23.04.2019

22.10.2018

Zertifikate & Siegel

Ergaunern Lachsfarmen sich die Öko-Siegel?

Eine von SeaChoice durchgeführte Untersuchung der Verfahren bei der Umwelt-Zertifizierungen von Lachsfarmen weltweit ergab, dass Ihr Zuchtlachs vielleicht weit weniger nachhaltig ist, als das Umweltlogo des Aquaculture Stewardship Council (ASC) Sie glauben macht – nur ein kleiner Teil der zertifizierten Zuchtbetriebe erfüllt tatsächlich die geforderten ASC-Kriterien.

Ergaunern Lachsfarmen sich die Öko-Siegel?

„Eine Umwelt-Zertifizierung durch eine namhafte Organisation wie dem ASC sollte nur
Zuchtbetriebe mit exzellenten Verfahren auszeichnen, die die strengen Kriterien ohne Ausnahme erfüllen. Stattdessen mussten wir feststellen, dass nur rund 20 Prozent der Lachsfarmen die schriftlich vereinbarten Kriterien erfüllen. Wenn Verbraucher Produkte mit diesem Label kaufen, bekommen sie nicht das, was sie denken“, erklärt die Hauptautorin des Berichts Kelly Roebuck, die die Living Oceans Society bei SeaChoice vertritt.

Bei dem Bericht handelt es sich um die erste weltweite Untersuchung dazu, inwieweit Lachsfarmen den Standard für Lachs, den so genannten Salmon Standard, des ASC erfüllen, wie nachhaltig die Lachsfarmen tatsächlich arbeiten und welche Auswirkungen Abweichungen von dem Standard haben. 257 Farmen, darunter Betriebe in Australien, Kanada, Chile, Norwegen und Schottland, wurden ab der ersten Zertifizierung im Jahr 2014 bis zum 15. März 2018 untersucht. Damit wurde die Mehrheit der Lachszuchtgebiete der Welt erfasst.

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Für eine erfolgreiche Zertifizierung setzt der Salmon Standard des ASC eine 100-prozentige Erfüllungsquote der Kriterien voraus. Doch der Bericht machte deutlich, dass in der Praxis weder der Standard noch der Leitfaden für Prüfer im Sinne der schriftlichen Vereinbarungen eingehalten werden. Stattdessen kommen die  Abweichungen und Interpretationen de facto einer Änderung dieser Dokumente gleich, während operative Überprüfungen dazu genutzt wurden, den Standard formell zu ändern – und zu schwächen. Sämtliche Änderungen untergraben den Anspruch des ASC, nur beste Verfahren zu zertifizieren.

Standard teilweise ignoriert

„Änderungen der Norm setzen sich über die von den Stakeholdern getroffenen Vereinbarungen hinweg, auf denen letztendlich die gesellschaftliche Legitimierung des Standards beruht. Als Folge wurden viele der ursprünglichen Anliegen des Standards ausgehöhlt“, erklärt John Werring, SeaChoice-Vertreter der David Suzuki Foundation.

Die SeaChoice-Mitgliedsorganisationen waren gemeinsam mit der Industrie und anderen Nichtregierungsorganisationen an dem sechsjährigen Dialog zum Thema Lachs-Aquakultur beteiligt, aus dem der Salmon Standard hervorgegangen ist.

Die Abweichungen bedeuten eine erhebliche Modifizierung der Kriterien des Standards und damit eine Entfernung von dem ursprünglichen Anliegen, da Zuchtbetriebe, die die Kriterien nicht erfüllen, trotzdem zertifiziert werden. Kanadische Lachszuchtbetriebe mit Seelausbefall, der 148 Mal höher war als erlaubt, sowie Betriebe in Norwegen und Chile, die 330 Prozent höhere Mengen chemischer Substanzen zur Bekämpfung von Seeläusen einsetzten, als von der Norm zugelassen, haben trotzdem eine ASC-Zertifizierung erhalten bzw. behalten.

Verlust der Glaubwürdigkeit

„Es besteht die Gefahr, dass Umweltzertifizierungen sowohl ihre Glaubwürdigkeit als auch das Vertrauen der Verbraucher verlieren. Sie funktionieren nur, wenn die Standards eingehalten werden und echte Veränderungen im Wasser erzielt werden. Es kann nicht sein, dass eine ‚wir machen weiter wie bisher‘-Einstellung belohnt wird“, meint Karen Wristen, Executive Director der Living Oceans Society.

SeaChoice appelliert an den ASC, unverzüglich diejenigen Änderungen zu korrigieren, die das erklärte Ziel des Standards, beste Verfahren und Methoden zu zertifizieren, abschwächen. „Wir wenden uns an den ASC und hoffen, dass die Zuständigen bereit sind, die wichtigsten Empfehlungen dieses Berichts umzusetzen, um das ursprüngliche Ansinnen des Standards zu bewahren", ergänzt Roebuck.

Quelle: UD/pm
 

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