei 5 Prozent – sowohl für Anleihen als auch für Kreditforderungen. Je höher das Transitionsrisiko eines Unternehmens, desto geringer der Sicherheitenwert des Kredits für die Bank. Als relevante Klimaschocks nennt die EZB Änderungen der Klimapolitik, technologische Entwicklungen, Veränderungen im Konsumverhalten, Rechtsstreitigkeiten und allgemeine makroökonomische Anpassungen.
Die EZB wird die Klimafaktor-Werte einzelner Kreditforderungen nicht veröffentlichen, um öffentliche Rankings einzelner Vermögenswerte oder Schuldner zu vermeiden. Die Umsetzung wird frühestens Ende 2027 erwartet. Jordi Schröder Bosch, Ökonom bei Positive Money Europe, nannte die Ausweitung gegenüber Green Central Banking „einen bedeutenden Schritt nach vorn“, weil Banken nun bei einem deutlich größeren Teil ihrer Sicherheiten Transitionsrisiken berücksichtigen müssten – „einschließlich Krediten an fossile und andere kohlenstoffintensive Unternehmen“.
Die praktischen Folgen reichen weit über die Geldpolitik hinaus. Wenn Kredite an Unternehmen mit hohem Transitionsrisiko für Banken als Sicherheiten weniger wert sind, verändert das die Kreditvergabe selbst. Banken werden bei der Darlehensvergabe verstärkt nach dem klimabezogenen Risikoprofil ihrer Kreditnehmer fragen – auch bei kleineren Unternehmen, die von der CSRD-Berichtspflicht befreit sind. Nachhaltigkeitsdaten werden damit faktisch zu einem Element der Kreditwürdigkeit, unabhängig davon, ob eine gesetzliche Berichtspflicht besteht.
Dieser Mechanismus trifft auf eine regulatorische Landschaft, in der sich gerade viel bewegt. Zeitgleich hat die EU-Kommission Anfang Juli 2026 den freiwilligen Nachhaltigkeitsberichtsstandard (VS) als delegierte Verordnung veröffentlicht, der Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten einen standardisierten Rahmen für die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsdaten bietet. Was bisher als bloße Empfehlung galt, bekommt durch den EZB-Beschluss eine ganz andere Dringlichkeit: Wer sich als kleines oder mittleres Unternehmen fragt, ob freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung den Aufwand lohnt, bekommt nun eine Antwort aus Frankfurt – in Form handfester finanzieller Konsequenzen.
Auch die Bank of England hat ihr Sicherheitenrahmenwerk um klimabezogene Maßnahmen erweitert und geht in einzelnen Bereichen sogar weiter als die EZB: Anleihen von Unternehmen, deren Erlöse aus dem Kohlebergbau stammen, werden dort als Sicherheiten gar nicht mehr akzeptiert. Die EZB verzichtet bislang auf solche Ausschlüsse, setzt aber mit der schrittweisen Integration von Klimarisiken ein klares Signal für die Richtung der europäischen Geldpolitik.
Quelle: UD
Redaktioneller Hinweis zur Transparenz: In unserer redaktionellen Arbeit nutzen wir KI-gestützte Werkzeuge – unter anderem für Recherche, Texterstellung, Lektorat, SEO-Optimierung, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Social-Media-Beiträge. Die redaktionelle Verantwortung für alle Inhalte liegt bei UmweltDialog. Bei eingereichten Gastbeiträgen kann KI ebenfalls zum Einsatz gekommen sein.