24.07.2019
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05.11.2009

Textilien

Otto zeigt CO2-Fußabdruck für Textilien

Drei Viertel aller vom Menschen verursachten Treibhausgase entstehen durch den Konsum. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Manchester. Mohan Munasinghe vom Weltklimarat IPCCC fordert daher Unternehmen und Regierungen auf, die Verbraucher bei einem emissionsarmen Konsum- und Nutzungsverhalten zu unterstützen. Mit der Ermittlung des CO2 Fußabdrucks dreier Textilien zeigte Systain Consulting im Auftrag der Otto Group ein Beispiel zur Umsetzung.

Foto: Marion Book
Foto: Marion Book
Barrieren, die einer „grünen Revolution des Konsums“ im Weg stehen, müssten beseitigt werden betont Mohan Munasinghe im Rahmen der aktuellen Studie „Consumers, Business and Climate Change“ der Universität Manchester. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Konsumenten zum Handeln bereit wären, sich aber Hindernissen gegenüber sähen, führt er fort. Als eines der zentralen Hindernisse identifiziert er die mangelnde Information des Verbrauchers. Ein international einheitlicher Standard zu CO2-Bilanzierung von Waren und Dienstleistungen könnte helfen, einige Barrieren abzubauen. Als eine Aufgabe von Unternehmen beschreibt die Manchester Studie daher die Identifikation sogenannter „Emissions-Hot-Spots“ im Produktkreislauf und die Erstellung eines genauen CO2-Fußabdrucks von Waren und Dienstleistungen. Damit könnten Unternehmen nicht nur feststellen, an welchen Stationen der Wertschöpfungskette sie selbst Möglichkeiten zur CO2-Reduktion haben, sie böten den Konsumenten außerdem Informationen, die für ein CO2-armes Konsum- und Nutzungsverhalten wichtig sind. Ein Beispiel, wie ein solcher CO2-Fußabdruck zu konkreten Handlungsempfehlungen für ein emissionsreduziertes Verhalten von Konsumenten führen kann, zeigt die Otto Group.

220 Gramm Textil, 11 kg CO2

Das Hamburger Handelshaus beauftragte die Beratungsfirma Systain Consulting damit, für drei verschiedene Kleidungsstücke genaue CO2-Fußabdrücke zu erstellen. Das Ergebnis: Ein langärmeliges, weißes Damen Longshirt verursacht im Laufe seines „Lebens“ beispielsweise einen CO2-Ausstoß von etwa 11 kg, das 50-fache des Eigengewichts. Die Untersuchung von Otto zeigt weiter, dass der größte Anteil an den Emissionen, trotz einer zurückgelegten Distanz von 35.000 km, nicht etwa in den weiten Transportwegen, sondern in der Herstellungs- und in der Gebrauchsphase liegt. Mit 3 kg CO2-Ausstoß ist der Herstellungsprozess der zweitgrößte „Emissions-Hot-Spot“ des Textils, er macht etwa 28 Prozent der gesamten Klimabelastung des Kleidungsstückes aus. Großes Potential zur Steigerung der Energieeffizienz ermittelt die Studie in den Abläufen der Näherei. Die Emissionswerte seien dort ungewöhnlich hoch. „Knapp 600 Gramm der 880 Gramm CO2 gehen in der Konfektion auf das abschließende Bügeln“, so die Studie.

Trockner und Bügeleisen erhöhen die CO2-Emissionen enorm

Der höchste Anteil an den Emissionen des Longshirts entfällt mit 31 Prozent und 3,3 kg CO2 auf die Gebrauchsphase, also auf das Verhalten des Konsumenten. Würde das Kleidungsstück nach jedem Waschgang in den Trockner gesteckt und anschließend gebügelt, verdreifache sich der CO2-Fußabdruck in der Gebrauchsphase sogar, betont der Bericht. Hier könnten für einige Konsumenten enorme Einsparpotenziale liegen. „Wir haben in der Studie für die Gebrauchsphase angenommen, dass die Textilien 55mal gewaschen werden“, sagt Projektleiter Norbert Jungmichel von Systain Consulting. Trockner und Bügeleisen wurden entsprechend der durchschnittlichen Nutzungsquote in Deutschland eingerechnet. Neben deren gemäßigten Einsatz wirke sich auch das Waschverhalten auf den CO2 Fußabdruck aus. „Allein die Wahl der Waschtemperatur verändert die Bilanz deutlich. Wer mit 40 statt 60 Grad wäscht, reduziert die Emissionen um 45 Prozent. Ebenso verursacht eine energieeffiziente Waschmaschine der Kategorie A++ etwa ein Drittel weniger CO2 als ein Durchschnittsgerät“, erläutert Jungmichel.

Einfluss der Kunden im Textilbereich bei Baumwollprodukten am höchsten

Neben dem Longshirt wurden außerdem eine Damensweatjacke aus Baumwolle und eine Kinderstrickjacke aus Acrylfaser getestet; beide verbrauchen insgesamt gut 13 kg CO2. Bei der Acrylfaserjacke entfällt ein Großteil des Emissionsausstoßes auf die künstliche Herstellung des Rohstoffes, also der Kunstfaser. Bei der Damensweatjacke aus Baumwolle ergeben sich die gleichen „Emissions-Hot-Spots“ wie bei dem Longshirt. Dies zeigt, dass vor allem bei Baumwollprodukten der Einfluss der Kunden auf die CO2-Bilanz groß ist. Bei anderen Produkten kann der Kunde wesentlich weniger direkten Einfluss nehmen, dies zeigt auch die aktuelle Studie „Consumers, Business and climate change“. Für Orangensaft wird dort der CO2-Ausstoß beim Konsumenten beispielsweise nur auf ein Prozent beziffert, der „Emissions-Hot-Spot“ liegt hier mit 47 Prozent eindeutig bei Transport und Distribution, gefolgt von der Rohstoffproduktion. Der Konsument kann bei diesem Produkt beispielsweise nur indirekt durch die eigenen Kaufentscheidungen Einfluss nehmen. Und damit die Unternehmen zwingen, Produkte mit geringerem CO2-Verbrauch anzubieten.

CO2 Fußabdruck auch für Unternehmen und Politik relevant

„In den Bereichen Gebäude-Management und Transport haben wir bereits zahlreiche Maßnahmen identifiziert, um die Klimabelastungen zu verringern. Der Carbon-Footprint schafft nun Transparenz über die CO2-Emmissionen, die durch die Produktion und den Gebrauch von Textilien entstehen“, so Andreas Streubig, Leiter Umwelt- und Gesellschaftspolitik bei der Otto-Group. „Daraus können wir langfristig weitere Handlungsfelder ableiten“, erklärt er die Intention von Otto. Systain betont, dass dieses für die Otto Group durchgeführte Projekt neben den konkreten Hinweisen für Verbraucher, Zulieferern und Unternehmen gleichermaßen als Praxisinput für die Diskussion um einen international einheitlichen Standard zur CO2-Bilanzierung für Waren und Dienstleistungen diene. Eine einheitliche Ausweisung produkt- und konsumbezogener Treibhausgasemissionen sei schließlich für Klimaverhandlungen nicht uninteressant, ergänzt die Studie aus Manchester. Der Gedanke: In den aktuellen Emissionsstatistiken werden Emissionen den Ländern zu geteilt, in denen sie tatsächlich entstehen. Würden die Emissionen aber den Ländern zugerechnet, in denen die hergestellten Güter und Dienstleistungen konsumiert werden, zeigen sich erstaunliche Ergebnisse: „Fast ein Fünftel der chinesischen Emissionen werden im Auftrag anderer Länder produziert. Umgekehrt würden die Ausstöße der USA um acht Prozent höher sein, wenn man den Konsum berücksichtigt“, so Munasinghe. Mit einem solchen Ergebnis „rücken künftig automatisch Konsumenten und Konsumverhalten ins Zentrum der Klimaanstrengungen“.
Quelle: UD
 

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