EU plant verbindlichen Circular Economy Act – Entwurf zeitnah erwartet
Die EU-Kommission bereitet einen Circular Economy Act vor, der die Kreislaufwirtschaft erstmals rechtlich verbindlich verankern soll. Ein erster Entwurf wird im Herbst 2026 erwartet. Ziel ist eine Verdopplung der EU-Kreislaufquote von 12,2 auf 24 Prozent bis 2030 samt digitalen Produktpässen.
14.10.2026
Die Kreislaufwirtschaft galt lange als politisches Wunschziel ohne durchsetzbaren rechtlichen Unterbau. Das soll sich ändern: Die EU-Kommission arbeitet an einem Circular Economy Act (CEA), der einen verbindlicheren Rahmen für die europäische Kreislaufwirtschaft schaffen soll, wie it-boltwise berichtet. Ein erster Entwurf wird zeitnah erwartet.
Der Handlungsdruck ist erheblich: Laut Circular Economy Gap Report 2026 liegt die globale Kreislaufquote der Weltwirtschaft derzeit bei lediglich 6,9 Prozent. Ineffizienzen durch lineare Wirtschaftsmodelle verursachen demnach Verluste von 25,4 Billionen Euro jährlich. Seit 1970 hat sich die weltweite Rohstoffgewinnung um ein Vielfaches erhöht; Gewinnung und Verarbeitung von Materialien sind heute für rund 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wer weiter auf lineare Modelle setzt, zahlt demnach nicht nur ökologisch, sondern trägt zugleich wachsende Risiken bei Rohstoffverfügbarkeit, Preisvolatilität und regulatorischer Unsicherheit.
Innerhalb der EU liegt die Kreislaufquote aktuell bei 12,2 Prozent, Ziel ist eine Verdopplung auf 24 Prozent bis 2030. Als möglicher Beschäftigungseffekt werden bis Ende des Jahrzehnts rund 700.000 neue Arbeitsplätze genannt. Flankiert wird der Rechtsakt von technischen Instrumenten wie digitalen Produktpässen, die Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten entlang der Lieferkette dokumentierbar machen sollen – etwa im Rahmen des bereits laufenden digitalen Batteriepasses, dessen Testumgebung seit Ende Juni 2026 online ist.
Wie ernst die Branche das Thema inzwischen nimmt, zeigte zuletzt die Circular Valley Convention in Düsseldorf. Bundesumweltminister Carsten Schneider brachte die geopolitische Dimension dort auf den Punkt: „Rohstoffe sind zu Machtfaktoren geworden, und wer Kreisläufe schließt, macht sich unabhängiger“ – unabhängiger von Primärrohstoffen, von geopolitischen Abhängigkeiten und von volatilen Märkten. Auch der aktuelle Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft, den 15 Branchenverbände gemeinsam mit der Messe München erarbeitet haben, bestätigt diesen Befund: Die deutsche Branche gilt als operativ belastbar, doch Investitionsfähigkeit und Innovationsdynamik stehen unter Druck, solange verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen fehlen.
Für Unternehmen bedeutet der geplante CEA einen weiteren regulatorischen Baustein neben CSRD, CSDDD und Ökodesign-Verordnung, der Produktdesign, Materialwahl und Rücknahmesysteme betrifft. Wer Kreislaufwirtschaft bislang als freiwillige Nachhaltigkeitsinitiative behandelt hat, sollte sich frühzeitig mit den kommenden verbindlichen Anforderungen auseinandersetzen – zumal die EU mit dem Circular Economy Act erstmals Rohstoffsicherheit und Klimaschutz explizit als zwei Seiten derselben Medaille verankern will.
Quelle: UD
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