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Plastik & Müll

Der Abfall der Anderen

Mehr als die Hälfte des Plastikmülls in den Ozeanen gelangt aus fünf asiatischen Ländern in die Umwelt. Die Ursache für die massiven Emissionen liegt in den überwiegend unzureichenden Abfallwirtschaftssystemen im globalen Süden. Der neue Polyproblem-Report der Röchling Stiftung und Wider Sense nimmt Versäumnisse und Möglichkeiten unter die Lupe.

28.04.2020

Der Abfall der Anderen

Internationale Vergleichszahlen zeigen es eindeutig: Mit dem zunehmenden Wohlstand steigt der Plastikkonsum. Das Abfallmanagement in den Entwicklungsregionen wächst aber bei weitem nicht im gleichen Tempo mit. Setzt sich diese Entwicklung fort und geht diese Schere weiter auseinander, steht die Welt erst am Anfang des Plastikproblems – trotz der enormen öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema.

Weshalb es bisher nicht gelingt, in Schwellen- und Entwicklungsländern eine flächendeckende Abfallwirtschaft als Grundlage für Recycling und Kreislaufwirtschaft zu etablieren, haben die gemeinnützige Röchling Stiftung und das Beratungshaus Wider Sense in ihrem neuen Polyproblem-Report mit dem Titel „Der Abfall der Anderen“ umfassend untersucht.

Drei zentrale Ergebnisse

Die Autoren haben internationale Studien analysiert und mit Expertinnen und Experten der Entwicklungszusammenarbeit gesprochen. Sie haben Hilfsprogramme von großen, internationalen Organisationen wie der Weltbank oder der Vereinten Nationen recherchiert und Aktivitäten von Unternehmen und deren Netzwerke betrachtet. Sie haben Initiatoren vielfältiger Projekte aus der Zivilgesellschaft und nicht zuletzt vor Ort betroffene Menschen interviewt.

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„Unsere umfangreichen Recherchen und Analysen führten zu drei zentralen Ergebnissen“, fassen Michael Alberg-Seberich, Geschäftsführender Gesellschafter von Wider Sense, und Uwe Amrhein, Stiftungsmanager der Röchling Stiftung zusammen.

  1. Das Prinzip der Erweiterten Produzentenverantwortung, das unter anderem in den Ländern der EU dafür sorgt, dass die Befüller von Verpackungen sich an der Finanzierung der Infrastruktur für Sammlung, Sortierung und Recycling beteiligen, ist in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern nicht oder nur ansatzweise gesetzlich verankert. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

  2. Die Einführung einer Erweiterten Produzentenverantwortung und der damit zusammenhängenden Abfallwirtschaftssysteme lässt sich nicht einfach aus den Industrieländern exportieren. So erfassen gegenwärtig zum Beispiel in Indien die rund 1,5 Millionen privaten Abfallsammler weit mehr Plastikmüll als das gesamte öffentliche System. Hinzu kommt die überwiegend kommunale Zuständigkeit mit sehr unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten. Es sind also Systeme zu entwickeln, die das Prinzip der Erweiterten Produzentenverantwortung mit dem informellen Sektor verbinden.

  3. Globale Unterstützungsprogramme, Maßnahmen der internationalen Entwicklungspolitik, Unternehmensengagement und Projekte aus der Zivilgesellschaft finden nur in Ausnahmefällen zusammen. „Natürlich werden einzelne Projekte von Unternehmen und der öffentlichen Hand gefördert. Es gibt aber keine große, multilaterale Offensive zur schnellen und systematischen Verbreitung guter Lösungen“, stellen die Herausgeber kritisch fest.

Der neue Polyproblem-Report soll unter anderem Organisationen, öffentlichen Institutionen, Unternehmen und Stiftungen dienen, die sich im Themenfeld Kunststoff und Umwelt engagieren oder ein solches Engagement planen.

Unter dem Titel Polypromen fassen die gemeinnützige Röchling Stiftung und Wider Sense verschiedene Informations- und Vernetzungsangebote zusammen, die zu einer besseren Zusammenarbeit bei der Lösung dieser globalen Herausforderung beitragen sollen. Dazu zählen Studien, Webinare, Workshops und Exkursionen.

Alle Angebote sind über die Website erreichbar.

Röchling Stiftung

Die Röchling Stiftung widmet sich konzentriert dem Thema Kunststoff und Umwelt. Sie unterstützt sowohl Forschungsprojekte als auch zivilgesellschaftliche Initiativen, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoffen im Sinne einer nachhaltigen Kreislauwirtschaft beitragen. Die Röchling Stiftung sieht sich dabei nicht als reiner Förderpartner, sondern ist vor allem interessiert am Aufbau neuer, Sektoren übergreifender Kooperationen und Netzwerke.

Die Röchling Stiftung wurde 1990 von der Unternehmerfamilie Röchling errichtet. Die Familie ist auch Eigentümerin der Unternehmensgruppe Röchling, die zu den international führenden Anbietern von Hochleistungs-Kunststoffen für die Automobiltechnik, Industrieanwendungen und Medizintechnik zählt.

Wider Sense

Mit maßgeschneiderter Beratung, von der Recherche über die Strategie bis hin zur Implementierung, unterstütztWider Sense Unternehmen und Stiftungen dabei, sozialen Wandel wirkungsvoll zu gestalten. Seit Mai 2015 ist Wider Sense zudem eine zertifizierte B-Corporation. In den letzten Jahren hat Wider Sense Fachwissen in den Bereichen CSR, Philanthropie und Sozialinvestitionen generiert und ein globales Netzwerk von strategischen Partnern aufgebaut. Mit seiner internationalen Reichweite und seinem multidisziplinären Team hat Wider Sense mit mehr als 100 Kunden an Projekten in über 30 Ländern zusammengearbeitet, welche direkten Einfluss auf Fonds für sozialen Wandel in einer Höhe von mehr als 100 Millionen Euro haben.

Quelle: UD/pm
 

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