18.03.2019

18.10.2018

Mobilität

Im digitalen Windschatten

Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren – auf der IAA 2018 zeigt Nutzfahrzeughersteller MAN, was mit der Technologie von morgen bereits heute möglich ist. Neben digitalen Services ist „Platooning“ dabei das Konzept, das revolutionäres Potenzial für den Logistikverkehr auf den Autobahnen birgt.

Im digitalen Windschatten

Zehn Meter sind eine kurze Strecke. Wer schon einmal vom Zehner gesprungen ist, weiß, wie rasant die Beschleunigung im Fall diese Distanz schrumpfen lässt. Was von oben noch so weit erscheint, verdichtet sich in Sekundenbruchteilen zu einem Augenblick. Ein Augenblick, der vom Aufprall auf das Wasser trennt. Geht es nach dem Nutzfahrzeughersteller MAN, ist es genau dieser Augenblick, der künftig zwischen zwei fahrenden Lkw auf der Autobahn liegen soll: zehn Meter.

Zum Vergleich: Derzeit ist ab 50 Stundenkilometern ein Mindestabstand von 50 Metern auf deutschen Autobahnen für alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen geboten. Weil es eben mehr braucht als einen Augenblick, um im Falle des Falles zu reagieren und das schwere Gefährt samt Fracht abzubremsen. „Platooning“ heißt das Konzept, dass diesen Mindestabstand bald obsolet machen soll. Dabei verbindet eine elektronische Deichsel zwei oder mehr Fahrzeuge, die in einer Kolonne fahren. Das führende Fahrzeug gibt Geschwindigkeit und Richtung vor; alle nachfolgenden Fahrzeuge kommunizieren digital über die Deichsel und passen sich der Geschwindigkeit und Richtung an. Dank der digitalen Kommunikation geschieht das schneller, als jeder menschliche Fahrer reagieren könnte. In nur fünf Millisekunden erkennt und verarbeitet das System Bremsimpulse des führenden Fahrzeugs. „Die Technologie hat das Potenzial, die Zahl schwerer Auffahrunfälle auf der Autobahn deutlich zu reduzieren“, sagt Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands von MAN, auf der IAA.

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Sicherheit ist aber nur ein Teilaspekt des Platooning. Durch die geringe Distanz profitieren Lkw vom Windschatten des Fahrzeuges, dem sie folgen. Dank des verringerten Luftwiderstandes wird bis zu zehn Prozent an Kraftstoff eingespart. Seit Juni sind bereits gekoppelte Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs: Die Kooperationspartner DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius haben erfolgreich zwei digital vernetzte Lkw in den Praxiseinsatz auf die A9 geschickt. Erst ohne, mittlerweile auch mit Ladung.

Streitpunkt Platooning

Platooning klingt plausibel, aber nicht alle Verkehrsexperten sind gleichermaßen begeistert. Die neue Technologie wird nicht nur positiv aufgenommen. In der Süddeutschen Zeitung äußern etwa die Automobilklubs ADAC und AvD Sicherheitsbedenken. Lange Lkw-Kolonnen könnten nämlich die Ein- und Ausfahrt auf die Autobahnen behindern. Auch sei fraglich, ob der Verschleiß an der Infrastruktur durch das höhere Verkehrsaufkommen kompensiert werden könne. Der Lobbyverband „Allianz Pro Schiene“ wiederum bemerkt spitz: Platooning gebe es bereits – bei der deutschen Bahn. Deshalb sei aus ihrer Sicht der Ausbau und die Elektrifizierung des Streckennetzes sinnvoller.

Kommunikative Fahrzeuge

Digitale Kommunikation und Vernetzung von Fahrzeugen ist für MAN aber auch abseits des Platooning ein Thema. Die neue Sparte „MAN DigitalServices“ bietet hier mit der cloudbasierten Plattform RIO verschiedene Anwendungen an. Seit 2016 entwickeln die Münchner RIO kontinuierlich weiter, so dass das System mittlerweile auch in Fahrzeugen anderer Marken Verwendung findet. In allen neuen MAN-Lkw der Euro-6-Baureihe wird die RIO-Box serienmäßig verbaut. Besitzer können damit die digitalen Grundfunktionen kostenlos nutzen. Dazu zählen: Die Darstellung des aktuellen Standortes auf der digitalen Landkarte, aktuelle Geschwindigkeit, Kilometerstand, Betriebsdauer, Durchschnittsgeschwindigkeit- und Gewicht sowie Analysen zum Kraftstoffverbrauch. Die Erweiterung „Advance“ analysiert bei Bedarf zusätzliche Daten. Zugriff auf Erweiterungen erhält der Nutzer über einen Onlineshop, den MAN Marketplace.

Der Lion’s City E
Der Lion’s City E

Highlights der IAA

Einen Höhepunkt der Messe stellte Joachim Drees‘ Präsentation des „CitE“ dar. Die Münchner entwickelten den komplett elektrisch angetriebenen 15-Tonner in 18 Monaten. Der Truck ist vor allem für den Einsatz in Städten, und damit dem innerstädtischen Verteilungsverkehr, konzipiert. „Der CitE ist mehr als ein Fahrzeugkonzept. Er ist unsere Antwort auf die Anforderungen des Gütertransports in der Stadt“, erklärt Drees. Mit dem ergonomisch angepassten Cockpit und einem 360-Grad-Kamerasystem bieten die Münchner Lösungen für tote Winkel und die besonderen Herausforderungen urbaner Ballungszentren.

In den Personennahverkehr hält der Elektroantrieb ebenfalls Einzug. Mit dem Lion’s City E präsentierte MAN einen seriennahen Elektrobus-Prototypen. Der Lion’s City E wird durch einen Zentralmotor an der Achse angetrieben. Der so gewonnene Platz im Heck ermöglicht vier zusätzliche Sitzplätze gegenüber Bussen mit Verbrennungsmotor im Heckbereich. Die Batterien finden ihren Platz auf dem Dach. Sie bieten Strom für bis zu 270 Kilometer Reichweite und können in drei Stunden aufgeladen werden.

Der auf der IAA präsentierte Prototyp geht einer Demoflotte von Elektrobussen voraus, die 2020 in verschiedenen europäischen Städten im Alltagseinsatz erprobt werden sollen, um die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge für den ÖPNV zu optimieren. Erst danach steht die Serienproduktion an. Suchen Kommunen Ad hoc-Lösungen, um ihre Fahrzeugflotten zu elektrifizieren, müssen sie sich im Moment noch im Ausland umschauen. Trotz des nur langsamen Umstiegs auf E-Mobile ist Joachim Drees überzeugt: „Für uns steht fest – die Zukunft des Waren- und Personenverkehrs in der Stadt ist elektrisch.“

Quelle: UmweltDialog
 

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