12.12.2018

07.12.2018

Wirtschaftsethik

Wie können Hochschulen eine Kultur der Nachhaltigkeit realisieren?

Wie funktioniert Transfer für eine nachhaltige Entwicklung an Hochschulen? Mit dieser Frage befasste sich die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und legt erstmals einen Leitfaden vor, der anderen Hochschulen helfen kann, eigene Aktivitäten zu optimieren und Nachhaltigkeit dabei im Blick zu behalten. Prof. Dr. Benjamin Nölting (HNEE) erklärt, wie das gehen kann.

Wie können Hochschulen eine Kultur der Nachhaltigkeit realisieren?

Es gibt hierfür kein Patentrezept, das für alle Hochschulen gleichermaßen hilfreich wäre, zu unterschiedlich sind Hochschulen. Das Verbundprojekt „Nachhaltige Entwicklung an Hochschulen“ (HOCHN) hat sechs Leitfäden zu verschiedenen Handlungsfeldern vorgelegt: zu Lehre, Forschung, Transfer, Hochschulgovernance, Betrieb und Berichterstattung. Hier kann jede Hochschule konkrete Ansatzpunkte für sich finden.

Warum haben Sie den Leitfaden „Transfer für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen“ geschrieben? Wie wichtig ist dieses Thema, um eine nachhaltige Entwicklung an Hochschulen anzustoßen?

Prof. Dr. Benjamin Nölting: Bei Transfer geht es um die Zusammenarbeit von Hochschulen mit der Praxis. Wenn die Kooperationspartner dabei das Ziel verfolgen, nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft voranzubringen, dann sprechen wir von Nachhaltigkeitstransfer. Nachhaltigkeitstransfer ist dann besonders wirkungsvoll, wenn Wissenschaft und Praxis im gegenseitigen Austausch ihre Kompetenzen einbringen und auf Augenhöhe gemeinsam Lösungen entwickeln; die Wissenschaft allein kann das nicht leisten. Dabei können alle voneinander lernen. Transfer ist an der Schnittstelle von Hochschule und Praxis angesiedelt und bietet damit die Voraussetzung, um Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung zu betreiben – und die Hochschule selbst zu verändern.

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Wie können Hochschulen Nachhaltigkeitstransfer, eine Wortneuschöpfung, umsetzen? Was schlagen Sie vor?

Nölting: Viele Akteure an Hochschulen arbeiten bereits mit der Praxis zusammen. Wir zeigen im Leitfaden auf, wie Praxisakteure systematisch in Lehre und Forschung einbezogen werden können und wie sich dadurch auch die Perspektive der Beteiligten ändert. Bei Nachhaltigkeitstransfer müssen sich die Kooperationspartner mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und aufzeigen, wie sie mit dem Transfer dazu beitragen wollen. Das sind wichtige Impulse für Innovationen.

Der Leitfaden hilft Interessierten, ihre Ideen für Nachhaltigkeitstransfer und die Ausgangsbedingungen einzuordnen. Er unterstützt sie dabei, die verschiedenen Schritte im Transferprozess mit den Knackpunkten zu durchdenken. Dabei schlagen wir Möglichkeiten vor, wie der Transferprozess verbessert werden kann. 

Können Sie ein Beispiel für Nachhaltigkeitstransfer an der HNE Eberswalde geben?

Nölting: Wir sehen ein großes, bislang kaum genutztes Potenzial von Nachhaltigkeitstransfer in der Lehre. Lehre und Lernen werden dabei in einen Praxiskontext gestellt. Ein Beispiel: Praxispartner der HNEE formulieren aus ihrem Berufsfeld Aufgaben. Studierende im Master Regionalentwicklung und Naturschutz bearbeiten diese als ein Semesterprojekt. Dabei suchen Studierende, Praxisakteure und Lehrende gemeinsam nach konkreten Lösungen. Die Studierenden erproben ihr Theorie- und Methodenwissen und erfahren Selbstwirksamkeit; Praxisakteure profitieren von deren innovativen Ideen und einer wissenschaftlichen Reflexion; die Lehrenden vertiefen ihre Einblicke in die Forschungs-Praxis-Schnittstelle und verbessern ihre Lehre. So können im besten Falle alle Beteiligten ganzheitlich Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung erwerben.

Quelle: UD/fo
 

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