Guter Ton motiviert Mitarbeiter
Während vielen Nonprofit-Organisationen die ehrenamtlichen Helfer weglaufen, ist bei den "Deutschen Tafeln" von einer Krise nichts zu spüren: Deutschlandweit beschäftigen die rund 380 Tafeln etwa 10.000 Mitarbeiter - 90 Prozent davon ehrenamtlich. Eine Studie an der Universität Bonn hat untersucht, warum das Modell so erfolgreich ist. Ergebnis: Die flachen Hierarchien, der kooperative Führungsstil und die "Anerkennungskultur" sorgt bei den Helfern für eine extrem hohe Arbeitszufriedenheit.
18.06.2004
Rund 9.000 Ehrenamtliche zählen die Deutschen Tafeln inzwischen, so schätzt der Oekotrophologe und Wirtschaftswissenschaftler aus der Abteilung Wirtschaftssoziologie unter Leitung von Professor Dr. Thomas Kutsch. Und es werden fast täglich mehr - von der "Krise des Ehrenamtes", die andere Nonprofit-Organisationen zur Zeit beklagen, keine Spur. Um den Grund für diesen Boom herauszufinden, hat von Normann insgesamt 818 Tafelhelfer nach Motivation und Arbeitszufriedenheit befragt. Ergebnis: "Mehr als 90 Prozent gaben an, mit ihrer Tätigkeit zufrieden zu sein - ein enorm hoher Wert." Grund ist vor allem der kooperative Führungsstil der Tafelleiter und die schwach ausgeprägten Hierarchien. "Wer in den Tafeln nach einer verantwortungsvollen Aufgabe fragt, bekommt sie in der Regel auch. In vielen anderen Organisationen erledigen Ehrenamtliche eher das, was die
Hauptamtlichen nicht machen möchten." Ebenfalls vorbildlich: Tafelleiter loben gerne. "Diese Anerkennungskultur ist in den USA noch ausgeprägter - da werden sogar schon Mitarbeiter beklatscht, wenn sie drei Monate dabei sind; das ist beeindruckend", erzählt von Normann, der bei einem Forschungsaufenthalt in New York selbst bei den dortigen Tafeln mit angepackt hat.
Die meisten Tafeln in Deutschland werden von Frauen geleitet; wie überhaupt der Helferinnen-Anteil hoch ist. "Eine Mitarbeiterin sagte mir, man müsse einen Hausfrauenblick für die Lebensmittel haben, um zu sehen, welche Sachen nicht mehr gut sind, und je nach Klientel einen ausgewogenen Mix zusammenzustellen", so der Wissenschaftler. "Der hohe Frauenanteil trägt sicherlich zur guten Atmosphäre in den Tafeln bei. Frauen führen kooperativer und sprechen mehr miteinander."
Ein weiterer Pluspunkt ist das flexible Spendenmodell: Jeder gibt, was er am besten kann - der Copyshop spendet Freikopien, der Grafiker entwirft umsonst ein Logo. "Die Firma Continental hat sogar mal einen Satz Reifen pro Tafel gespendet." Dennoch: Ganz ohne Geld geht auch bei den Tafeln nichts. "In den zentralen Positionen müssen einfach feste Kräfte beschäftigt werden, damit das Ganze reibungslos läuft", erklärt Dr. von Normann. Einige Tafeln gehen daher inzwischen dazu über, ihre Nahrungsmittel nur noch gegen einen geringen Geldbetrag abzugeben. "Der Bundesverband Deutscher Tafeln hat in seinen Statuten kürzlich eine Münze pro Beutel als zulässig erklärt - also bis zu zwei Euro für Nahrung, die im Geschäft gut das zehnfache kosten würde." Dieser Schritt sei konsequent und nötig, da nur so eine größere finanzielle Sicherheit erzielt werden könne.
Quelle: UD
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