Regulatorik

Chinas öffentliche Beschaffung als Hebel für die Energiewende?

China hat seine Klimaregulierung in den vergangenen Jahren zügig ausgebaut und liegt bei Offenlegungspflichten, Kohlenstoffzertifikaten und Methanminderung auf oder über dem globalen Durchschnitt. Doch ausgerechnet bei der öffentlichen Beschaffung – einem Hebel, der rund 15 Prozent der weltweiten Emissionen berührt – bleibt das Land weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

12.10.2026

Chinas öffentliche Beschaffung als Hebel für die Energiewende?

Das ist ein Kernergebnis des Oxford Climate Policy Monitor 2025, den Helena Wright, Direktorin des Monitors an der Universität Oxford, und der Shanghaier Anwalt Gary Yang in einem Gastbeitrag für Dialogue Earth auswerten. Der Monitor erfasst klimabezogene Gesetze und Regulierungen in 37 Jurisdiktionen, die zusammen für 85 Prozent der globalen Emissionen und 87 Prozent des globalen BIP stehen. Die übergreifende Botschaft: Die klimapolitische Ambition sei 2025 weltweit gestiegen, „die Richtung des Wandels zeigt weiterhin fest in Richtung Transformation“. Einzig die USA verzeichneten auf Bundesebene Rückschritte.

Bemerkenswert ist die geopolitische Verschiebung des Ambitionsmotors: Lateinamerikanische und afrikanische Länder haben nach den Befunden des Monitors im Durchschnitt ambitioniertere Regeln für klimabezogene Unternehmensoffenlegungen als Europa oder Nordamerika. China selbst hat 2025 umfassende Offenlegungspflichten eingeführt. Seit April 2026 müssen Hunderte großer börsennotierter Unternehmen erstmals jährlich über ihre Klimaauswirkungen berichten. Die Shanghaier Börse hat mit der „Richtlinie Nr. 14“ ein Regelwerk vorgelegt, das der Monitor als international führend einstuft: Unternehmen auf den Indizes SSE 180 und STAR 50 sowie doppelt notierte Firmen müssen Emissionen, Klimarisiken und Transformationsziele offenlegen.

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Bei der Methanminderung geht China ebenfalls über den globalen Durchschnitt hinaus – anders als etwa die EU oder Polen adressiert Peking auch landwirtschaftliche Methanemissionen und verfügt über ein nationales Reduktionsziel. Doch während die Regulierungsseite Fortschritte macht, diagnostizieren Wright und Yang ein massives Umsetzungsdefizit: „Die Implementierung bleibt unzureichend, um das wachsende Risiko von Klimaauswirkungen wie rekordverdächtigen Hitzewellen und Waldbränden zu verhindern.“

Besonders deutlich wird das Defizit bei der öffentlichen Beschaffung. Chinas staatliche Einkäufe umfassten 2024 mehr als 3 Billionen Yuan, umgerechnet rund 500 Milliarden US-Dollar. Wenn Regierungen weltweit Güter, Ingenieursleistungen und Dienstleistungen kaufen, berühren sie damit rund 15 Prozent der globalen Emissionen. Der Monitor stellt seit 2020 kaum Fortschritte bei nachhaltiger Beschaffung fest – weder in China noch in den meisten anderen Ländern. Ein bestehendes chinesisches Programm für grüne Beschaffung von Baumaterialien auf Stadtebene könnte auf weitere Sektoren ausgeweitet werden, argumentieren die Autoren. Bislang fehlen jedoch Lebenszykluskosten-Regeln, die Beamte zwingen würden, nicht nur den Anschaffungspreis, sondern die gesamten Emissionen über die Nutzungsdauer zu berücksichtigen. Ebenso fehlen Anforderungen an Lieferanten, etwa eigene Netto-Null-Ziele oder Transformationspläne vorzulegen.

Als Vorbilder nennen Wright und Yang unter anderem Kanada, das von großen Vertragslieferanten die Offenlegung von Treibhausgasemissionen und wissenschaftsbasierte Reduktionsziele verlangt und den Kauf emissionsfreier Fahrzeuge priorisiert. Brasilien hat kürzlich Nachhaltigkeitsparameter in Straßenbauverträge integriert, die nicht nur die Bauphase, sondern auch langfristigen Betrieb und Instandhaltung berücksichtigen. China überarbeitet derzeit sein Beschaffungsgesetz – eine Gelegenheit, solche internationalen Vorbilder aufzugreifen. „Der Fall der Beschaffung zeigt, dass Klimapolitik wirtschaftliche Win-win-Vorteile bringen kann: Sie treibt langfristige Resilienz, senkt Klima-, Verschmutzungs- und andere Umweltkosten“, so die Autoren. Zwar könne nachhaltige Beschaffung zunächst einen Aufpreis mit sich bringen, dieser amortisiere sich aber über die Zeit durch erhebliche Energie- und Ressourcenkosteneinsparungen.

Quelle: UD

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