11.12.2019
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20.09.2019

Klimawandel

„Wir müssen uns vom Wachstumsgedanken verabschieden“

Solidarität mit der „Fridays for Future”-Bewegung: Die Landmanagement-Expertin Prof. Dr. Tine Köhler von der Frankfurt UAS fordert den Schutz von Ressourcen und sieht die Gesamtgesellschaft beim Klimaschutz in der Pflicht. „Es gibt kein unbegrenztes Wachstum mit begrenzten Ressourcen“, so die Wissenschaftlerin.

Prof. Dr. Tine Köhler, Frankfurt UAS.
Prof. Dr. Tine Köhler, Frankfurt UAS.

Zu einem globalen Streik gegen den Klimawandel ruft die Fridays for Future-Bewegung für den 20. September 2019 auf. An diesem Tag beschließt die deutsche Bundesregierung ein Klimaschutzpaket, und der Klimagipfel der Vereinten Nationen (UN) steht vor der Eröffnung. Für eine Wende in der Klimapolitik sollten sich nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern alle Generationen engagieren, fordert Prof. Dr. Tine Köhler, Professorin für Landmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), die als Hochschule anwendungsorientiertes Denken ihrer Studierenden fördert. „Es ist notwendig, sich vom Wachstumsgedanken zu verabschieden“, so die Wissenschaftlerin.

„Klimaschutz als ein Ziel einer nachhaltigen Entwicklung steht immer wieder anderen Belangen entgegen. Schaut man sich die ‚Sustainable Development Goals‘ der UN an, werden Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum als gleichwertige Ziele aufgeführt“, erklärt Köhler. „Dabei wird wirtschaftliches Wachstum vor allem auch mit einer für den Klimaschutz äußerst relevanten Ressource erkauft: unserem Land – für Transportinfrastruktur, Rohstoffabbau, Gewerbegebiete und, als Folge der zusätzlichen Arbeitsplätze, für Wohngebiete. Es werden Flächen in Anspruch genommen, die für Kaltluftentstehung und Durchlüftung der bebauten Umwelt notwendig sind, aber auch für die Luftreinhaltung oder die Artenvielfalt.“

Klimaschutz versus wirtschaftlicher Wachstum

Im Nutzungswettbewerb bekomme fast immer diejenige Nutzung den Vorzug, die für die Wirtschaft rentierlich sei. „Wirtschaftswachstum ist noch immer das Hauptziel in der westlichen Welt. Bezeichnenderweise hieß die Kommission, die den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau konzipieren sollte, ,Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘.“ Im Entwurf des „Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen“ findet sich der Vorschlag zum Ausbau der A4 Richtung Polen, obwohl bekannt sei, dass zur Erreichung der Klimaziele eine Mobilitätswende zwingend ist. „Die Investition in die Verkehrsinfrastruktur für LKW und PKW ist kein empfehlenswerter Weg, um den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren. Mit dem Ausbau wird zudem eine große Flächeninanspruchnahme einhergehen“, ist sich die Wissenschaftlerin sicher. „Jedoch lässt sich die Maßnahme im Sinne der Nachhaltigkeit mit dem Ziel des Wirtschaftswachstums und der Forcierung des Transeuropäischen Netzes rechtfertigen.“

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Bislang sehen die meisten Ansätze zum Klimaschutz Verbote vor oder sind mit Einschränkungen des Lebensstandards verbunden. „Dadurch lässt sich keine Transformation der Gesellschaft erreichen“, analysiert Köhler. „Die Politik ist gefordert, dafür zu sorgen, dass Wohlstand und Wachstum nicht zwingend aneinander gekoppelt sind, dass Klimaschutz Lebensqualität bedeutet. Dies erfordere Aufklärung, Anschauungsobjekte und Initiativen, die Alternativen aufzeigen.“

Es sei notwendig, sich vom Wachstumsgedanken zu verabschieden: „Wir können für eine nachhaltige Entwicklung die Ressource Land nicht unbegrenzt verschwenden“, sagt die Expertin und fordert: „Es darf kein neues Land ,verbraucht‘ werden. Nachhaltigkeitsziele müssen priorisiert werden, um auch nicht rentable Freiflächen – und damit Klimaschutz – Vorrang bei der Flächennutzung zu geben. Dafür braucht es Anpassungen im Planungswesen, um Nutzungen im Land neu zu verteilen, Wege zu verkürzen und dezentrale Ver- und Entsorgung zu ermöglichen.“ Auch im Transportsystem sei es notwendig, bereits in Anspruch genommene Fläche besser auszunutzen: sei es durch multifunktionale Nutzung – „wozu die Überlegungen zu einer Einhausung der Autobahn A661 bereits ein wichtiger Schritt ist“ – oder durch mehrfache Nutzung im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Umnutzungen, Nachnutzungen und Brachflächennutzung wie bei leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäuden seien auch bei Straßen, zum Beispiel als Bahntrassen, anzustreben. Zum Erreichen dieser Ziele sei ein Umdenken aller unausweichlich. „Nur eine Bewegung aus der Gesellschaft selbst, wie es Fridays for Future ist, kann eine solche Transformation ermöglichen.“

Zur Person

Prof. Dr. Tine Köhler ist seit 2018 Professorin für Landmanagement an Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung ländlicher Räume, europäisches Landmanagement und Baulandentwicklung. Sie hat umfassende Lehrerfahrung als Professorin für nachhaltige Landnutzung, als Dozentin für Siedlungsumbau. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit Kreislaufwirtschaft im Landmanagement und der Finanzierbarkeit nicht-rentierlicher Nutzungen.

Quelle: UD/pm
 

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