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Wirtschaftsprüfungsmarkt: Ganzheitlicher Reformansatz ist unverzichtbar

Die umfassende Neugestaltung des stark konzentrierten Wirtschaftsprüfungsmarktes erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise. Um Marktvielfalt, Prüfungsqualität und Finanzstabilität zu gewährleisten, bedarf es des Vier-Augen-Prinzips, das durch effiziente Maßnahmen begleitet wird. Dabei spielt die verantwortungsvolle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Prüfungsgesellschaften und dem Staat eine entscheidende Rolle. Dies geht aus einer aktuellen Studie von DCE und Mazars hervor.

13.02.2024

Wirtschaftsprüfungsmarkt: Ganzheitlicher Reformansatz ist unverzichtbar

Die Studie „Reformoptionen für die Wirtschaftsprüfung“ wurde von der Düsseldorf Competition Economics GmbH (DCE) im Auftrag von Mazars in Deutschland durchgeführt und am 18. Januar veröffentlicht.

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Funktionsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsprüfungsmarkts ist eingeschränkt

Es ist offensichtlich geworden, dass der Prüfungsmarkt, insbesondere im Bereich der Unternehmen von öffentlichem Interesse (Public Interest Entities, PIEs), dringend reformiert werden muss. Dies wurde spätestens durch den Bilanzskandal der Wirecard AG und die Veröffentlichung der Vorgängerstudie „Funktionsdefizite auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt“ im Jahr 2022 bestätigt. Die aktuelle Nachfolgestudie untersucht nun verschiedene Prüfungsmodelle hinsichtlich ihres Beitrags zu mehr Wettbewerb, Anbietervielfalt, Prüfungsqualität und Finanzstabilität – und zu welchem Preis diese Verbesserungen erreicht werden können.

CSRD und die zunehmende Marktkonzentration

„Das Aufbrechen bestehender Strukturen auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt kann nur mit einem neuen, ganzheitlichen Marktdesign gelingen, das die Dreierkonstellation Unternehmen-Wirtschaftsprüfer-Staat einschließt und um das Vier-Augen-Prinzip herum aufgebaut ist“, erklärt DCE-Partner Prof. Dr. Justus Haucap, der die Studie federführend durchgeführt hat. Um dem öffentlichen Interesse an Finanzstabilität nachkommen zu können, sind neben obligatorischen Gemeinschaftsprüfungen, die Ausgestaltung wettbewerbsfähiger Haftungsregelungen sowie weitere unterstützende Maßnahmen erforderlich. Dabei müssen die Wechselwirkungen mit dem Regelwerk zur Nachhaltigkeitsberichterstattung berücksichtigt werden.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis: Der deutsche Markt für Wirtschaftsprüfung ist in seiner Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Obwohl viele Maßnahmen des im Mai 2021 vom Bundestag verabschiedeten Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetzes (FISG) wie eine strengere Regelung zur Rotation der Prüfer und die klare Trennung von Prüfung und Beratungsleistungen sinnvoll sind, begrenzen sie dennoch die Auswahlmöglichkeiten der Unternehmen und somit den Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusätzlich. Dies gilt auch für die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Prof. Dr. Haucap erläutert: „Zwar erhöht die CSRD die Transparenz und Konsistenz der Nachhaltigkeitsinformationen entlang der finanziellen Wertschöpfungskette, doch hat sie auch unmittelbaren Einfluss auf die Wettbewerbssituation auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt. Denn sollte Deutschland auf die Anwendung der sogenannten Öffnungsklausel verzichten, hätte dies eine weitere Verschärfung der Marktkonzentration zur Folge. So sinnvoll es sein mag, dass der Prüfer der finanziellen auch die nichtfinanzielle Berichterstattung prüft, droht ohne eine vorgelagerte umfassende Reform des Wirtschaftsprüfungsmarkts eine Verdrängung der kleinen und mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.“

Mehr Wettbewerb und Qualität durch das Choice & Quality Framework 

Dr. Christoph Regierer, Sprecher des Management Boards von Mazars in Deutschland, betont die Notwendigkeit eines neuen Marktdesigns: „Die Politik muss handeln, um der Konzentration auf dem Prüfungsmarkt durch wirkungsvolle Maßnahmen entgegenzuwirken. Dies ist im Interesse von Unternehmen, Anleger*innen und der Öffentlichkeit, die durch Auswirkungen auf die Finanzstabilität direkt betroffen sind. Mit dem Choice & Quality Framework schlagen die Studienautor*innen ein zielführendes Rahmenwerk für mehr Wettbewerbsintensität, Auswahl und Qualität in der Prüfung vor. Kern einer Marktreform muss das Vier-Augen-Prinzip sein.“

Das Choice & Quality Framework sieht eine doppelte Qualitätsprüfung durch zwei verschiedene Prüfungsgesellschaften vor. Zudem beinhaltet es Haftungsregelungen, die mit dem Wettbewerb vereinbar sind. Das Rahmenwerk wird außerdem von zusätzlichen Maßnahmen begleitet, die die Wechselwirkung mit dem Regelwerk der CSRD, die Anpassung internationaler Prüfungsstandards in Bezug auf Gemeinschaftsprüfungen sowie Regeln für Markttransparenz berücksichtigen. Dabei werden sowohl nachfrageseitige Interessen an Marktvielfalt und Qualität als auch angebotsseitige Interessen an Planungssicherheit und Abbau von Markteintrittsbarrieren mit einbezogen. Dadurch kann das Choice & Quality Framework die Effizienzvorteile des Prüfungsmarktes heben. Darüber hinaus würde es sicherstellen, dass Marktergebnisse, die auf Entscheidungen privater Unternehmen beruhen, dem öffentlichen Interesse und der Finanzstabilität entsprechen.

Über die Studie

Am 18. Januar 2024 wurde im Rahmen einer hybriden Live-Veranstaltung die Studie „Reformoptionen für die Wirtschaftsprüfung“ vorgestellt. An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Prof. Dr. Justus Haucap und Dr. Christoph Regierer Dr. Annette Messemer (u.a. Société Générale, Vinci), Katharina Beck MdB (Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag), Sebastian Brehm MdB (CSU, Mitglied des Finanzausschusses im Bundestag) und Jella Benner-Heinacher (u.a. Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Better Finance) teil. Der Studienbericht kann hier heruntergeladen werden.

Quelle: UD/cp
 

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