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Biodiversität

Palau: Umsetzung eines Meeresschutzgebietes

Anfang Januar hat der Inselstaat Palau in seinen Hoheitsgewässern eines der größten und ambitioniertesten Meeresschutzgebiete der Welt eröffnet. Dem beratenden internationalen Expertenteam hat auch ein Ökologe des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) angehört.

31.01.2020

Palau: Umsetzung eines Meeresschutzgebietes zoom
Riff vor Babeldaob, der größten Insel Palaus

Am 1. Januar 2020 eröffnete der Inselstaat Palau ein Meeresschutzgebiet in seinen Hoheitsgewässern, das seinesgleichen sucht: das Palau National Marine Sanctuary. Es ist einer der größten und ambitioniertesten marinen Nationalparks der Welt. 80 Prozent der Wirtschaftszone von Palau, ein Gebiet von fast 500.000 Quadratkilometern, sollen für die Fischerei nicht mehr zugänglich sein, die restlichen 20 Prozent sind ausschließlich der heimischen Fischerei vorbehalten.

Zuvor hatte sich auf Initiative der Regierung Palaus ein internationales Team von Wissenschaftlern und Vertretern von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zusammengefunden, um einen Forschungs- und Aktionsplan zu entwickeln, der als Richtschnur für die Umsetzung des Projektes gilt. Der multidisziplinären Gruppe gehörten auch Experten des internationalen Projekts Future Earth Coasts an, dessen Zentrale seit 2019 am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) angesiedelt ist.

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Ökotourismus statt Fischwirtschaft

Der pazifische Inselstaat Palau liegt am nördlichen Rand des sogenannten Korallendreiecks, einer der artenreichsten Meeresregionen der Welt. Seine Gewässer weisen bemerkenswert gesunde Meeresökosysteme auf. Sie beherbergen mehr als 1.300 Fisch- und 700 Korallenarten sowie Meeresschildkröten, Mantas, Seevögel, Wale und Haie.

Eine ertragreiche Einnahmequelle für den Staat war bisher der Verkauf von Lizenzen für das Fangen von Thunfisch. Das soll ein Ende haben: „Unsere Zukunft ist der Tourismus, nicht der Thunfisch“, verkündete Präsident Remengesau. Der Inselstaat erlaubt nur noch der eigenen Flotte das Fischen in einem kleinen Gebiet, das 20 Prozent seiner Territorialgewässer ausmacht. Ein schmaler Meeresstreifen um die Inseln herum ist der handwerklichen Fischerei für den Eigenbedarf vorbehalten, das riesige Restareal von 500.000 Quadratkilometer steht unter Naturschutz.

„Palau setzt für die Zukunft auf nachhaltigen Ökotourismus im höheren Preissegment. Die immer seltenere Möglichkeit, in gut erhaltenen Riffen zu tauchen oder eine atemberaubende Meeresfauna zu beobachten, sind ein starker Tourismusmagnet“, erklärt Sebastian Ferse, Geschäftsführer von Future Earth Coasts am ZMT und einer der beratenden Experten. „Die Ressourcen aus seinen Hoheitsgewässern sollen dem Land selber und dem Tourismus zugutekommen, exportiert wird kaum noch.“

Die Fassade eines traditionellen Langhauses in Palau zeigt die Verbundenheit der Einheimischen mit dem Meer
Die Fassade eines traditionellen Langhauses in Palau zeigt die Verbundenheit der Einheimischen mit dem Meer

Schonendes Ressourcenmanagement

Meeresschutzgebiete sind im Pazifik zwar nicht selten, doch nur wenige werden ihrem Zweck gerecht. Meist fehlt es an Geld, Personal und dem Willen der Behörden, Vorschriften durchzusetzen. Die Einheimischen fühlen sich nicht in die Entscheidungen eingebunden und befolgen die Regeln daher nicht. Palaus Nationalpark hingegen gibt Grund zur Hoffnung.

Die einheimische Bevölkerung legt eine starke Verbundenheit mit ihrer unversehrten Meeresumwelt an den Tag, ist stolz, eine Fischernation zu sein. Angeleitet durch die Dorfältesten pflegen die Clans auf den Inseln schon seit Jahrhunderten ein schonendes Ressourcenmanagement in ihrer traditionellen Fischerei. Ein so großes Schutzgebiet zu überwachen ist logistisch zwar anspruchsvoll – hier muß auf Technologie wie Drohnen und eine gut ausgestattete Motorbootflottille gesetzt werden. Doch dem Projekt fehlt es nicht an internationaler Unterstützung, wie zum Beispiel aus den USA.

"Unser beratendes Expertenteam hat versucht, alle verfügbaren Informationen zusammenzuführen, damit die Regierung Palaus fundierte Entscheidungen treffen kann, aber auch um Unsicherheiten und weiteren Forschungsbedarf zu identifizieren“, so Sebastian Ferse. „Dieses ist eine sehr ehrgeizige Initiative, und das Ergebnis hängt zum Teil von derzeit schwer vorhersehbaren Entwicklungen ab. Ist der Nationalpark erfolgreich, wird er ein Fanal setzen für die Bemühungen um den Schutz der Meere in anderen Ländern".

Über das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme wie Mangroven, Seegraswiesen, Korallenriffen, Ästuaren und Auftriebsgebieten. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber menschlichen Eingriffen und natürlichen Veränderungen. Mit seiner Arbeit schafft das Institut eine wissenschaftliche Grundlage für den Schutz und die nachhaltige Nutzung dieser Lebensräume. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es den Aufbau von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt. Das ZMT ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. 

Quelle: UD/fo
 

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