13.11.2019
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09.05.2014

Produktion

Hungerlöhne in der Sportbekleidungsproduktion

Hungerlöhne sind in Bekleidungsfabriken an der Tagesordnung. Die NäherInnen, zumeist junge Frauen, müssen oft zahllose Überstunden leisten und können dennoch die Grundbedürfnisse ihrer Familien nicht sicherstellen. Dies ist auch in der Sportbekleidungsproduktion der Fall, längst sind nicht nur Discounter und Billigmarken betroffen. In Bangladesch und Kambodscha mussten sich protestierende ArbeiterInnen in den letzten Jahren immer wieder für ihre Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen von der Staatsgewalt halb tot prügeln lassen. In Kambodscha kam es zu tödlicher Repression, als tausende NäherInnen für eine Mindestlohnerhöhung auf die Straße gingen. Ein Beitrag aus der "Werkmappe Fit For Fair".

Hungerlöhne in der Sportbekleidungsproduktion zoom

Das hoffnungsvolle Beispiel der Outdoor-Bekleidungsmarken zeigt: Veränderung ist möglich und fängt beim Willen der Hersteller an. Dort ist die Lohnfrage endlich in den Blick gerückt, was allerdings in der Praxis bislang noch nicht zu einer Steigerung der tatsächlichen Löhne geführt hat. Aber immerhin: Die Kritik wird angenommen. Dass die Marktführer im Bereich Sport (Adidas-Reebok, Nike und Puma) hier noch immer zu den Blockierern zählen, ist nicht zu rechtfertigen. Denn theoretisch wäre es für sie ein Leichtes, bessere Löhne bei ihren Zulieferern durchzusetzen, da die Branche einen großen Teil ihrer Produktion bei den gleichen Herstellern ordert und somit eine große „Einkaufsmacht“ darstellt. Stattdessen werden viele Lieferanten in Asien derart ausgepresst, dass sie einfach zu nah an der Verlustzone operieren, um den NäherInnen höhere Löhne zahlen zu können. Und warum sollten sie auch die höheren Produktionskosten durch Lohnsteigerungen alleine schultern? Adidas, Puma und Co. müssen hier eindeutig mehr Verantwortung zeigen. Schließlich geht
es um die Existenzsicherung der NäherInnen und nicht um das Zahlen eines Bonus’ oder Urlaubsgeldes.

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Einen existenzsichernden Lohn zu verdienen, um ein Leben in Würde führen zu können, ist ein zentrales Arbeits- und Menschenrecht. In den meisten Produktionsländern sind die Löhne der NäherInnen aber meilenweit von einem solchen Lohn entfernt. Die meisten Sportartikel werden in Asien produziert. Die großen Marken der Bekleidungsindustrie machen damit Millionengewinne, während die vorwiegend weiblichen NäherInnen mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Sie können von ihrem Lohn kaum leben, trotz Vollzeitstelle und Überstunden.

Die Kampagne für Saubere Kleidung orientiert sich bei ihren Forderungen an Unternehmen an der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), insbesondere die Kernarbeitsnormen und die Empfehlungen 131 und 135 sowie die allgemeine Menschenrechtserklärung (Artikel 23) sind wichtig.Danach definiert sich ein Existenzlohn wie folgt: „Löhne und Lohnzulagen für eine Standardarbeitswoche entsprechen zumindest dem gesetzlichen Mindestlohn, respektive dem industrieüblichen Lohn, decken in jedem Fall die Grundbedürfnisse der ArbeiterIn und ihrer Familie und lassen darüber hinaus ein frei verfügbares Einkommen.“

Das bedeutet im Detail, dass der Lohn...
• in einer Standardarbeitswoche von max. 48 Stunden erwirtschaftet wird.
• dem Netto-Grundlohn für eine Standardarbeitswoche entspricht, also keine Lohnzuschläge oder Spesenvergütungen beinhaltet.
• die Grundbedürfnisse einer Familie in der Größe von zwei Erwachsenen und zwei Kindern deckt.
• ein freiverfügbares Einkommen übrig lässt, das mindestens 10 Prozent des Geldbedarfs zur Deckung der Grundbedürfnisse entspricht.

Lohnkostenanteil an Markenprodukten
70 € Ladenpreis, 2,20 € Arbeitslohn = 3% des Ladenpreises!
70 € Ladenpreis, 2,20 € Arbeitslohn = 3% des Ladenpreises!

Das Beispiel Chuck Taylor (Canvas Schuhe) der Nike-Marke Converse

In der Fabrik PT Amara in der Nähe der indonesischen Hauptstadt Jakarta stellen 970 ArbeiterInnen 400 Paar Chucks pro Stunde her. In einer Minute entstehen 6 bis 7 Paar neue Schuhe. Mit dem Schneiden, Nähen, Anpassen und Annähen der Markenzeichen sind dafür insgesamt 434 ArbeiterInnen gleichzeitig beschäftigt. An den Sohlen arbeiten 536 ArbeiterInnen.

Der monatliche Mindestlohn (42 Stunden pro Woche), den eine ArbeiterIn in der Provinz Jakarta verdient, beträgt aktuell ca. 152 Euro. Ein Paar Canvas Schuhe kostet in Deutschland ungefähr 70 Euro, also fast die Hälfte eines gesamten Monatslohns einer ArbeiterIn. Aus den Daten der indonesischen Gewerkschaft Garteks Sbsi errechnet sich, dass eine NäherIn gerade einmal 2,20 Euro an einem Paar Schuhe verdient. Das sind 3 Prozent Lohnkosten pro Paar Schuhe!

Dieser Beitrag enstammt der "Werkmappe Fit For Fair"

Quelle: UD/pm
 

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