Europas Flüsse enorm Pestizid-belastet
Landwirtschaftliche Chemikalien belasten die Flüsse Europas enorm, werden jedoch offiziell noch kaum als ökologisches Problem eingestuft. Das berichten Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in der Zeitschrift „Science of the Total Environment". Sie untersuchten 500 organische Schadstoffe aus vier Flüssen und teilten sie erstmals systematisch nach Bewertungskriterien und Handlungsbedarf ein. Dabei zeigten sich große Lücken in den bisherigen EU-Empfehlungen für Gewässerschutz.
25.10.2011
Die UFZ-Forscher werteten dazu eine Datenbank zu Messungen aus vier großen europäischen Flüssen aus. Darunter befanden sich jene zu 500 organischen Schadstoffen in über 750.000 Wasseranalysen der Elbe, der Donau, der belgischen Schelde und des spanischen Llobregat. 38 Prozent der Chemikalien traten in Konzentrationen auf, in denen Wirkungen auf Organismen nicht mehr auszuschließen sind.
„Einige der Stoffe gibt es in allen Flüssen", berichtet von der Ohe. Zwei Drittel der nachgewiesenen Stoffe waren Agrarpestizide, darunter auch das in Deutschland und Österreich verbotene Diazinon. Daneben fanden sie die Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) und Bisphenol A (BPA), die Schmerzmittel-Inhaltsstoffe Diclofenac und Ibuprofen oder das in Desinfektionsmitteln, Seifen und Zahnpasta gebräuchliche Bakterien-Biozid Triclosan.
Als bedenklich sehen die Forscher auch die Werte des als Pilzmittel erlaubten Terbuthylazin, welches zweien der prioritär gelisteten Stoffe strukturell sehr ähnlich ist. „Das zeigt, dass kleine Änderungen in der chemischen Struktur zur scheinbaren Verbesserung des chemischen Zustandes führen, ohne dass die Gefährdung für das Ökosystem tatsächlich abnimmt", so der Experte. Die Liste der prioritären Stoffe sollte deshalb regelmäßig überarbeitet und neben dem Vorkommen auch die Wirkung chemischer Stoffe überprüft werden.
Zehntel des Zieles erreichbar
Drei Faktoren gelten als wichtigste ökologische Stressoren für Gewässer: Die Flussverbauung wie etwa durch Dämme, Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor sowie die organische Belastung. Darüber hinaus spielen aber auch diverse Chemikalien eine wichtige Rolle, so von der Ohe. „Als Gegenwirken ist ein Kläranlagen-Ausbau, der Ersatz von Problemstoffen wie etwa Weichmacher durch harmlosere Alternativen sowie Maßnahmen im Ackerbau wie etwa besseres Einhalten von Randstreifen zu Gewässern beim Düngen und Spritzen möglich." Zumindest bei bis zu einem Zehntel ihrer Wasserkörper könnten die Länder bis 2015 die EU-Vorgabe erreichen, glaubt der Experte.
Quelle: UD / pte
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