26.06.2019
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30.05.2019

Klimawandel

„CO2 Steuern werden unsere Probleme nicht lösen, außer sie tun wirklich weh.“

Lange Zeit war die Idee einer CO2-Steuer politisch nicht gewollt, nun aber haben die Umweltminister der Länder den Bund einstimmig aufgefordert, die Einführung eines Preises für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu prüfen. Prof. Franz Josef Radermacher warnt allerdings gleich aus mehreren Gründen vor Illusionen in diesem Kontext.

„CO2 Steuern werden unsere Probleme nicht lösen, außer sie tun wirklich weh.“

Die energieintensiven Teile der EU-Ökonomie operieren bereits heute im Rahmen eines Zertifikatesystems (Cap and Trade System). Das wirkt zielgerichteter als eine Steuer. Die Preise pro Tonne CO2 liegen aktuell bei etwa 25 Euro, das entspricht dem, was in den Medien häufig für die Steuer diskutiert wird.

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Steuern wirken national, das Klimaproblem ist global

Der Klimawandel ist im Wesentlichen ein globales Problem. Die zu erwartenden CO2-Zuwächse in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind um ein Mehrfaches größer als die Gesamtemissionen in Europa. „Offenbar kann eine zusätzliche Steuer auf CO2 in Europa, die möglicherweise auch noch nach sozialen Kriterien an die Bürger zurückgegeben werden soll, wenig zur Lösung der eigentlichen Probleme beitragen“, so Radermacher.

Zu hohe Steuern würden Zusammenhalt der Gesellschaft gefährden

Eine Steuer von 30 Euro auf eine Tonne CO2 würde für Benzin eine Verteuerung von wenigen Cent pro Liter bedeuten. Heute betragen die Steuern auf Benzin aber ohnehin 65 Cent oder mehr. Die regelmäßigen Preisschwankungen bei Benzin sind höher als die potentielle CO2-Steuer. „Steuern werden unsere Probleme nicht lösen, außer sie tun wirklich weh“, resümiert der Autor des Klima-Buchs „Der Milliarden-Joker“. Dann wirken sie aber fast ausschließlich zu Lasten finanziell nicht gut aufgestellter Bürger, die auf diese Weise zum Beispiel aus dem Verkehrsgeschehen herausgedrängt werden. Dies sei unter dem Aspekt des Zusammenhalts der Gesellschaft problematisch.

Wir brauchen ganz andere Lösungen

„Wir sollten in Deutschland endlich beginnen, uns für globale Ansätze im Klimaschutz zu engagieren“ fordert daher der Wirtschaftswissenschaftler. Dazu gehören hochwertige, internationale Kompensationsprojekte, die insbesondere CO2 wieder aus der Atmosphäre herausholen, zum Beispiel über massive Aufforstung und Humusbildung in der Landwirtschaft. Zum anderen über die Nutzung synthetischer Kraftstoffe im Rahmen einer Methanolökonomie, zum Beispiel in enger Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika.

Über Franz Josef Radermacher:

Prof. Dr. Franz Josef Radermacher

Franz Josef Radermacher ist Mathematiker, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler. Er ist seit 2018 Professor und Botschafter für digitale Transformation an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Bis zu seiner Emeritierung 2018 war er Professor für Datenbanken und Künstliche Intelligenz an der Universität Ulm und leitet in Ulm weiterhin das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung. Radermacher ist Preisträger des Robert-Jungk-Preises 2005 und seit 2010 Präsident des Senats der der Wirtschaft e.V. Er ist Autor von »Welt mit Zukunft« (2011) und »Balance oder Zerstörung« (2002). Von 2000 – 2018 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Er ist Mitglied des »Club of Rome« und ein international gefragter Redner. 2018 erschien sein Buch „Der Milliarden-Joker“ im Murmann Verlag.

Der Milliarden-Joker

Die Idee ist brilliant einfach und von einem der führenden Umwelt- und Wirtschaftswissenschaftler des Landes durchgerechnet und durchgeplant: Mit einem „Milliarden-Joker“ könnte die deutsche Politik dafür sorgen, dass deutsche Unternehmen, Institutionen und Organisationen ab 2025 jährlich mindestens eine Milliarde Tonnen CO2 in finanzielle Entwicklungszuschüsse verwandeln. Das Prinzip: Geht man von einem mittleren Kompensationspreis von 20 Euro pro Tonne aus, wären das zusätzlich 20 Milliarden Euro als deutscher Beitrag zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit, die heute bei 22,3 Milliarden Euro liegt.

 

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