Kommen die Tsunami-Gelder nur den Hoteliers zu Gute?
Die Augen der Überlebenden sind ausgebrannt, "wie Asche", oder sie glühen, schauen hektisch hin und her. Bei der geringsten Veränderung des Geräuschpegels, der ständig vom Ozean zu hören ist, bleiben sie wie erstarrt stehen und blicken Richtung Meer, oder sie verfallen in Panik und rennen weg. Diese Eindrücke konnte Günter Seidler vom Psychosozialen Zentrum der Universitätsklinikum Heidelberg, gewinnen, als er die durch den Tsunami verwüsteten Gebiete in Sri Lanka bereiste. Dort wurden rund 31.000 Tote und 1.5 Millionen Obdachlose registriert.
24.05.2005
Nach Einschätzung von Seidler wird psychotraumatologische Hilfe erst dann in größerem Umfange angefordert werden, wenn die grundlegenden, existentiellen Lebensnotwendigkeiten ausreichend zur Verfügung stehen. Für die Zwischenzeit gilt es, Strukturen und Kooperationen zu schaffen. Im Lande selbst sind kompetente Einzelpersonen und Hilfsorganisationen vorhanden. Sie bedürfen aber der Schulung und des Trainings. Dr. Seidler hält es für sinnvoll, die vorhandenen, einheimischen Berufsgruppen zu trainieren, damit diese ihrerseits die notwendige psychotraumatologische Hilfe anwenden können.
Für Seidler ist es klar: Gegenwärtig steht die Wiederherstellung der Infrastruktur, der Aufbau der Häuser, die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und die Möglichkeit zu selbstverdientem Einkommen für die Betroffenen an erster Stelle. Die Kinder klagen über mangelnde Schulbücher und fehlende Schulräume. Die Betroffenen sind entweder in Lagern untergebracht, oder sie sind ins Landesinnere geflüchtet, und keiner weiß genau, wo sie dort geblieben sind.
Die Reise wurde ermöglicht durch eine großzügige Unterstützung der Medizinischen Universitätsklinik, der Medizinischen Fakultät sowie der Universität Heidelberg. Auftraggeber war das Goethe-Institut, München. "Es ging darum, festzustellen, wie die psychotraumatologische Situation der Betroffenen ist, welche Hilfsmöglichkeiten vor Ort zur Verfügung stehen und was an psychotraumatologischer Hilfe weiter benötigt wird", berichtet Seidler.
Quelle: UD
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