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Klimawandel

Gleichberechtigung der Geschlechter als Strategie im Kampf gegen den Klimawandel

Wir befinden uns in einer Klimakrise. Und obwohl viele kluge Köpfe derzeit intensiv an Strategien arbeiten, um die schlimmsten Auswirkungen der drohenden Katastrophe abzuwenden, wird eine besondere Klimalösung oft übersehen: die Gleichstellung der Geschlechter.

08.04.2020

Gleichberechtigung der Geschlechter als Strategie im Kampf gegen den Klimawandel

von Joky François

Agrarwirtschaft: Hauptreiber des Klimawandels

Die internationale Agrarwirtschaft ist einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen. Schätzungsweise 23 Prozent der gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen stammen laut Weltklimarat IPCC aus der konventionellen Land- und Forstwirtschaft. Gleichzeitig werden immer noch in großem Umfang Wälder gerodet, um Ackerflächen zu gewinnen und somit der CO2-Austoß weiter befeuert. Nach Lockerungen der Waldschutzgesetze hat Brasilien im Sommer 2019 etwa viermal so viel Fläche gerodet wie im Zeitraum der Jahre 2015 bis 2018. Alleine im Juli 2019 wurden also 2.254 Quadratkilometer Regenwald vernichtet. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes.

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Aber nicht nur große, industrielle Unternehmen roden Wälder. Auch Farmen und kleinere Farmgemeinschaften, die in südlichen Anbauländern und Regenwäldern leben, nutzen illegale Abholzung oft als Mittel der Wahl. Ursache hierfür ist nicht nur die oft mangelnde Kenntnis, sondern wiederum der Klimawandel. Weil er die Fertilität des Bodens schwächt, sehen sich Farmen gezwungen, ihre bestehenden Ackerflächen zu erweitern. Damit entsteht ein negativer Kreislauf aus Waldrodungen, um Ernteausfallrisiken wegen des Klimawandels besser zu verteilen – und gleichzeitiger Befeuerung der Klimakrise aufgrund derartiger Abholzung.

Gleichzeitig verschlimmert der Klimawandel die Notlage für vor allem Frauen. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der International Union for Conversation of Nature legt nahe, dass sich die traditionellen Geschlechterrollen in ländlichen Gebieten in Zeiten des Klimawandels bei Verknappung natürlicher Ressourcen verstärken – ebenso nimmt die Gewalt gegen Frauen zu. Das hindert sie oft daran, einer Arbeit nachzugehen, eine Ausbildung zu absolvieren oder eben zu lernen, Ackerland optimal zu bewirtschaften und die Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Dennoch machen laut einem FAO-Bericht Frauen fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in den ländlichen Gebieten aus. In über 90 Ländern können sie jedoch nicht einmal das Land besitzen, auf dem sie arbeiten, wie eine Grafik von Landesa zeigt. Zudem fehlt ihnen oft der Zugang zu finanziellen Mitteln, Bildung und Entscheidungsfindung. Dabei würden genau diese Faktoren, nicht nur den Frauen selbst, sondern vor allem unserem Klima helfen.

Kann Female Empowerment unser Klima retten?

Laut Project Drawdown, einer Forschungsorganisation für Klimalösungen, ja. In einem von der Organisation aufgestellten Ranking zählt die Bildung von Frauen zu den zehn wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Treibhausgase zu reduzieren. Frauen also ihres Arbeitskräftepotenzials und der Ressourcen zu verwehren, ist demnach nicht nur ungerecht, sondern auch kurzsichtig. Denn ausgebildete Farmerinnen verfügen laut FAO oft über bis zu 20 bis 30 Prozent produktivere landwirtschaftliche Flächen und wirtschaften besser verglichen mit männlichen Produzenten.

Gleichzeitig weist das Project Drawdown insbesondere darauf hin, dass die Ungleichheit beim Besitz von Land sowie mangelnde Bildung und Unterstützung dazu führen, dass Farmerinnen auf der gleichen Fläche weniger produzieren als Männer. Zudem sind die Frauen einer dreifachen Belastung ausgesetzt, denn sie sorgen sich um Kinder, Haushalt und die Bewirtschaftung der Agrarflächen. Schließt man diese Kluft zwischen den Geschlechtern würde dies das Leben von Frauen und Kindern verbessern – und dazu beitragen, den Klimawandel effektiver bekämpfen zu können.

Wird also Farmerinnen die Möglichkeit gegeben, auf bestehenden Landflächen ihre Ernte steigern zu können, müssten Ackerflächen nicht mehr auf nahe gelegene Wälder ausgedehnt werden. So könnten wir allein durch eine optimale Bewirtschaftung der bereits bestehenden Landflächen die Emissionen bis 2050 um 2,1 Gigatonnen Kohlendioxid reduzieren. Das entspricht den Emissionen von 445 Millionen Autos.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter als Strategie im Kampf gegen den Klimawandel

Gleichberechtigung: Eine Aufwärtsspirale

Tatsache ist, je mehr (Aus-)Bildungsmöglichkeiten und Chancen Frauen haben und je weniger belastet sie von Aufgaben wie Haushalt und Kinder hüten sind, desto gesünder sind ihre Gemeinden – und die Umwelt, in der sie leben. Haben Frauen das Recht, Eigentum beziehungsweise Land zu besitzen, kann das ihr Einkommen laut der US-Entwicklungsorganisation um bis zu 380 Prozent steigern – und damit ihre Lebensgrundlage und ihren Haushalt stärken. Gleichzeitig tendieren Frauen eher dazu, Erträge wieder in ihre Familien und Gemeinden zu investieren – und das sogar mit bis zu 90 Prozent ihres Einkommens, wie ein Bericht des World Economic Forum zeigt.

Die Vorteile der Gleichberechtigung der Geschlechter liegen demnach auf der Hand. Um Frauen jedoch Gleichberechtigung bezüglich Bildung, finanziellen Mitteln und Entscheidungsgewalt zu ermöglichen, bedarf es der konsequenten Zusammenarbeit mit Farmbesitzern und Gemeinden. Ein wichtiger Schritt ist hierbei vor allem Frauen und Männer aktiv miteinzubeziehen. Denn nur wenn auch Männer intensiv mit einbezogen werden, können wir die dringend notwendige Akzeptanz erreichen und einen tragfähigen, langfristigen Wandel herbeiführen.

Die Förderung von Farmerinnen ist der Schlüssel, um eine nachhaltigere und bessere Lebensgrundlage im Agrarsektor zu schaffen. Mehrere Studien haben gezeigt: Je mehr Frauen wirtschaftliche Stärke erlangen, desto mehr profitieren davon ihre Familien und Gemeinschaften – und letztendlich auch das Klima.

Joky François

Über die Autorin

Joky François arbeitet seit 20 Jahren im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement mit Fokus auf partizipativen Lernprozessen, die Einbeziehung von Frauen und die Förderung von Veränderungsprozessen. Seit 2006 arbeitet die studierte Forstwissenschaftlerin bei der Rainforest Alliance als Teamleiter für Geschlechter-Themen. Ihre Mission: Die Gleichstellung der Geschlechter.

Quelle: UD
 

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