21.01.2019

08.11.2018

Mobilität

Geladen und gesichert

Mit dem „e-tron“ hat der deutsche Automobilhersteller Audi jetzt sein erstes vollelektrisch betriebenes Serienmodell präsentiert. Das als SUV konzipierte Fahrzeug wurde bei einer Präsentation unter dem Motto „The Charge“ in San Francisco vorgestellt. Der e-tron eröffnet damit die strategische Wende in der Produktpalette der Ingolstädter, die mit weiteren E-Mobilen dem Luxusanbieter Tesla die Marktführerschaft streitig machen wollen.

Geladen und gesichert
Der e-tron

Der häufig bemühte Begriff der Offensive wirkt hier im doppelten Sinne: Mit dem Motto „The Charge“ steht einerseits die Elektrizität, andererseits aber auch die martialische Bedeutung des Ausdrucks im Fokus: der Sturmangriff. Derzeit fährt Tesla seinen Konkurrenten hinsichtlich der Verkaufszahlen immer noch davon, trotz Lieferengpässen und trotz jüngster Querelen um Elon Musk. Aktuell überholten die Kalifornier mit dem Model 3 in den USA sogar die Mercedes C-Klasse, wie das Portal Finanznachrichten berichtet. Der Sturmangriff kommt also keinen Moment zu früh. Auch im Hinblick auf das ramponierte Image, das der Dieselbetrug und Ex-Chef Stadler hinterlassen haben.

Auf den ersten Blick fällt auf: Obwohl der e-tron Audis elektrische Zukunft einläuten soll, wirkt er im Design erstaunlich konservativ und erinnert stark an die Q-Modelle. Als futuristisches Alleinstellungsmerkmal muten einzig die virtuellen Außenspiegel an. Das E-SUV ist das erste Modell in Serienfertigung, das (optional) über Kameras anstelle von Außenspiegeln verfügt. Touchdisplays in den Türen zeigen, was die Kameras filmen. Das erschließt den toten Winkel und bietet Vorteile in der Aerodynamik, wodurch die Auswirkungen des Gewichtes auf Verbrauch und Leistungen verringert werden.

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Die Konkurrenz im Vergleich

79.900 Euro kostet der e-tron und reiht sich damit preislich ein zwischen seine direkten SUV-Konkurrenten Mercedes EQC, BMW iX3, Jaguar I-Pace und das Tesla Model X, für die technikbegeisterte Autofahrer zwischen 73.000 Euro bis 95.830 Euro ausgeben müssen. Bei der für Elektromobile so wichtigen Reichweite gleichen sich die Zahlen an: Sowohl der Tesla als auch die Konkurrenzmodelle aus Deutschland und Britannien können nach Herstellerangaben mit einer Akkuladung zwischen 400 bis 500 Kilometer zurücklegen; Allerdings haben Audi (400 Kilometer) und Jaguar (480 Kilometer) nach den strengeren WLTP-Kriterien getestet; Mercedes (450 Kilometer) und Tesla (417 Kilometer) wählten die NEFZ-Norm, deren Testergebnisse mit mehr Optimismus betrachtet werden sollten, berichtet der Focus.

Und wenn der Saft ausgeht?

Letztendlich nutzt der größte Akku nichts, wenn die Lade-Infrastruktur den Autofahrern keine Flexibilität im Fahrverhalten ermöglicht. Hier hat Tesla nach wie vor die Nase vorn: Die Kalifornier boten mit dem weit verzweigten Netz von Super-Charger-Ladestationen ihren Kunden lange Zeit kostenlos Strom an. Mittlerweile gibt es für Neukunden die Energie nicht mehr umsonst, aber stark vergünstigt. Die Flexibilität gegenüber den deutschen Anbietern bleibt. Die bauen gerade erst ihr Netz aus High-Power-Charging-Stationen (HPC) aus.

Die Lieferkette auf dem Prüfstand

E-Fahrzeuge gelten als wichtigste Lösung, um Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Ökologisch sinnvoll sind die E-Mobile aber erst dann, wenn sie mit grünem Strom fahren. Eine Studie des ADAC vom März 2018 fand nur einen geringen Unterschied im CO2-Ausstoß zwischen Benzinern und E-Mobilen, sofern der Strom für den Antrieb aus einem Strommix und nicht rein regenerativ bezogen wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Das zunehmende Gewicht der E-Autos, beispielsweise durch schwere Akkus, muss ausgeglichen werden. Leichtbauwerkstoffe wie Aluminium, das für seine Herstellung sehr viel Energie benötigt, werden deshalb im Zuge der voranschreitenden Elektrifizierung für die Automobilbranche immer wichtiger. Als erster Automobilhersteller sicherte Audi sich deshalb das „Performance Standard“-Zertifikat der Aluminium Stewardship Initiative (ASI). Mit dem Zertifikat bescheinigt die ASI, dass Audi die Aluminium-Komponenten des Batteriegehäuses im e-tron gemäß ASI-Anforderungen nachhaltig herstellt und montiert. Zu den Kriterien zählt beispielsweise, ob ein Unternehmen ressourcenschonend mit Material umgeht, Lebenszyklusanalysen der Produkte erstellt oder bei der Konstruktion seines Produkts bereits die spätere Reparatur- und Recyclingfähigkeit berücksichtigt.

Der Innenraum des e-tron.
Der Innenraum des e-tron.

Audi nimmt auch über Aluminium hinaus die eigene Lieferkette in den Blick. Das Unternehmen hat hierzu ein eigenes Nachhaltigkeits-Rating entwickelt, das die Lieferanten in den Fokus rückt. Seit April 2017 haben die Ingolstädter mehr als 600 Partner an ihren Produktionsstandorten überprüft. Gemäß der aktuellen Strategie stehen derzeit insbesondere diejenigen Lieferanten im Mittelpunkt, die Teile für den Bau des e-tron liefern. Ab Herbst 2019 soll das Nachhaltigkeits-Rating ausschlaggebend sein bei der Auftragsvergabe an Zulieferer. „Das zeigt, wie viel Wert wir bei Audi auf eine nachhaltige Lieferkette legen“, sagt Dr. Bernd Martens, Audi-Vorstand für Beschaffung und IT. „Wir sind überzeugt, dass unternehmerische Verantwortung ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und wollen nur mit Partnern zusammenarbeiten, die genauso denken und handeln.“

Neue Kraft aus alten Zellen

Etappenziel erreicht: Audi und  der Materialtechnologiekonzern Umicore haben Phase eins ihrer strategischen Forschungs-Kooperation für Batterie-Recycling erfolgreich abgeschlossen. Die beiden Partner entwickeln einen geschlossenen Kreislauf für Bestandteile von Hochvoltbatterien, die dadurch immer wieder von neuem nutzbar sind. Besonders wertvolle Materialien sollen von einer Rohstoffbank abrufbar sein.

Bereits vor dem Start der Zusam­menarbeit mit Umicore im Juni 2018 hatte Audi die Batterien im Plug-in-Hybrid-Auto A3 e-tron analysiert und Wege für ein Recycling definiert. Gemeinsam mit den Materialtechnologie-Experten bestimmte der Automobilhersteller anschließend die möglichen Recycling-Quoten für Batteriebestandteile wie Cobalt, Nickel und Kupfer. Das Ergebnis: Mehr als 95 Prozent dieser Elemente lassen sich im Labortest wiedergewinnen und neu einsetzen.

Jetzt entwickeln die Partner konkrete Recycling-Konzepte. Im Mittelpunkt steht der sogenannte Closed-Loop-Ansatz. In einem solchen geschlossenen Kreislauf fließen wertvolle Elemente aus Batterien am Ende ihres Lebenszyklus in neue Produkte ein und werden somit weiter genutzt.

Vorreiter im Recycling

Diesen Ansatz wenden die Ingolstädter jetzt auf die Hochvoltbatterien im e-tron an. So sollen Erkenntnisse über den Reinheitsgrad der wieder­gewonnenen Stoffe, zur Recycling-Quote und der wirtschaftlichen Machbarkeit von Konzepten wie einer Rohstoffbank gewonnen werden. Versorgungssicherheit und kürzere Wege sind das Ziel. „Wir wollen Vorreiter sein und Recyclingverfahren vorantreiben. Das ist auch Baustein unseres Programms zur CO2-Reduktion in der Beschaffung“, sagt Bernd Martens, Vorstand Beschaffung und IT bei Audi.

Quelle: UmweltDialog
 

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