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30.05.2014

Dr. Theo Zwanziger - Grußwort

Fußball kann wie kein anderer ‚Botschafter‘ in unserer Gesellschaft vermitteln, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Die weltweite Begeisterung für unseren Sport versetzt uns zusätzlich in die Lage, wirtschaftliche, soziale, ökologische und kulturelle Maßnahmen auf finanziell hohem Niveau zu unterstützen. Die kommerzielle Seite des Profifußballs und unsere Gemeinnützigkeit sind kein Widerspruch – sie bedingen einander. Fußball begeistert, quer durch alle Schichten und Kulturen, jung wie alt, er weckt Emotionen, verbindet und vereint.

Dr. Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 Präsident des DFB und ist heute Mitglied des UEFA und FIFA-Exekutivkomitees.
Dr. Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 Präsident des DFB und ist heute Mitglied des UEFA und FIFA-Exekutivkomitees.

Bei all meinen Erfahrungen mit der Welt des Fußballs und ihren Persönlichkeiten hat mich oft die Frage beschäftigt, welche Rolle der Fußball in unserer Gesellschaft spielen kann, und wie wir die Popularität dieses wunderbaren Sports nutzen können, um jene Werte zu stärken, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktioniert: Gemeinsinn, Solidarität und Toleranz.Fußball ist ein Spiegel unserer Zeit. Aber gerade deshalb ist es umso wichtiger, dass der Fußball auch seiner sozialen und ethischen Verantwortung gerecht wird. Die Faszination des Fußballspiels ist in besonderer Weise geeignet, Akzente für eine mitmenschliche Gesellschaft zu setzen. Schließlich hat keine andere Sportart weltweit mehr Anhänger und somit eine größere gesellschaftspolitische und integrative Kraft.

Der Fußball bindet die Menschen und ist bestens geeignet, einfache Botschaften über den Umgang miteinander zu transportieren. Das andere ist, dass die Gestaltungskraft, die im Fußball steckt, uns die Chance gibt, das Trennende zwischen den Menschen zu minimieren. Sportverbände dürfen nicht mehr unpolitisch sein. Eine humane Gesellschaft entsteht dadurch, dass man Minderheiten ein Gesicht und eine Sprache gibt. Es war eines der wichtigsten Ziele meiner DFB-Präsidentschaft, das Bewusstsein für gesamtgesellschaftliches Engagement, für den Einsatz für Minderheiten und den Kampf gegen Diskriminierung zu schärfen und die Strukturen zu schaffen, dass der Fußball seinen Beitrag für eine menschliche Gesellschaft leistet.

Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit, Verständnis und Verständigung, Toleranz und Akzeptanz, Rücksicht und Respekt. All das sind Werte, die der Fußball, die wir den Kindern genauso vermitteln müssen wie ein korrektes Zusammenspiel auf dem Rasen. Wir wollen sportlichen Wettbewerb, ja. Wir wollen den Leistungsgedanken fördern. Aber noch viel mehr als die Trophäen und Titel wollen wir ein menschliches Miteinander. Fair Play ist weit mehr als nur ein Sportbegriff. Fair Play muss eine Selbstverständlichkeit im Bewusstsein aller Menschen werden. Eine fest verankerte innere Grundüberzeugung, die an keinen geografischen, religiösen oder kulturellen Grenzen haltmacht.

Unser Land braucht Zivilcourage, immer noch und manchmal mehr denn je. Daraus ergeben sich Vorbildfunktionen, die wir für alle sichtbar machen müssen. Wer aufsteht, darf nicht alleine dastehen. Vorbilder müssen allerdings glaubwürdig handeln, also sich ernsthaft bemühen, Wort und Tat in Einklang zu bringen. Wer die Förderung des Frauenfußballs wirklich will und nicht nur als Alibi begreift, der sollte sich auch regelmäßig Spiele der Frauenligen ansehen und sich nicht nur in den attraktiveren VIP-Logen der Männer-Bundesliga aufhalten. Macht zu haben in einer starken Sportorganisation sollte bedeuten, sie mit denen zu teilen, die Wertvolles tun, aber aus eigener Kraft nicht ausreichend sichtbar werden.

Für den Fußball wird immer der Leistungssport oberste Priorität behalten, weil er so wichtig für die Nachwuchsförderung ist. Aber für mich war und ist der Profifußball auch Mittel zum Zweck gewesen wegen seiner Ausstrahlung auf den Breitensport bis hin zum Behindertensport. Es ist nicht so, dass es nur den professionellen Fußball gibt und sonst nichts. Die Balance muss immer wieder hergestellt werden. Es sind die kleinen Leute, die mit ihrer Leidenschaft diesen Sport leben. Denen muss man die Chance geben, in die Stadien zu kommen.

Fußball ist Politik, Fußball ist Gesellschaft, und der Fußball darf sich nicht einfach mit der Behauptung, er habe nichts mit Politik zu tun, aus der Verantwortung stehlen. Wenn Politik Gemeinschaftsgestaltung bedeutet, also für ein soziales und gerechtes Miteinander eintreten muss, dann gehört der Ball mitten hinein.

 

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