Innovation & Forschung

Nachhaltigkeit für marine Räume

Die Forschungsmission „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume" der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) untersucht Auswirkungen von Nutzung und Wirkung von Schutzkonzepten für Meer und Küste. Zwei Pilotvorhaben und fünf Verbundprojekte untersuchen die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Belastung an Nord- und Ostsee. Das Ziel: Handlungsoptionen für Nutzer und Entscheider identifizieren.

15.02.2022

Nachhaltigkeit für marine Räume zoom
Küsten und Meere müssen sich von der menschlichen Nutzung erholen.

Meere und Küsten liefern Nahrung, Energie und Rohstoffe. Sie sind Urlaubsziele und Transportwege und dabei aber auch wichtige und einzigartige Naturräume. „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ heißt die zweite Forschungsmission der DAM, die im Dezember 2021 gestartet ist um Handlungswissen für eine am Gemeinwohl orientierte, den Wohlstand sichernde und umweltschonende Nutzung von Meeres- und Küstengebieten zu schaffen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die langfristig angelegte Mission mit rund 25 Millionen Euro über einen ersten Zeitraum von drei Jahren.

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Handlungswissen bereitstellen

Klimawandel und die menschengemachte Verschmutzung und Übernutzung der Ökosysteme schaffen zunehmend Probleme für Meere und Küsten. Die Mission will Nutzung und Belastung mariner Räume so analysieren und einordnen, dass eine wissenschaftlich fundierte Basis geschaffen wird für Entscheidungen von Politik, Behörden und Wirtschaft. Dabei wird ein breit angelegter transdisziplinärer Forschungsansatz gewählt, um damit eben diese Akteure und die breite Öffentlichkeit anzusprechen.

CoastalFutures

Das Projekt CoastalFutures – „Zukunftsszenarien zur Förderung einer nachhaltigen Nutzung mariner Räume“ ist eines von sieben Projekten der Mission. Es wird vom Hereon koordiniert und vom BMBF mit 5,5 Millionen Euro gefördert. Mit seinem Blick in die Zukunft ist es ein wichtiger Baustein der Mission. „Die Nutzung der Meere und Küsten wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten enorm intensivieren, auch durch Maßnahmen zur Anpassung und Vermeidung von Klimaänderung. Die Folgen dieser gesellschaftlich gewollten Entwicklung abzuschätzen und wirkungsvolle Schutzkonzepte für diese veränderten Bedingungen zu schaffen ist unser Ziel.“, sagt Professor Corinna Schrum, Leiterin des Instituts für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon und Sprecherin der Mission.

Innovatives Instrument zur Unterstützung bei Entscheidungen

Ein zentrales Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines skalenübergreifenden Modellsystems für Nord- und Ostsee und ihrer Küstengebieten. Damit wird eine virtuelle-Umgebung geschaffen, in der Auswirkungen von Klima und menschlicher Nutzung auf Ökosysteme untersucht und nachhaltige Schutzkonzepte getestet werden können. Zusammen mit Partnern aus dem maritimen Management, Interessenvertretern der Industrie und Nichtregierungsorganisationen werden Zukunftsszenarien entworfen und simuliert. Die Entwicklung von Szenarien erfordert dabei ein vertieftes Verständnis der gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Zusammenhänge und eine regionale Kontextualisierung. Dazu gehört die individuelle Wahrnehmung von Problemen, Überzeugungen und Einstellungen von Interessengruppen sowie die Berücksichtigung von Konflikten und Kompromissmöglichkeiten. Zusammen mit Entscheidern werden in einem Ansatz der Teilhabe effektive Möglichkeiten zum Schutz und zum Management entwickelt und bewertet.

Transdisziplinär werden Ursache-Wirkungs-Ketten und grundlegende Wissensbedarfe festgestellt. Mit verschiedenen Interessenvertretern werden sektorale und sektorübergreifende Szenarien entwickelt und simuliert. Anschließend wird mit den beteiligten Akteuren ein Dialog über die Bewertung der Ergebnisse der Szenarienmodellierung, auftretende Risiken sowie neue institutionelle und regulatorische Anforderungen angestoßen.

CoastalFutures konzentriert sich dabei auf vier Managementsektoren:

  1. Offshore-Energieerzeugung,
  2. Fischerei, 
  3. Küstenschutz und Sandmanagement
  4. sowie Nährstoff- und Schadstoffeinträge. 

Neben den Modellierungen auf Basis von Szenarien des Klimawandels, Wetterdaten und etwa auch Daten zu Nahrungsnetzen in den Meeren und am Meeresboden, wird Feldforschung betrieben um kritische Wissenslücken zu schließen. Im Projekt werden neben naturwissenschaftlichen auch soziale und politische Aspekte bearbeitet. Sozialwissenschaftler des Instituts befragen zum Beispiel Fischer zu deren Nutzungsverhalten und Bedürfnissen.

Transdisziplinäres Team und Nachwuchsförderung

„Wir werden durch einen transdisziplinären Forschungsansatz wirkungsvolle Managementoptionen identifizieren“, sagt Corinna Schrum. Rund 15 Forschende des Hereons sind in das Projekt eingebunden, weitere 50 bei den Projektpartnern. Diese bringen eine breite wissenschaftliche Expertise ein. Sie umfasst die Bereiche regionale Erdsystemmodellierung und Klimaszenarien, Biogeochemie und Nahrungsnetze, Meeres- und Küsteningenieurwesen, Hydro- und Morphodynamik, sozialwissenschaftliche, ökonomische und administrativ-rechtliche Expertise und Erfahrung in der Interaktion mit Interessenvertretern und Politikberatung. Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist dabei auch die Nachwuchsförderung: CoastalFutures wird zahlreiche Post-Doktoranden und Postdoktorandinnen, Promovierende und Studierende im Rahmen von Abschlussarbeiten beschäftigen. Durch die transdisziplinäre Ausrichtung des Vorhabens werden die Nachwuchswissenschaftler in komplementären Denk- und Arbeitsweisen ausgebildet.

Insgesamt sind zehn Projektpartner und fünf Assoziierte Partner an CoastalFutures beteiligt. Neben dem Hereon sind dies das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, die Universität Kiel, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Hamburg, das Thünen-Institut, die Leibniz Universität Hannover, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, das Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und die Technische Universität Hamburg. Assoziierte Partner sind das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, der Deutsche Wetterdienst, die Bundesanstalt für Wasserbau, das Bundesamt für Naturschutz und die SWIMWAY Wattenmeer-Gruppe.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle: UD/fo
 

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